Novo Nordisk Aktie: Zwei Millionen Wegovy-Verschreibungen

Novo Nordisk erholt sich dank Wegovy-Pille und Prognoseanhebung. Analysten sehen Potenzial bei niedriger Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von drei Prozent am Freitag
  • Wegovy-Pille mit über zwei Millionen Verschreibungen
  • Prognose für 2026 leicht angehoben
  • Restrukturierung mit 9.000 Stellenstreichungen

Ein Kursplus von gut drei Prozent am Freitag kaschiert die eigentliche Geschichte. Novo Nordisk baut seine Glaubwürdigkeit Stück für Stück wieder auf. Der Bewertungsabschlag zur eigenen Historie ist schlicht zu groß geworden. Die Aktie beendete die Woche bei 38,90 Euro. Das klingt auf den ersten Blick ermutigend. Ein Blick auf das große Bild mahnt zur Demut. Auf Jahressicht steht ein Minus von rund 40 Prozent. Der einstige Börsenstar Europas sucht seinen Boden.

Zu billig für die Tonne

Die Aktie notiert wieder über der 50-Tage-Linie von 36,99 Euro. Das Momentum kehrt spürbar zurück. Mein Urteil: Das Bewertungsargument lässt sich kaum noch ignorieren. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei mageren 13. Der Gesundheitssektor kommt im Schnitt auf einen Wert von über 17. Dieser Abschlag spiegelt echte Sorgen wider. Er zeigt aber auch einen übertriebenen Pessimismus. Der Markt hat die schlechten Nachrichten bereits eingepreist.

Der Absturz begann mit der bitteren Prognose vom Februar. Das Management rechnete für 2026 mit einem deutlichen Umsatzrückgang. Dieser Schock schickte den Kurs auf Talfahrt. Inzwischen ändert sich das Bild. Novo Nordisk hob die Jahresprognose leicht an. Grund dafür sind bessere Erwartungen bei den GLP-1-Produkten. Der währungsbereinigte Umsatz soll nun etwas weniger stark schrumpfen. Das ist nur eine kleine Verbesserung. Die Richtung stimmt. Der Boden der Erwartungen hebt sich.

Ein echter Wettbewerbsvorteil

Ein zentraler Treiber ist die neue Wegovy-Pille. Novo Nordisk brachte das orale GLP-1-Präparat Anfang des Jahres auf den Markt. Damit sicherte sich der Konzern einen wichtigen Vorsprung vor Rivale Eli Lilly. Dieser Startvorteil bringt nun messbare Erfolge. Die Nachfrage bricht Rekorde. Bis zum Ende des ersten Quartals zählte das Unternehmen bereits über zwei Millionen Verschreibungen.

Das Entscheidende dabei: 80 Prozent dieser Patienten haben vorher nie ein GLP-1-Medikament eingenommen. Die Pille erweitert also den Markt. Sie frisst nicht die Umsätze der eigenen Spritzen auf. Ein weiterer Pluspunkt kommt aus Großbritannien. Die dortige Gesundheitsbehörde empfiehlt Wegovy zur Senkung von Herz-Kreislauf-Risiken. Das eröffnet völlig neue Erstattungsmöglichkeiten.

Harter Kampf um die Spitze

In der Pipeline ruhen die Hoffnungen auf CagriSema. Die US-Gesundheitsbehörde FDA prüft die Zulassung des neuen Abnehm-Präparats noch in diesem Jahr. Die klinischen Daten überzeugen auf den ersten Blick. In der REDEFINE-1-Studie verloren fast 92 Prozent der Patienten mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts.

Ein starker Wert. In der direkten Vergleichsstudie zog CagriSema allerdings den Kürzeren. Das Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly lieferte bessere Ergebnisse beim Gewichtsverlust. Das ist das zentrale Problem für Novo Nordisk. CagriSema ist ein hervorragendes Medikament. Der Maßstab der Konkurrenz liegt schlichtweg höher. Eli Lilly wächst schneller und bietet die stärkere Wirksamkeit.

Schmerzhafter Umbau

Der neue CEO geht die Probleme offensiv an. Er strich mehrere Medikamente aus der Pipeline und entließ 9.000 Mitarbeiter. Das Ziel: Einsparungen von rund acht Milliarden dänischen Kronen bis Ende 2026. Das Geld fließt in neue Wachstumschancen. Dieser Umbau tut weh. Er ist absolut notwendig. Das Management verschließt die Augen nicht länger vor der harten Realität.

Die Basis des Unternehmens bleibt derweil massiv. Novo Nordisk versorgt weltweit 26 Millionen Patienten mit Insulin. Hinzu kommen 15 Millionen Nutzer von GLP-1-Diabetes-Mitteln. Diese gewaltige Marktmacht verschwindet nicht über Nacht.

Mein Fazit

Novo Nordisk ist nicht mehr die Wachstumsmaschine aus den Zeiten des 65-Euro-Hochs. Auf dem aktuellen Kursniveau von knapp 39 Euro bewerte ich die Aktie jedoch völlig anders. Der erfolgreiche Start der Wegovy-Pille und die angehobene Prognose sprechen für eine Erholung. Die harte Restrukturierung zeigt erste Wirkung.

Soweit so gut. Der nächste Härtetest wartet bei der 200-Tage-Linie von 41,16 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke signalisiert das Ende der Talfahrt. Bis dahin erwarte ich einen langsamen Aufwärtstrend statt rasanter Kurssprünge. Für geduldige Anleger überwiegen auf diesem Niveau klar die Chancen.

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