Novartis Aktie: Acht Zelltherapie-Studien nach Todesfällen gestoppt

Novartis setzt acht CAR-T-Studien aus, vereinbart zugleich eine Lizenz über bis zu 3,22 Milliarden Dollar und plant Stellenabbau.

Die Kernpunkte:
  • Acht CAR-T-Studien vorübergehend unterbrochen
  • Drei Todesfälle nach schweren Immunreaktionen
  • Lizenzdeal mit Alteogen über 3,22 Milliarden Dollar
  • Bis zu 130 Stellen in Kleinbasel entfallen

Der Schweizer Pharmakonzern erlebt zum Wochenausklang ein volatiles Marktumfeld. Während strategische Weichenstellungen in Milliardenhöhe die langfristige Pipeline stärken sollen, dämpfen Berichte über pausierte Forschungsprojekte im Bereich der Zelltherapie die Stimmung der Anleger. Am heutigen Freitag notiert die Novartis-Aktie mit einem Minus von 1,4 % bei 137,20 €.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für den Kurs ist die Unterbrechung von acht klinischen Studien zur CAR-T-Zelltherapie (rap-cel) im Bereich der Autoimmunerkrankungen.

Berichten zufolge kam es zu drei Todesfällen aufgrund schwerer Immunreaktionen, konkret dem sogenannten Immune Effector Cell-Associated Hemophagocytic Lymphohistiocytosis Syndrome (IEC-HS). Diese Entwicklung betrifft ein Programm mit mehr als 500 Patienten und sorgt für Unsicherheit über die zeitliche Planung dieser spezifischen Therapieplattform.

Strategische Milliardeninvestition in die Wirkstoffabgabe

Als Gegengewicht zu den klinischen Rückschlägen fungiert eine umfassende Lizenzvereinbarung mit dem südkoreanischen Unternehmen Alteogen. Novartis sicherte sich am gestrigen Donnerstag für bis zu 3,22 Milliarden Dollar die Rechte an der Hybrozyme-Plattform (ALT-B4). Diese Technologie ermöglicht es, Medikamente, die bisher aufwendig intravenös verabreicht werden mussten, in eine subkutane Form zur einfachen Injektion unter die Haut umzuwandeln.

Damit positioniert sich das Unternehmen im direkten Wettbewerb zu Konkurrenten wie Roche, die ähnliche Technologien nutzen, um die Patientenfreundlichkeit ihrer Präparate zu erhöhen.

Analyst Michael Leuchten von Jefferies belässt die Einstufung für das Papier nach Gesprächen mit der Konzernleitung auf „Hold“ mit einem Kursziel von 110 CHF. Er verwies dabei insbesondere auf das Potenzial des Wirkstoffs Remibrutinib, der bei der chronischen Hauterkrankung Hidradenitis suppurativa eine Wirksamkeit zeigen könnte, die bisher nur deutlich komplexeren Biologika vorbehalten war.

Fortschritte bei Multipler Sklerose und Standortumbau

Im Bereich der Multiplen Sklerose (MS) lieferte Remibrutinib bereits greifbare Ergebnisse. In den Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2, an denen rund 2.000 Patienten teilnahmen, konnte die Häufigkeit von Schüben im Vergleich zum bisherigen Standardpräparat Aubagio signifikant gesenkt werden.

Besonders hervorgehoben wird das Sicherheitsprofil des BTK-Inhibitors, da im Gegensatz zu vergleichbaren Wirkstoffklassen keine Leberschäden beobachtet wurden.

Parallel zur klinischen Entwicklung treibt das Management die Konsolidierung der Schweizer Standorte voran. Bis zum Jahr 2028 sollen am Standort Kleinbasel bis zu 130 Stellen wegfallen, wobei die dortige Produktion bereits 2027 enden soll.

Diese Maßnahmen sind Teil einer Konsolidierung der Labor- und Produktionskapazitäten auf den Hauptcampus. Trotz der aktuellen Herausforderungen in der Zelltherapie-Sparte zeigt sich der Titel auf Jahressicht widerstandsfähig. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Plus von 16 %.

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