Novo Nordisk Aktie: Anhörung am 17. August

Novo Nordisk beantragt einstweilige Verfügung gegen Lilly-Werbung. Analysten sehen Vor- und Nachteile im juristischen Vorgehen gegen den US-Rivalen.

Die Kernpunkte:
  • Einstweilige Verfügung gegen Lilly beantragt
  • Streit um veraltete Studiendaten in Werbung
  • Analysten uneins über Novo-Rechtsstrategie
  • Aktie reagiert kaum auf juristische Eskalation

Novo Nordisk geht im Werbestreit mit Eli Lilly einen entscheidenden Schritt weiter. Das dänische Unternehmen kündigte am Freitag an, eine einstweilige Verfügung gegen die vergleichende Werbung des US-Konkurrenten für die Abnehmpräparate Zepbound und Mounjaro zu beantragen. Der Antrag soll bis zum 17. August vor einem Bundesgericht in New Jersey verhandelt werden – nur wenige Tage nachdem Novo Nordisk bereits Klage gegen Lilly eingereicht hatte.

Vorwurf: Veraltete Studien als Werbegrundlage

Kern des Streits sind Fernsehspots, in denen Lilly seine höchsten getesteten Dosen von Zepbound und Mounjaro mit niedrigeren Dosierungen von Novos Wegovy und Ozempic vergleicht. Novo Nordisk wirft Lilly vor, sich dabei auf veraltete Studiendaten aus den Untersuchungen Surmount-5 und Surpass-2 zu stützen und neuere, höhere Dosen von Wegovy und Ozempic bewusst zu verschweigen. Konkret verweist Novo auf eine seit März zugelassene 7,2-Milligramm-Dosis von Wegovy sowie eine 2-Milligramm-Dosis von Ozempic. Ein vielzitierter Lilly-Werbespot behauptet einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 50 Pfund unter Zepbound gegenüber 33 Pfund unter Wegovy – Novo kontert, die höhere Wegovy-Dosis erziele in aktuelleren Auswertungen 47 Pfund. Der überarbeitete Zepbound-Spot habe seit April mehr als 700 Millionen Impressionen erzielt. Novo Nordisk fordert neben der einstweiligen Verfügung eine dauerhafte Unterlassung, korrigierende Werbung und Schadenersatz und beruft sich auf einen Verstoß gegen den US-amerikanischen Lanham Act. Lilly weist sämtliche Vorwürfe zurück und verweist darauf, seine Kampagnen stützten sich auf die einzigen direkten Kopf-an-Kopf-Studien zwischen den Wirkstoffen.

Analysten uneins über die Strategie

Die Eskalation kommt bei Marktbeobachtern unterschiedlich an. Evan Seigerman, Analyst bei BMO, wertet den Schritt als Zeichen eines insgesamt aggressiveren Geschäftsansatzes von Novo Nordisk. Sven Borho, Manager bei Orbimed, mahnt dagegen zur Vorsicht: Aus seiner Sicht sollte sich das Unternehmen stärker auf die eigene Produktpipeline konzentrieren, statt Ressourcen in Rechtsstreitigkeiten zu binden. Der Konflikt fällt in eine Phase, in der beide Konzerne um Marktanteile im hart umkämpften US-Adipositas-Geschäft ringen, das bis zum Ende des Jahrzehnts auf über 100 Milliarden Dollar anwachsen soll.

Wie umkämpft der Markt tatsächlich ist, zeigen aktuelle Verschreibungszahlen aus den USA. In der Woche bis Freitag kletterten die wöchentlichen Verordnungen für Novos Wegovy-Tablette auf rund 169.800, ein Plus von gut zehn Prozent zur Vorwoche. Zepbound von Lilly legte im gleichen Zeitraum um knapp acht Prozent auf etwa 710.000 Verschreibungen zu und hält damit einen Marktanteil von 58,9 Prozent. Die Wegovy-Tablette erreichte innerhalb von fünf Monaten drei Millionen Gesamtverschreibungen, mehr als 80 Prozent der Neupatienten sind demnach bislang unbehandelte GLP-1-Einsteiger.

Aktie reagiert verhalten auf die Klageeskalation

An der Börse zeigte sich das Papier von der juristischen Offensive zunächst wenig beeindruckt. Am Freitag schloss die Novo-Nordisk-Aktie bei 42,88 Euro und legte damit um 1,44 Prozent zu. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Verlust von 28,76 Prozent zu Buche – ein Rückgang, der die schwierige Ausgangslage im Wettbewerb mit Lilly unterstreicht. Der Rechtsstreit dürfte die Investoren in den kommenden Wochen weiter beschäftigen: Mit der Anhörung zur einstweiligen Verfügung am 17. August rückt ein konkreter Termin näher, der zeigen wird, ob Novo Nordisk seine juristische Offensive gegen den größten Rivalen im Abnehmmittelmarkt tatsächlich durchsetzen kann.

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