Novo Nordisk Aktie: Ziltivekimab-Hoffnung platzt
Novo Nordisk stockt den Rückkauf auf, während Ziltivekimab-Studien scheitern und die Deutsche Bank wegen schwächerer Aussichten skeptischer wird.

- Rückkäufe über neun Milliarden Kronen
- Zwei Herzstudien vorzeitig beendet
- Semaglutid zeigt Wirkung bei Kindern
- Deutsche Bank senkt Kursziel
Ein Konzern, der eigene Aktien im Milliardenwert zurückkauft, sendet normalerweise ein Signal der Stärke. Bei Novo Nordisk klingt dieses Signal derzeit eher wie Pfeifen im Walde. Seit dem 4. Februar hat der dänische Pharmakonzern nach eigenen Angaben 32.034.179 B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 281,63 dänischen Kronen zurückgekauft, ein Transaktionsvolumen von gut 9 Milliarden Kronen.
Bis zum 1. Februar 2027 soll das laufende Programm auf bis zu 11,2 Milliarden Kronen anwachsen. Das ist die Sprache eines Managements, das seine eigene Aktie für unterbewertet hält.
Der Markt sieht das anders, zumindest im Moment. Die Aktie notiert bei 39,09 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen gut fünf Prozent verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von elf Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro im Januar fehlen sogar 29 Prozent.
Wer sich fragt, warum ein Unternehmen mit einer der bekanntesten Wachstumsstories der vergangenen Jahre so tief gefallen ist, findet die Antwort nicht in einer einzelnen Meldung, sondern in einer Serie von Rückschlägen, die sich zu einem Muster verdichten.
Die Pipeline zeigt Risse
Am heutigen Tag wurde bekannt, dass Novo Nordisk zwei weitere Phase-3-Studien zum Herzmedikament Ziltivekimab bei Herzinsuffizienz-Patienten eingestellt hat. Beide Studien sollten unterschiedliche klinische Endpunkte prüfen, ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee sah nur noch geringe Chancen auf ein abweichendes Ergebnis.
Bereits im Juli hatte eine spätphasige Studie gezeigt, dass Ziltivekimab das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo nicht senken konnte. Eine dritte Studie, die das Mittel bei Patienten nach Herzinfarkt testet, läuft weiter, Ergebnisse werden erst für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet.
Das ist bitter für ein Unternehmen, das seine Zukunft zunehmend auch jenseits von Diabetes und Adipositas absichern wollte. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein Milliardenmarkt, und Ziltivekimab sollte dort ein neues Standbein werden. Stattdessen bleibt vom Programm nur noch eine einzige laufende Studie mit Ergebnissen in gut anderthalb Jahren.
Wo die Story noch trägt
Ganz anders das Bild bei semaglutid-basierten Präparaten. Die STEP-Young-Phase-3-Studie zeigte, dass nach 68 Wochen 40,4 Prozent der behandelten Kinder zwischen sechs und unter zwölf Jahren nicht mehr als adipös eingestuft wurden, gegenüber null Prozent unter Placebo.
Sicherheit und Verträglichkeit blieben im Rahmen früherer Studien, Bedenken zu Wachstum oder Pubertätsentwicklung gab es nicht. Die detaillierten Ergebnisse sollen bei der ObesityWeek-Konferenz der Obesity Society Mitte November in Washington vorgestellt werden. Das Kerngeschäft mit Adipositas-Medikamenten liefert also weiterhin, während die Diversifizierung ins Straucheln gerät.
Genau diese Gegensätzlichkeit dürfte den Ton auf dem Kapitalmarkttag am 21. September in London bestimmen. Von 9 bis 15:30 Uhr britischer Zeit will das Management dort Strategie, Forschungspipeline, operatives Geschäft und Performance im Überblick präsentieren. Investoren werden genau hinhören, wie das Unternehmen den Ziltivekimab-Rückschlag einordnet und ob es neue Wachstumsimpulse jenseits von Wegovy und Ozempic aufzeigen kann.
Dass die Skepsis nicht nur eine Stimmungsfrage ist, zeigte sich Ende August, als die Deutsche Bank ihre Einstufung für Novo Nordisk von Hold auf Sell senkte und das Kursziel auf 265 dänische Kronen kappte.
Als Begründung nannten die Analysten damals ein schwächeres Wachstumsprofil für 2027, Rückschläge in der Pipeline einschließlich des gescheiterten Ziltivekimab-Programms sowie ein erhebliches Patentklippen-Risiko im weiteren Jahresverlauf des Jahrzehnts.
Der Aktienrückkauf mag ein Vertrauensbeweis des Managements sein. Ob er ausreicht, um die Zweifel des Marktes zu zerstreuen, wird sich frühestens in London zeigen – und endgültig erst dann, wenn aus der verbliebenen Ziltivekimab-Studie belastbare Zahlen vorliegen.
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