Novo Nordisk hebt die Prognose, und die Analysten bleiben trotzdem kühl
Starke Wegovy-Tablettenumsätze stützen Novo Nordisks höhere Prognose, während sinkende US-Preise und die FDA-Entscheidung zu CagriSema im Fokus bleiben.

- Quartalsumsatz über Analystenschätzungen
- Tablettenumsatz steigt um 53 Prozent
- Gespritztes Wegovy verliert in den USA
- US-Preissenkungen ab Januar 2027 angekündigt
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die wichtigste Firmennachricht des Tages abseits der US-Wahl kommt aus Dänemark.
Novo Nordisk hebt seine Jahresprognose an, doch die Profis reagieren verhalten. BMW warnt zum zweiten Mal in diesem Jahr vor schwächeren Gewinnen, und die Aktie springt. Wer heute nur die Schlagzeilen liest, versteht die Börse also nur halb. Dazu kommen ein Bitcoin, der sich zurück über 80.000 Dollar kämpft, ein Riss quer durch den KI-Sektor und eine Inflationszahl, bei der sich ein zweiter Blick lohnt.
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Die Pille überholt die Spritze
Novo Nordisk verkauft mehr, als irgendjemand erwartet hat. Im dritten Quartal lag der Umsatz ohne Sondereffekte bei 79,2 Milliarden Kronen. Analysten hatten im Schnitt nur 73,2 Milliarden erwartet. Novo Nordisk hebt die Prognose für 2026 an, weil die Wegovy-Tablette schneller wächst als jede Schätzung.
Die Tablette setzte 53 Prozent mehr um als im Vorquartal. Die Kehrseite: Das gespritzte Wegovy verlor in den USA ohne Wechselkurseffekte 13 Prozent. Die Pille frisst also ein Stück der eigenen Spritze.
Warum bleiben die Analysten dann zurückhaltend? Der Grund liegt im Preis, nicht in der Menge. Ab Januar 2027 senkt Novo Nordisk die US-Listenpreise für Wegovy und Ozempic, und laut J.P. Morgan profitierte das Quartal noch von einer US-Preisanpassung. Jefferies rät zum Halten, Citi stuft auf Neutral; der nächste Kurstreiber ist die Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA zu CagriSema, die noch im vierten Quartal erwartet wird.
BMW warnt und steigt
BMW hat gestern Abend seine zweite Gewinnwarnung des Jahres ausgesprochen, und die Aktie steigt trotzdem. Sie liegt heute 7,5 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn bleibt aber ein Minus von 35 Prozent. Die Quartalszahlen selbst fielen besser aus als befürchtet.
Entscheidend ist der Ausblick. Im Autogeschäft erwartet BMW für das Gesamtjahr nur noch eine Marge zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent, die Ziele lagen zuvor deutlich höher. Gemeint ist, wie viel vom Umsatz als Gewinn aus dem laufenden Geschäft übrig bleibt. Die Belastungen aus Abfindungen und dem vorgezogenen Aus älterer E-Modelle wie dem iX landen im vierten Quartal.
Wie kann ein Kurs bei solchen Nachrichten steigen? Gemessen am Abschlag zum Buchwert bewertet die Börse BMW derzeit tiefer als während der Finanzkrise 2009. Wer so tief steht, braucht nur das Ausbleiben einer Katastrophe. Das Risiko bleibt die Dividende, die nach Einschätzung von Analysten deutlich sinken könnte; nächste Woche startet die „Neue Klasse“ mit dem iX3 in China als erster Test.
Bitcoin hängt an einer Marke
Bitcoin hat sich von der Wahlnacht erholt und notiert bei rund 80.500 Dollar. In der Nacht war die Kryptowährung noch unter 76.000 Dollar gefallen, ein Siebenwochentief. Verstärkt wurde der Rückprall durch erzwungene Rückkäufe von Anlegern, die auf fallende Kurse gewettet hatten.
Auch der Ärger um Binance klingt ab. Nach dem Diebstahl von 6,3 Milliarden Dollar am 29. Oktober, den das FBI nordkoreanischen Hackern zuschreibt, hat Binance 95 Prozent der betroffenen Werte ersetzt. Seit Dienstag fließt bei Ether und Stablecoins wieder mehr Geld zu als ab. US-Bitcoin-ETFs verzeichneten von Freitag bis Dienstag dennoch Abflüsse.
Goldman Sachs zählt Coinbase zu den am stärksten betroffenen Anbietern, als reguliertes Haus aber auch zu den möglichen Gewinnern der Kapitalflucht von Binance. Die Coinbase-Aktie legt heute zu, liegt seit Jahresbeginn aber deutlich im Minus. Für Bitcoin selbst gilt: Hält die Marke von 76.000 Dollar, bleibt der Weg nach oben offen; fällt sie, ist der heutige Ausbruch hinfällig.
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Wer Rechenzentren baut, verliert
Die Wahlnacht hat im KI-Sektor eine Trennlinie gezogen, die nicht zwischen Chips und Rest verläuft. CoreWeave, ein Betreiber von Rechenzentren, fällt um 9,5 Prozent auf ein 52-Wochen-Tief. Auch Siemens Energy verliert deutlich. Der Auslöser: Die neue texanische Gouverneurin Gina Hinojosa plant einen Baustopp für Rechenzentren.
Auf Texas entfällt etwa ein Viertel der US-Rechenzentrumskapazität, die bis 2030 neu ans Netz gehen soll. Wer gewinnt bei so einem Stopp? Die Nutzer der Infrastruktur: Microsoft liegt 6,4 Prozent im Plus, Alphabet gewinnt ebenfalls.
Die Logik ist schlicht. Weniger Neubau heißt knappere Kapazität, und knappe Kapazität stärkt jene, die sie schon besitzen. Ein Baustopp, der den größten Kunden nützt: Diese Pointe liefert die Börse nicht jeden Tag.
Inflation mit Fußnote
Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf 4,0 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit September 2023. Energie verteuerte sich kräftig. Die Kernrate, also die Teuerung ohne schwankende Posten wie Energie und Lebensmittel, blieb dagegen bei 2,5 Prozent.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel nennt eine Zinserhöhung am 17. Dezember „sehr wahrscheinlich notwendig“. Steigen die Zinsen danach Schritt für Schritt weiter? Die Markterwartung weiterer Erhöhungen bis Mitte 2027 gilt als überzogen. Die Tariflöhne wachsen laut EZB-Tracker 2026 nur um 2,3 Prozent.
Für Anleger in Bundesanleihen heißt das: Der Dezember-Schritt ist im Kurs schon berücksichtigt, der Zinsgipfel könnte näher sein, als die Marktpreise nahelegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel heute bereits auf 3,29 Prozent.
Der globale Kompass
Heute wurden gute Nachrichten auf ihren Preis geprüft und schlechte auf ihr Ausmaß. Novo Nordisk hat gezeigt, dass die Abnehmpille Volumen bringt, die Preisfrage für 2027 bleibt aber offen. BMW zeigt, dass eine Bewertung auf Finanzkrisenniveau Enttäuschungen aushält, solange das vierte Quartal nicht schlimmer wird als angekündigt.
Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht. Für Bitcoin entscheidet sich an der Marke von 76.000 Dollar, ob die Erholung nach dem Wahltag trägt. Bei Bundesanleihen lohnt der Blick auf den 17. Dezember.
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