Novartis Aktie: HARBOR-Studie verfehlt Endpunkt
Zwei Phase-III-Studien verfehlten ihre Ziele; Lizenzvereinbarungen sollen Novartis’ Forschungspipeline ergänzen.

- Zwei späte Studien erreichten ihre Endpunkte nicht
- BoomRay-Lizenz umfasst bis zu 900 Millionen US-Dollar
- Abogen-Abkommen mit 575 Millionen US-Dollar Vorauszahlung
- Aktie seit Jahresbeginn 5,9 Prozent im Plus
Novartis steuert auf die Vorlage seiner Zwischenbilanz für das dritte Quartal 2026 zu. Am 27. Oktober 2026 wird der Basler Pharmakonzern seinen Ergebnisbericht in Basel präsentieren. Für Marktteilnehmer steht die Veröffentlichung im Zeichen einer weitreichenden Weichenstellung: Nach spürbaren Dämpfern in späten Entwicklungsphasen versucht der Konzern, seine klinische Pipeline durch gezielte Lizenzabkommen zu verstärken.
Klinische Rückschläge belasten das Bild
Im Fokus der vergangenen Wochen standen vor allem Enttäuschungen in der fortgeschrittenen Forschung. Am 4. September meldete Novartis, dass die Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON zu Pelacarsen ihr definiertes Studienziel verfehlte. Zusammen mit der Phase-III-HARBOR-Studie zu del-desiran, die ihren primären Endpunkt ebenfalls nicht erreichte, sorgte das Ausbleiben der erhofften Studienerfolge für Gegenwind.
Solche Rückschläge wiegen im Pharmasektor schwer, da Zulassungen in Phase III entscheidend für künftige Umsatztreiber sind. Zugleich wächst damit der Handlungsdruck, bestehende Patentabläufe durch neue Produktkandidaten aufzufangen. Auch das allgemeine Branchenumfeld bleibt anspruchsvoll.
Die Unternehmensspitze von Novartis unterzeichnete gemeinsam mit Spitzenvertretern europäischer Wettbewerber wie AstraZeneca, Boehringer Ingelheim, GSK, Roche und Novo Nordisk einen offenen Brief, der die Rahmenbedingungen für Pharma-Investitionen in Europa thematisiert.
Zukäufe sollen Forschungspipeline auffüllen
Als Reaktion auf die Lücken in der Entwicklung setzt Novartis verstärkt auf externe Kooperationen. Am 22. September sicherte sich Novartis Pharma von BoomRay Pharmaceuticals eine weltweite Exklusivlizenz für einen präklinischen Radioliganden-Wirkstoffkandidaten. Die Vereinbarung sieht Meilensteine und Zahlungen von bis zu USD 900 Millionen sowie potenzielle Lizenzgebühren vor.
Ergänzend ging der Konzern eine Partnerschaft mit dem chinesischen Biotechunternehmen Abogen Biosciences ein. Diese Transaktion umfasst weltweite Rechte an dem mRNA-kodierten Wirkstoffkandidaten ABO2203 sowie Optionen auf zusätzliche Plattformprogramme. Novartis leistet dabei eine Vorauszahlung in Höhe von USD 575 Millionen; erfolgsabhängig können sich die Zahlungen laut Reuters auf bis zu USD 7,8 Milliarden belaufen.
Erwartungen vor dem Zwischenbericht
An der Börse zeigt sich das Papier im laufenden Jahr dennoch stabil. Mit einem Schlusskurs von 125,16 Euro am vergangenen Freitag verzeichnet der Titel seit Jahresanfang ein Plus von 5,9 Prozent.
Die Analystengemeinde blickt vor den Zahlen zurückhaltend auf den Schweizer Wert. Emmanuel Papadakis von Deutsche Bank Research beließ die Einstufung am 29. September auf Hold mit einem Kursziel von CHF 120 und begründete dies mit wöchentlichen Verschreibungsdaten. Wie stark die jüngsten Einbußen in der Pipeline die mittelfristigen Ertragsaussichten tatsächlich dämpfen, wird sich am 27. Oktober zeigen.
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