Novartis Aktie: Kapitalmarkttag als Prüfstein?

Höhere Gewinnschätzungen stützen die Neubewertungen, während Studienrückschläge und neutrale Empfehlungen die Zuversicht begrenzen.

Die Kernpunkte:
  • UBS setzt Kursziel auf 130 CHF
  • DZ Bank hebt Ziel auf 134 CHF
  • Rückschläge belasten zwei Medikamentenprojekte
  • Kapitalmarkttag am 19. November im Fokus

Mehrere Analysehäuser haben gestern ihre Kursziele für Novartis erhöht, bleiben bei ihren Empfehlungen aber zurückhaltend. Die Neubewertungen signalisieren mehr Zutrauen in die Ertragsentwicklung, nicht jedoch einen Wechsel ins Käuferlager. Für Anleger rückt damit der Kapitalmarkttag am 19.11.2026 in den Mittelpunkt: Dort erwartet UBS weitere Anhaltspunkte für die mittelfristigen Perspektiven.

UBS hebt Schätzungen und Bewertungsbasis an

UBS erhöhte das Kursziel von 116 auf 130 CHF und bestätigte die Einstufung „Neutral“. Analyst Matthew Weston hob nach erneuter Prüfung des Quartalsberichts seine Ergebnisschätzungen an. Zugleich stellte er die Bewertungsbasis auf 2027 um.

Das höhere Ziel beruht somit auf zwei Veränderungen: besseren Gewinnerwartungen und einem weiter nach vorn gerichteten Bewertungszeitraum. Es ist keine neue Kaufempfehlung. Diese Unterscheidung ist für Anleger wichtig, weil ein steigendes Kursziel nicht automatisch eine optimistischere Einschätzung des verbleibenden Kurspotenzials bedeutet.

Auch die DZ Bank blieb bei „Halten“, setzte ihr Kursziel aber von 130 auf 134 CHF herauf. Weitere Häuser erhöhten ihre Ziele ebenfalls und behielten überwiegend neutrale Einstufungen bei.

Die gemeinsame Richtung ist damit klar: Die Analysten bewerten Novartis höher, sehen aber weiterhin Gründe für Zurückhaltung. Der Quartalsbericht liefert dafür sowohl operative Argumente als auch deutliche Warnsignale aus der Medikamentenentwicklung.

Studienrückschläge begrenzen die Zuversicht

Laut Reuters verbuchte Novartis Belastungen von insgesamt rund 2,2 Mrd. USD aus Rückschlägen bei zwei Medikamenten. Davon entfielen 1,9 Mrd. USD auf eine Teilwertminderung für del-desiran und 300 Mio. USD auf pelacarsen.

Bei del-desiran verfehlte die Phase-III-Studie HARBOR zur myotonen Dystrophie Typ 1 ihren primären Endpunkt. Der Wirkstoff stammt aus der Übernahme von Avidity Biosciences. Damit betrifft der Rückschlag nicht nur die laufende Forschung, sondern auch die Bewertung eines zugekauften Entwicklungsprojekts.

BioPharma Dive berichtete gestern, dass del-desiran in Entwicklung bleibt. Nach Einschätzung von Führungskräften dürfte eine weitere Phase-III-Studie nötig sein. Eine solche Erwartung ist allerdings noch keine bestätigte Ankündigung einer neuen Studie. Novartis prüft die vollständigen Daten und Gespräche mit Behörden.

Kapitalmarkttag soll Perspektiven konkretisieren

Weston erwartet beim Kapitalmarkttag aktualisierte Spitzenumsatzziele für Medikamente sowie Angaben zur mittelfristigen Entwicklung. Diese Aussagen könnten helfen, die höheren Ergebnisschätzungen gegen die Risiken einzelner Forschungsprojekte abzuwägen.

Für Anleger liegt darin der nächste wichtige Prüfstein. Die höheren Kursziele zeigen, dass die jüngsten Studienrückschläge das Vertrauen in die Ertragskraft nicht vollständig verdrängt haben. Die unveränderten Empfehlungen zeigen zugleich die Grenze dieser Zuversicht: Für eine überzeugendere Bewertung müssen die langfristigen Umsatzchancen auch nach den Rückschlägen belastbar bleiben.

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