Novartis Aktie: Pelacarsen-Debakel!

Zwei Phase-III-Studien verfehlten ihre Ziele, während ein EU-Ausschuss eine erweiterte Cosentyx-Zulassung empfahl.

Die Kernpunkte:
  • Pelacarsen verfehlte den primären Studienendpunkt
  • Del-desiran scheiterte ebenfalls in Phase III
  • CHMP empfahl erweiterte Cosentyx-Zulassung
  • Novartis fordert mehr Europas Pharma-Investitionen

Novartis sucht nach schweren Rückschlägen in seiner späten Entwicklungspipeline nach verlässlichem Boden. Nachdem Anfang September zwei klinische Hoffnungsträger die Erwartungen verfehlten, richtet sich der Blick des Schweizer Pharmakonzerns nun auf die bestehenden Ertragspfeiler sowie die Rahmenbedingungen für künftige Forschung in Europa.

Teure Dämpfer in der Spätphase

Anfang des Monats hatten gescheiterte Studien die Anleger verunsichert. Am 4. September meldete Novartis, dass der Wirkstoff Pelacarsen in der Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON bei Patienten mit erhöhten Lp(a)-Werten und bestehender kardiovaskulärer Erkrankung den primären Endpunkt verfehlte.

Wenige Tage später folgte Del-desiran mit einem weiteren Misserfolg in der Phase-III-Studie HARBOR. Laut Reuters sackte die Aktie am 8. September daraufhin um rund 9 Prozent ab.

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Deutsche Bank Research stufte die Aktie am 9. September auf „Hold“ ab und reduzierte das Kursziel auf 120 Franken. Analyst Emmanuel Papadakis verwies auf die klinischen Fehlschläge und die damit verbundenen strategischen Fragezeichen. HSBC stufte das Papier vor rund zwei Wochen wiederum auf „Hold“ herauf.

Zulassungsempfehlung und politischer Appell

Etwas Entlastung brachte am 18. September eine Entscheidung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP). Das Gremium der Europäischen Arzneimittel-Agentur empfahl eine EU-Zulassungserweiterung für das Medikament Cosentyx zur Behandlung Erwachsener mit Polymyalgia rheumatica.

Die Indikation zielt auf Patienten ab, die unzureichend auf Glukokortikoide ansprechen oder während des Ausschleichens einen Rückfall erleiden. Bei einer Zulassung durch die Europäische Kommission wäre Cosentyx der erste in Europa zugelassene IL-17A-Hemmer für diese Erkrankung.

Parallel engagiert sich das Basler Unternehmen in der Diskussion um die Attraktivität europäischer Standorte. Am 22. September forderten die Führungskräfte von Novartis und acht weiteren Pharmaunternehmen – darunter AstraZeneca, Roche und Sanofi – in einem gemeinsamen offenen Brief verstärkte Investitionen in den europäischen Sektor. Zudem mahnten die Konzerne zügigere klinische Studien sowie einen stärkeren Schutz geistigen Eigentums an.

An der Börse zeigt sich nach den turbulenten Septemberwochen eine vorsichtige Beruhigung. Am Freitag schloss die Aktie bei 127,10 Euro, was einem moderaten Zuwachs von 0,5 Prozent entspricht. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro bleibt der Abstand allerdings spürbar.

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