Novo Nordisk Aktie: ZEUS-Studie verfehlt primären Endpunkt
Trotz starkem Quartalsumsatz belasten gescheiterte Studie und Wertminderung die Aktie. Der Konzern hebt dennoch seine Jahresprognose an.

- Quartalsumsatz steigt um sieben Prozent
- Herz-Kreislauf-Studie verfehlt primäres Ziel
- Milliardenschwere Abschreibung auf Entwicklungsportfolio
- Jahresprognose trotz Rückschlägen angehoben
Ein Rekordquartal beim Umsatz, ein gescheiterter Herz-Kreislauf-Test und eine Milliarden-Wertminderung – bei Novo Nordisk prallen diese Nachrichten seit dieser Woche aufeinander. Die Titel des dänischen Pharmakonzerns gerieten nach der Vorlage der Quartalszahlen am Dienstag deutlich unter Druck, obwohl das operative Geschäft robust wuchs. Auch am gestrigen Mittwoch blieb die Aktie mit einem Schlusskurs von 38,76 Euro angeschlagen, nach einem Rückgang von 13,28 Prozent innerhalb der vergangenen sieben Handelstage. Vom 52-Wochen-Hoch aus Januar trennen das Papier inzwischen fast 30 Prozent.
Solides Geschäft, aber Pipeline-Rückschläge überschatten die Bilanz
Novo Nordisk meldete für das zweite Quartal 2026 einen bereinigten Umsatz von 78.488 Millionen dänischen Kronen, ein Plus von 7 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse. Der bereinigte operative Gewinn legte um 11 Prozent auf 33.389 Millionen Kronen zu. Trotz dieser Zahlen gaben die Aktien nach Angaben von Reuters zwischen 4 und 6 Prozent nach – Investoren richteten den Blick auf die Kehrseite der Bilanz.
Dort verbuchte der Konzern eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 6,3 Milliarden Kronen auf sein Entwicklungsportfolio. Ein Teil davon, 4,0 Milliarden Kronen, entfällt auf den immateriellen Vermögenswert monlunabant, den Novo Nordisk einst von Inversago Pharma übernommen hatte. Parallel dazu scheiterte die Phase-3-Studie ZEUS zu ziltivekimab: Der Wirkstoff gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen verfehlte seinen primären Endpunkt, die Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse. Für den Konzern ist das ein Rückschlag im laufenden Bemühen, die Pipeline jenseits der Diabetes- und Adipositas-Präparate zu verbreitern – gerade vor dem Hintergrund wachsender Konkurrenz durch Eli Lilly.
CEO Mike Doustdar reagierte umgehend und kündigte laut Reuters und Bloomberg an, Forschung und Entwicklung zu beschleunigen und gezielt kleinere Zukäufe zu prüfen, um die Pipeline nach den jüngsten klinischen Rückschlägen wieder zu stärken. Die dänische Bank Sydbank bewertete die Lage differenziert: Das operative Geschäft sei solide, doch die neuen Studiendaten und Abschreibungen hätten der Stimmung rund um die Robustheit der Pipeline zugesetzt, hieß es in einer Kundennotiz vom 5. August.
Prognose angehoben, Wegovy-Pille wächst weiter
Zumindest bei der Guidance gab es Entlastung: Novo Nordisk hob am Dienstag die Jahresprognose an und erwartet nun ein Wachstum von bereinigtem Umsatz und operativem Gewinn zwischen 0 und minus 6 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse – zuvor hatte der Konzern noch mit einer Spanne von minus 4 bis minus 12 Prozent gerechnet. Höhere Verkäufe der GLP-1-Präparate trugen dazu maßgeblich bei.
Die orale Semaglutid-Variante von Wegovy verfehlte im zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten leicht, erreichte aber inzwischen fünf Millionen kumulierte Verschreibungen in den USA. Zusätzlichen Rückenwind erhielt das Präparat Mitte Juli, als die Europäische Kommission die Marktzulassung für die einmal täglich einzunehmende 25-Milligramm-Tablette zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas erteilte.
Auf der Kapitalseite hält Novo Nordisk an seinem Aktienrückkaufprogramm fest: Seit dem 4. Februar erwarb der Konzern rund 27,06 Millionen B-Aktien für insgesamt 7,53 Milliarden Kronen – ein Teil des auf zwölf Monate angelegten Rückkaufprogramms mit einem Gesamtvolumen von 15 Milliarden Kronen.
Analysten uneins, institutionelle Anleger bauen Positionen um
Die Einschätzungen der Analysten fallen gemischt aus. BMO Capital bestätigte am 3. August ein „Hold“-Rating mit einem Kursziel von 45 US-Dollar. Morningstar-Analystin Karen Andersen hielt am 2. August an ihrer Fair-Value-Schätzung von 311 dänischen Kronen fest und bezeichnete das Scheitern der ZEUS-Studie als Enttäuschung, die für die langfristige Prognose aber nur einen unbedeutenden Anteil ausmache.
Bei institutionellen Investoren zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Lazard Asset Management reduzierte seine Position im ersten Quartal laut einer Pflichtmitteilung um 89,2 Prozent und hält nun noch 92.516 Aktien, während Glenmede Trust seine Beteiligung ebenfalls verkleinerte. Charttechnisch notiert die Aktie mit einem RSI von 35,5 im überverkauften Bereich, was auf eine erschöpfte Verkaufsdynamik hindeuten kann.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die kommenden Termine: Am 20. und 21. September lädt Novo Nordisk zum Capital Markets Day, bei dem Strategie und finanzielle Ziele auf dem Prüfstand stehen. Die nächsten Quartalszahlen für die ersten neun Monate 2026 sind für den 4. November angesetzt.
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