Novo Nordisk Aktie: 96 Dollar fairer Wert

Ein DCF-Modell bescheinigt Novo Nordisk einen fairen Wert von 96 US-Dollar. Die Aktie erholt sich, doch rechtliche Risiken und Konkurrenzdruck belasten.

Die Kernpunkte:
  • DCF-Modell zeigt 47 Prozent Unterbewertung
  • EU-Zulassung für Wegovy-Tablette erteilt
  • Rechtsstreit mit Eli Lilly und Aktionären
  • Aktie erholt sich, bleibt unter Jahreshoch

Novo Nordisk kostet an der Börse rund 45 Euro. Nach einem Rechenmodell auf Basis der Cashflows wäre die Aktie fast doppelt so viel wert. Diese Lücke treibt gerade eine bemerkenswerte Erholung an.

Die Papiere legten am Mittwoch um 0,92 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 7,08 Prozent, im Monatsvergleich sind es 6,62 Prozent. Die Aktie kämpft sich aus einem tiefen Loch: Über drei Jahre hatte sie 33,4 Prozent verloren.

Das Rechenmodell hinter der Rally

Ein aktuelles Bewertungsmodell attestiert dem dänischen Pharmakonzern eine deutliche Unterbewertung. Novo Nordisk besteht fünf von sechs gängigen Bewertungstests.

Kern der Analyse ist ein Discounted-Cashflow-Modell. Der Konzern erwirtschaftet auf Zwölf-Monats-Basis einen freien Cashflow von rund 48,2 Milliarden dänischen Kronen. Die Modellrechnung geht davon aus, dass dieser Cashflow weiter wächst statt zu schrumpfen. Daraus ergibt sich ein fairer Wert von etwa 96 US-Dollar je Aktie.

Verglichen mit dem aktuellen Kurs bedeutet das einen Abschlag von rund 47,2 Prozent. Auch beim Gewinnmultiplikator zeigt sich ein ähnliches Bild. Novo Nordisk handelt aktuell zum 12,2-fachen Gewinn, die Pharmabranche im Schnitt zum 15,5-fachen, ein breiterer Vergleichskreis sogar zum 26-fachen. Angesichts der Margen und des Gewinnprofils sähen manche Analysten ein faires Kurs-Gewinn-Verhältnis eher bei rund 23.

Wegovy-Zulassung trifft auf Klagewelle

Der Optimismus stützt sich vor allem auf regulatorischen Rückenwind. Die EU-Kommission genehmigte am 15. Juli die Wegovy-Tablette sowie eine höher dosierte Spritzenversion. Diese Zulassung kann die langfristigen Umsatz- und Cashflow-Erwartungen stützen.

Parallel dazu belasten rechtliche Risiken das Bild. Novo Nordisk verklagt Eli Lilly wegen vergleichender Werbeaussagen zu Adipositas-Medikamenten. Der Rechtsstreit bringt zusätzliche Unsicherheit in eine ohnehin schon von Konkurrenzdruck geprägte Wachstumsstory.

Hinzu kommt eine zweite juristische Front. Aktionäre verklagen den Konzern wegen des Diabetes- und Adipositas-Präparats CagriSema. Sie werfen dem Management vor, Investoren vor einer enttäuschenden Studie falsch informiert zu haben. Ein US-Richter ließ am Dienstag Teile der Klage zur weiteren Prüfung zu — ein Fingerzeig, keine Schuldfeststellung. Die Aktionäre können nun in der nächsten Verfahrensphase Beweise für ihre Vorwürfe sammeln.

Charttechnik: Erholung mit Luft nach oben

Trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie 17,84 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro vom 23. Januar entfernt. Vom Tief bei 30,25 Euro Anfang März hat sich der Kurs bereits um 49,01 Prozent erholt. Der RSI von 65 signalisiert positive Dynamik, ohne dass die Aktie bereits überkauft wäre.

Am 5. August 2026 legt Novo Nordisk die Zahlen für das erste Halbjahr vor. Investoren werden genau hinschauen, ob der Schwung aus dem Adipositas-Geschäft — allen voran die neu zugelassene Wegovy-Tablette — den wachsenden Konkurrenzdruck von Eli Lilly ausgleichen kann. Ob sich die rechnerische Unterbewertung tatsächlich schließt, hängt davon ab, wie überzeugend das Management die regulatorischen Erfolge in nachhaltiges Cashflow-Wachstum übersetzt.

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