Novartis Aktie: Pelacarsen scheitert an Endpunkt

Novartis verfehlt mit Pelacarsen ein Studienziel und stoppt acht Zelltherapie-Studien. Vontobel reduziert das Kursziel auf 128 CHF.

Die Kernpunkte:
  • Pelacarsen erreicht klinischen Endpunkt nicht
  • Acht CAR-T-Studien vorübergehend unterbrochen
  • Drei Todesfälle lösen Sicherheitsprüfung aus
  • Vontobel senkt Kursziel auf 128 CHF

Der Pharmakonzern Novartis muss herbe Rückschläge in seiner Medikamenten-Pipeline verarbeiten. Eine groß angelegte Studie zu einem potenziellen Milliarden-Blockbuster verfehlte am Freitag ihre klinischen Ziele, während Sicherheitsbedenken bei einer neuartigen Zelltherapie die Forschung in mehreren Bereichen ausbremsen. Analysten reagierten am heutigen Montag mit ersten Kurszielanpassungen auf die veränderte Nachrichtenlage.

Pipeline-Dämpfer durch Pelacarsen-Studie

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Medikament Pelacarsen, ein sogenannter Lp(a)-Senker, den Novartis gemeinsam mit dem Partner Ionis Pharmaceuticals entwickelt. In der groß angelegten Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON konnte der Wirkstoff zwar den Lipoprotein(a)-Spiegel im Blut signifikant senken, erreichte jedoch den entscheidenden klinischen Endpunkt nicht.

Laut Reuters führten die Behandlungen nicht zu einer statistisch bedeutsamen Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder kardiovaskulärer Todesfälle im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

Das Scheitern dieser Studie unterminiert eine zentrale Investitionsthese für die Pipeline des Schweizer Konzerns. Medienberichten zufolge hatten Analysten dem Präparat zuvor ein Spitzenumsatzpotenzial zwischen 1,3 Milliarden und 6 Milliarden US-Dollar beigemessen. Das Ergebnis am Freitag markiert damit einen herben Verlust für die langfristigen Wachstumsphantasien im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sicherheitsstopp bei Zelltherapie-Programmen

Zusätzlich zur Enttäuschung in der Kardiologie kämpft Novartis mit Rückschlägen in der Immunologie. Am 1. September wurde bekannt, dass das Unternehmen acht klinische Studien mit dem CAR-T-Therapeutikum Rapcabtagene autoleucel (rap-cel) pausieren musste. Grund für diesen Schritt sind drei gemeldete Patiententodesfälle, die im Zusammenhang mit einem schweren Entzündungssyndrom stehen.

Die Unterbrechung der Studien betrifft die Erforschung des Wirkstoffs bei schweren Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Multipler Sklerose und rheumatoider Arthritis. Diese Pause ist bereits seit dem 24. August aktiv und belastet die Aussichten auf eine schnelle Erschließung neuer Einsatzgebiete für die CAR-T-Technologie, die ursprünglich primär in der Onkologie eingesetzt wurde.

Analysten bewerten Pipeline-Risiken neu

Die Novartis-Aktie notiert am heutigen Montag bei 133,56 € und verzeichnet damit ein Minus von -2,6 %. Trotz des aktuellen Rücksetzers weist der Wert seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 13 % auf. Die jüngsten Ereignisse veranlassten Experten jedoch zu vorsichtigeren Einschätzungen hinsichtlich des zukünftigen Bewertungspotenzials.

Die Analysten von Vontobel senkten am heutigen Montag ihr Kursziel für das Papier von 130 CHF auf 128 CHF und bestätigten die Einstufung „Hold“. Den negativen Effekt durch den Ausfall von Pelacarsen beziffern die Experten auf etwa 1,5 % pro Aktie.

Teilweise kompensiert werde dieser Rückschlag jedoch durch höhere Schätzungen für das Medikament Remibrutinib, das in Studien zur Multiplen Sklerose zuletzt positive Ergebnisse erzielte.

Jefferies bestätigte am heutigen Montag ebenfalls die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 110 CHF und merkte an, dass die Markterwartungen an den Erfolg der Pelacarsen-Studie ohnehin bereits gedämpft gewesen seien.

Trotz der klinischen Rückschläge bleibt das bestehende Geschäft solide. In den am 21. Juli veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal wies Novartis einen währungsbereinigten Nettoumsatzanstieg von 1 % aus, der vor allem durch Marken wie Kisqali und Kesimpta getragen wurde.

Die Konzernleitung bestätigte zu diesem Zeitpunkt die Prognose für das Gesamtjahr 2026, die ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich vorsieht. Zudem setzt das Unternehmen seine Kapitalrückführungen fort: Im ersten Halbjahr wurden 18,2 Millionen Aktien für insgesamt 2,8 Milliarden US-Dollar über die Börse zurückgekauft.

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