Novartis Aktie: Del-desiran verfehlt Phase-III-Ziel
Novartis verfehlt Studienziele bei Del-desiran und Pelacarsen, pausiert Rap-cel-Programme und plant Zulassungsanträge für Remibrutinib.

- Del-desiran scheitert in Phase III
- Pelacarsen erreicht primären Endpunkt nicht
- Acht AUTOGRAPH-Studien vorübergehend pausiert
- Remibrutinib überzeugt in zwei Studien
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis sieht sich mit einer Serie klinischer Rückschläge konfrontiert, die das Vertrauen in die kurzfristige Pipeline-Entwicklung belasten. Nachdem innerhalb nur einer Woche drei Studienvorhaben die gesteckten Ziele verfehlten oder pausiert werden mussten, reagierte der Markt mit deutlicher Zurückhaltung.
Insbesondere das Scheitern eines Hoffnungsträgers, der durch eine milliardenschwere Übernahme in das Portfolio gelangte, sorgt für Diskussionsstoff unter Marktteilnehmern und Analysten.
Misserfolge bei Del-desiran und Pelacarsen
Am gestrigen Dienstag gab das Unternehmen bekannt, dass der Wirkstoff Del-desiran seinen primären Endpunkt in der klinischen Phase-III-Studie HARBOR verfehlt hat. Das Medikament, das zur Behandlung der seltenen Muskelkrankheit Myotone Dystrophie Typ 1 vorgesehen war, konnte keine statistisch signifikante Verbesserung der Handöffnungszeit im Vergleich zu einem Placebo erzielen.
Del-desiran galt als das Herzstück der rund 12 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Avidity Biosciences. Medienberichten zufolge verzeichnete die Aktie am gestrigen Handelstag infolge dieser Nachricht einen deutlichen Kursrückgang.
Dieser Misserfolg folgt auf eine Enttäuschung am vergangenen Freitag. Dort meldete Novartis, dass auch die Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON mit dem kardiovaskulären Kandidaten Pelacarsen den primären Endpunkt nicht erreicht hat.
Das Medikament konnte das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle gegenüber der Placebo-Gruppe nicht signifikant senken. Damit fallen zwei potenzielle Wachstumstreiber in der späten klinischen Phase vorerst als Kurstreiber aus.
Pipeline-Turbulenzen und Lichtblick bei Remibrutinib
Zusätzlich zu den negativen Studienergebnissen wurde das klinische Programm Rapcabtagene Autoleucel (Rap-cel) teilweise unterbrochen. Bereits am 24. August pausierte Novartis acht Studien innerhalb des sogenannten AUTOGRAPH-Programms, nachdem drei Todesfälle infolge schwerer Immunreaktionen aufgetreten waren. Diese Unterbrechung betrifft Anwendungen bei Autoimmun- und neurologischen Erkrankungen, während Studien mit Krebspatienten fortgeführt werden.
Trotz dieser Häufung negativer Nachrichten gab es Anfang September auch positive Signale aus der Forschung. Der Wirkstoff Remibrutinib erreichte in zwei Phase-III-Studien (REMODEL-1 und -2) die primären Endpunkte bei der Behandlung von schubförmig verlaufender Multipler Sklerose.
Das Medikament konnte sowohl die annualisierte Rückfallrate als auch entzündliche Hirnläsionen im Vergleich zum Konkurrenzprodukt von Sanofi reduzieren. Novartis plant hierfür nun weltweite Zulassungsanträge.
Analysten reagieren auf Studien-Fehlschläge
Die jüngsten Ereignisse haben zu ersten Anpassungen bei den Einschätzungen der Analystenhäuser geführt. Analyst Michael Leuchten von Jefferies behielt gestern sein Rating auf „Hold“ bei, merkte jedoch an, dass das Scheitern von Del-desiran Fragen zum Due-Diligence-Prozess bei Akquisitionen aufwerfe. Er verwies dabei auf die hohe Bewertung, die Novartis im Rahmen der Übernahme für den Wirkstoff akzeptiert hatte.
Zeitgleich senkte Stefan Schneider von Vontobel sein Kursziel von 128 CHF auf 125 CHF, believ das Rating jedoch auf „Hold“. Weitere Experten, etwa von der Deutschen Bank und Morgan Stanley, halten trotz der aktuellen Rückschläge an ihren positiven Einstufungen fest, betonen jedoch, dass die langfristigen Gewinnerwartungen nun stärker von kommenden Datenpunkten abhängen.
Die Aktie notiert aktuell bei 118,26 € und verzeichnet damit heute einen leichten Rückgang um 0,5 %. Das Papier bewegt sich derzeit deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 144,30 €, das im Februar erreicht wurde.
Mit dem aktuellen Niveau wahrt der Kurs jedoch einen Abstand von 15 % zu seinem 52-Wochen-Tief bei 102,40 €. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich auf umgerechnet 261,44 Milliarden €.
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