Novo Nordisk Aktie: Kartellklage abgewiesen, 2,35% Plus

Novo Nordisk übertrifft Gewinnerwartungen und hebt Prognose an, während eine US-Kartellklage abgewiesen wird. Analysten bleiben wegen CagriSema und Lilly-Wettbewerb skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Gewinnprognose für 2026 angehoben
  • US-Klage gegen Novo abgewiesen
  • CagriSema-Erwartungen deutlich gesenkt
  • Lilly gewinnt Marktanteile bei Adipositas

Die Novo-Nordisk-Aktie legt am heutigen Freitag um 2,35 Prozent auf 40,86 Euro zu. Der Kurssprung folgt auf die Quartalszahlen und eine juristische Entscheidung, die dem dänischen Pharmakonzern zumindest kurzfristig Luft verschafft. Von einer echten Trendwende ist die Aktie mit einem Abstand von 25,52 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus Ende Januar allerdings noch weit entfernt.

Zahlen übertreffen Erwartungen, Prognose angehoben

Novo Nordisk übertraf im zweiten Quartal die Gewinnerwartungen: Der Gewinn je Aktie lag über dem Konsens. CFO Karsten Munk Knudsen sprach laut Fierce Biotech von einer Anhebung der Jahresprognose und dem Start des oralen Wegovy-Präparats in Europa. Nach dieser Anhebung rechnet der Konzern für 2026 nun mit einem Umsatzrückgang zwischen 0 und 6 Prozent – eine deutliche Verbesserung gegenüber früheren, pessimistischeren Erwartungen. Semaglutid, der Wirkstoff hinter Ozempic und Wegovy, steuert weiterhin rund 70 Prozent der Quartalsumsätze bei. Genau diese Abhängigkeit ist für Seeking Alpha der Kern eines Sell-Ratings: Die Analysten verweisen auf Patentabläufe, Fertigungsprobleme und Rückschläge in der Pipeline und erwarten für 2026 ein bestenfalls flaches Wachstum.

CagriSema bremst die Euphorie

Die Erwartungen an den Adipositas-Kombinationswirkstoff CagriSema haben sich seit dem Frühjahr deutlich eingetrübt. Bereits im Februar musste Novo Nordisk einräumen, dass das Präparat in einer Studie die Nichtunterlegenheit gegenüber Lillys Tirzepatid verfehlte. Goldman Sachs reagierte darauf mit einer Herabstufung auf Neutral und senkte die Spitzenumsatz-Schätzung für CagriSema von 11,8 Milliarden auf 5 Milliarden Dollar. CFO Knudsen zeigt sich trotz der Rückschläge weiter optimistisch für das Präparat.

Auch beim jüngsten Hoffnungsträger, der oralen Wegovy-Pille, gibt es Bremsspuren. Im zweiten Quartal setzte Novo Nordisk mit dem Präparat 3,2 Milliarden dänische Kronen um – leicht unter dem Konsens von 3,3 Milliarden. Seit dem Start im Januar erreichte die Pille rund fünf Millionen Rezepte, die letzte Million davon innerhalb von nur vier Wochen. Das Tempo nimmt zu, auch wenn die absoluten Zahlen die hohen Erwartungen bislang nicht ganz erfüllen.

Wettbewerb mit Eli Lilly verschärft sich

Der Abstand zum US-Rivalen Eli Lilly wächst. Lilly steigerte den Quartalsumsatz um 48 Prozent auf 22,97 Milliarden Dollar, getragen von den Präparaten Mounjaro und Zepbound, und hob die Jahresprognose auf 85 bis 87 Milliarden Dollar an. Beim US-Marktanteil in den Bereichen Adipositas und Diabetes kommt Lilly im zweiten Quartal auf 60,9 Prozent, Novo Nordisk auf 38,8 Prozent. Der Analystenkonsens sieht Lilly derzeit klar besser positioniert.

Im Rechtsstreit zwischen den beiden Konzernen gibt es Bewegung: Novo Nordisk reichte Ende Juli selbst Klage gegen Eli Lilly ein, was dänische Investoren als offensiven Schritt im Kampf um den Abnehmmarkt werten. Zugleich wies ein US-Bundesrichter am heutigen Freitag eine Kartellklage der Strive Specialties gegen beide Unternehmen ab – ein Umstand, der zum heutigen Kursplus beigetragen hat. Die Klage kann allerdings erneut eingereicht werden.

Kritik an Führung und Sparkurs

Abseits der Zahlen gerät die Unternehmensführung unter Druck. Laut der dänischen Zeitung Børsen forderte Konzernchef Mike Doustdar seine Mitarbeiter angesichts der Krise auf, schneller zu laufen und mehr zu arbeiten – eine Äußerung, die Gewerkschaften als „unwürdig“ und als „hartes Signal“ kritisierten. Novo Nordisk hat in Dänemark bereits 5.000 Stellen abgebaut, während die Aktie in Kopenhagen von rund 1.000 auf etwa 300 dänische Kronen gefallen ist. Auch Investoren vermissen laut Børsen strategische Klarheit von Doustdar mit Blick auf das langfristige Wachstum und den Wettbewerb mit Lilly.

Für Anleger, die trotz der Unsicherheit dabeibleiben, zahlt Novo Nordisk am 25. August eine Dividende von 0,5786 Dollar pro Aktie, Stichtag ist der 17. August. Der heutige Kurssprung zeigt, dass der Markt positive Nachrichten honoriert – ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, dürfte sich erst am angekündigten Kapitalmarkttag im September klären.

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