Novo Nordisk Aktie: Doustdar setzt auf Tabletten-Wende
Orale Mittel könnten bis 2030 die Hälfte des Adipositas-Arzneimittelmarkts erreichen; Novo Nordisk baut zugleich sein Technologieportfolio aus.

- Tabletten könnten Marktanteil deutlich ausbauen
- Nanexa-Lizenz umfasst bis zu fünf Programme
- Orbis-Abkommen über bis zu 1,4 Milliarden Dollar
- CagriSema-Studien zeigen Gewichtsabnahmen bis 21 Prozent
Der weltweite Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion steht vor einer tiefgreifenden Verschiebung weg von wöchentlichen Injektionen. Am Dienstag erklärte CEO Mike Doustdar gegenüber Reuters, dass orale Darreichungsformen bis 2030 bis zur Hälfte des globalen Marktes für Adipositas-Arzneien erobern könnten. Novo Nordisk richtet seine operative Ausrichtung und die klinische Entwicklung mit Nachdruck auf diesen Umbruch aus.
Um verlorenes Terrain im Wettbewerb zurückzugewinnen, treibt der Konzern auch intern Veränderungen voran. Doustdar forderte die Belegschaft am 15. September dazu auf, eine stärkere Kundenorientierung zu verankern. Bereits am 14. September führte das Unternehmen den Alltagsnamen „Novo“ und die Leitphilosophie „Novo Way“ ein, während die offizielle Firmierung Novo Nordisk A/S unverändert bleibt.
Milliardenpartnerschaften für die Verabreichung der Zukunft
Die Transformation der Produktpalette untermauert das Pharmaunternehmen mit gezielten Zukäufen externer Technologien. Am Freitag vereinbarte Novo Nordisk eine weltweite Lizenzvereinbarung mit Nanexa.
Für bis zu rund 1,17 Milliarden Euro sicherten sich die Dänen die exklusiven Rechte an der PharmaShell-Technologie für bis zu fünf Programme langwirksamer Injektionen. Die Vereinbarung beinhaltet 615 Millionen Euro an Vorab-, Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteinen.
Parallel dazu treibt der Konzern die Entwicklung von Tabletten voran. Am 17. September schloss Novo Nordisk eine Lizenz- und Entwicklungsvereinbarung mit Orbis Medicines über bis zu 1,4 Milliarden $ ab, um orale Therapien gegen kardiometabolische Krankheiten zu erforschen.
Ergänzend erprobt das Unternehmen seit dem 16. September in einer Partnerschaft mit Anthropic den Einsatz von Claude-Modellen in der Wirkstoffforschung und bei klinischen Dokumentationsprozessen.
Hoffnungsträger CagriSema und Börsenbewertung
Klinische Hoffnungen ruhen derweil auf dem Hoffnungsträger CagriSema, dessen Markteinführung für Anfang nächsten Jahres anvisiert ist. In einer Spätphasenstudie bei Diabetes-Patienten erzielte der Wirkstoffkandidat eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 12,4 Prozent und übertraf damit Tirzepatid von Eli Lilly bei den getesteten Dosen. In einer weiteren Studie bei Erwachsenen mit Adipositas erbrachte eine Dosis von 1,0 mg eine Gewichtsabnahme von 21 Prozent gegenüber Placebo.
Am Kapitalmarkttag stellte das Management das Ziel vor, bis 2030 mehr als fünf Blockbuster-Medikamente auf den Markt zu bringen. An den Finanzmärkten spiegelt sich die Zuversicht derweil noch verhalten wider. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 34,05 Euro. Damit notiert das Papier 38 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro.
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