Novo Nordisk Aktie: 9.000 Stellen abgebaut

Die gescheiterte Herz-Kreislauf-Studie ZEUS belastet Novo Nordisk schwer. Der Konzern kündigt Abschreibungen an, während der Aktienkurs deutlich nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • ZEUS-Studie verfehlt Wirksamkeitsziel
  • Wertminderung im dritten Quartal geplant
  • Kurs fällt auf 40,90 Euro
  • Quartalszahlen am Mittwoch erwartet

Novo Nordisk kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag brach die Aktie des dänischen Pharmakonzerns um 8,48 Prozent auf 40,90 Euro ein, nachdem das Unternehmen den Fehlschlag einer wichtigen Herz-Kreislauf-Studie bekanntgegeben hatte. Der Rückschlag trifft den Wegovy- und Ozempic-Hersteller in einer Phase, in der er ohnehin unter verschärftem Wettbewerbsdruck steht und gleichzeitig seine Geschäftsstruktur neu ordnet.

ZEUS-Studie verfehlt ihr Ziel

Im Zentrum steht die Phase-III-Studie ZEUS mit dem Wirkstoff Ziltivekimab. An der Untersuchung nahmen 6.315 Patienten mit atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, systemischer Entzündung und chronischer Nierenerkrankung teil. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Die Hazard Ratio lag bei 0,99 mit einem Konfidenzintervall von 0,88 bis 1,11 – statistisch kein Unterschied zu Placebo bei der Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Zwar senkte Ziltivekimab Entzündungsmarker wie CRP und sTNFR1 messbar, ein klinischer Nutzen blieb jedoch aus. In der Behandlungsgruppe traten zudem mehr schwere Infektionen auf, während sich die Gesamtmortalität kaum unterschied. Novo Nordisk hatte den Antikörper 2020 im Zuge der 725 Millionen Dollar schweren Übernahme von Corvidia erworben.

Das Unternehmen kündigte an, im dritten Quartal 2026 eine nicht zahlungswirksame Wertminderung zu verbuchen. Die Prognose für das operative Ergebnis 2026 bleibt davon nach eigenen Angaben unberührt. Zwei weitere kardiovaskuläre Studien, HERMES und ARTEMIS, laufen weiter – Ergebnisse werden Anfang 2027 erwartet.

Kursverlust trifft auf günstige Bewertung

Der Kurseinbruch vom Freitag reiht sich in eine längere Talfahrt ein: Gemessen am 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus dem Januar notiert das Papier inzwischen 25,45 Prozent tiefer. Zugleich weist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,1 einen deutlichen Abschlag zum Branchendurchschnitt von 14,9 und zur Vergleichsgruppe von 24,7 auf; ein Modell zum fairen KGV kommt auf einen Wert von 23,0. Trotz des ZEUS-Rückschlags und eines laufenden Rechtsstreits mit Eli Lilly besteht die Aktie nach dieser Rechnung fünf von sechs gängigen Bewertungskriterien – über drei Jahre steht dennoch ein Kursverlust von 36,4 Prozent zu Buche.

Stellenabbau, Preissenkungen und neue Wegovy-Daten

Die ZEUS-Enttäuschung ist nicht der einzige Belastungsfaktor. Bereits zuvor hatte eine gescheiterte Studie zur oralen Semaglutid-Variante bei Alzheimer-Patienten – rund 4.000 Teilnehmer, keine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs – die Aktie in Kopenhagen um mehr als 10 Prozent einbrechen lassen. Konzernchef Mike Doustdar kündigte daraufhin für September einen Stellenabbau von 11 Prozent an, umgerechnet rund 9.000 Arbeitsplätze. Die Umsatzprognose wurde in diesem Jahr bereits zum vierten Mal gesenkt.

Parallel dazu justiert Novo Nordisk seine Preisstrategie in den USA. Ab dem 1. Januar 2027 sollen die Listenpreise für Wegovy, Ozempic und Rybelsus einheitlich auf 675 Dollar pro Monat sinken – ein Abschlag von rund 50 Prozent bei Wegovy und etwa 35 Prozent bei Ozempic. Jamey Millar, EVP U.S. Operations, begründete den Schritt damit, Patienten mit hohen Selbstbeteiligungen oder Kostenbeteiligungen den Zugang zu erleichtern; bestehende Selbstzahlerprogramme sollen unverändert weiterlaufen.

Auf der Produktseite setzt der Konzern zugleich auf neue Daten: Die hochdosierte Wegovy-Variante mit 7,2 Milligramm erzielte in einer auf dem European Congress on Obesity vorgestellten Auswertung nach 72 Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 27,7 Prozent, verglichen mit 17 Prozent unter der bisherigen Höchstdosis von 2,4 Milligramm. Drei große amerikanische Pharmacy Benefit Manager haben die höhere Dosis inzwischen in ihre Erstattungslisten aufgenommen – ein Gegengewicht zum Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly, das mehr als 20 Prozent Gewichtsverlust erreicht.

Quartalszahlen am Mittwoch im Fokus

Anleger richten den Blick nun auf die Quartalszahlen, die Novo Nordisk am kommenden Mittwoch vorlegen will. Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von rund 5,09 Dollar bei einem Umsatz von etwa 72,6 Milliarden Dollar. Nach der Häufung negativer Studienmeldungen und dem laufenden Rechtsstreit mit Eli Lilly dürfte der Bericht zeigen, wie robust das Kerngeschäft mit Wegovy und Ozempic trotz der Rückschläge tatsächlich bleibt.

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