Novo Nordisk Aktie: Neue Waffe gegen Haarausfall
Der dänische Pharmakonzern erwägt Medikamente gegen Haarausfall, während CFRA die US-Aktie auf Verkaufen stuft und ein Kursziel von 38 Dollar nennt.

- Einstieg in Haarausfall-Markt wird geprüft
- CFRA stuft US-Papiere auf Verkaufen
- Kursziel von 38 Dollar gesetzt
- Pipeline-Umsatz soll 2035 über 23 Milliarden Dollar erreichen
Wenn ein Pharmakonzern nach dem Verlust von Marktanteilen plötzlich über Glatzen-Mittel spricht, lohnt ein zweiter Blick. Novo Nordisk prüft laut eigenen Aussagen einen Einstieg in den Markt für Medikamente gegen Haarausfall — ein Feld, das seit den 1990er-Jahren keine neue FDA-Zulassung gesehen hat und potenziell 80 Millionen Betroffene allein in den USA umfasst.
Der Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Im GLP-1-Geschäft mit Ozempic und Wegovy hat der dänische Konzern spürbar Boden an Eli Lilly verloren, und der Patentschutz für Semaglutid läuft nach 2030 aus.
Forschungschef Martin Lange bezeichnete Haarausfall-Therapien als Option, „die wir nicht unbedingt zuerst verfolgen werden, aber die eine klare Möglichkeit wäre“ — noch zählt das Thema nicht zu den acht Erkrankungen, für die Novo bis Ende 2026 oder Anfang 2027 Studien der mittleren Entwicklungsphase starten will.
Kapitalmarkttag hinterlässt Zweifel
Die Ankündigung fällt in die Nachwehen eines Kapitalmarkttags in London, bei dem Novo ambitionierte Ziele skizzierte: Bis 2035 soll der risikobereinigte Pipeline-Umsatz mehr als 23 Milliarden Dollar erreichen, bis 2030 sollen über fünf Medikamente mit „Multi-Blockbuster“-Potenzial an den Markt kommen.
Bis 2030 will der Konzern zudem weltweit mehr als 60 Millionen Patienten erreichen, gestützt von einem Rückkaufprogramm über 15 Milliarden dänische Kronen.
Die Börse reagierte auf diese Zahlen nicht mit Begeisterung, sondern mit Verlusten. CEO Mike Doustdar räumte die Kursreaktion offen ein: „Das Vertrauen ist weg, und es braucht Zeit und harte Arbeit, um es wieder aufzubauen.“ Er kündigte an, neben Haarausfall auch Herz-, Leber- und Bluterkrankungen stärker anzugehen sowie ergänzende Übernahmen zu prüfen.
Zusätzlichen Druck brachte das Analysehaus CFRA, das die in den USA gehandelten Novo-Papiere von Halten auf Verkaufen abstufte und das Kursziel auf 38 Dollar setzte.
Begründet wird der Schritt mit einer Übergangsphase nach dem Gewinnhöhepunkt der GLP-1-Medikamente sowie einem aus Sicht von CFRA ungünstigen Chancen-Risiko-Verhältnis. Die Wegovy-Tablette gilt zwar als kurzfristige Chance, doch verschärfter Wettbewerb und moderates Gewinnwachstum könnten die Aktie weiter belasten.
Auffällig: Die Haarausfall-Pläne elektrisierten nicht Novo selbst, sondern spezialisierte Anbieter wie Veradermics und Absci, deren Aktien nach den Aussagen zulegten. Ob Novo Nordisk tatsächlich in dieses Segment vorstößt oder es bei Prüfungen belässt, dürfte sich an den für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 angekündigten Studienstarts in den priorisierten Indikationen ablesen lassen.
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