Novo Nordisk und SAP: Zwei Comeback-Kandidaten, denen der Markt noch nicht glaubt
Novo Nordisk konkretisiert seine Pipeline nach dem Patentablauf, während SAPs Erholung und Cloud-Perspektiven im Fokus stehen.

- Novo plant mehr als fünf neue Medikamente
- Pipeline soll bis 2035 über 150 Milliarden Kronen erlösen
- SAP erholte sich vom Juli-Tief
- Bank of America bewertet SAP weiterhin mit Kauf
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die spannendsten Depotfragen dieser Woche lagen abseits von Öl und Anleiherenditen. Novo Nordisk legte am Montag in London den Plan für die Zeit nach dem Patentverlust vor und wurde dafür abgestraft.
SAP dagegen arbeitet sich seit dem Juli-Tief still nach oben, und Bank of America stellt die Aktie vor den Quartalszahlen erneut zum Kauf. Beide Fälle zeigen: Wo die Erwartungen am Boden liegen, entstehen die interessantesten Chancen, aber auch die teuersten Fehlgriffe.
Novo Nordisk: Der Markt hat aufgegeben, der Cashflow nicht
Bei Novo Nordisk hat die Börse die Wachstumsfantasie weitgehend abgeschrieben. Der Konzern hat am Montag beim Kapitalmarkttag in London den Ausblick über 2032 hinaus konkretisiert. Ab dann läuft in den USA der Patentschutz für Semaglutid aus, den Wirkstoff hinter Wegovy und Ozempic. Beide Mittel brachten 2025 zusammen 31 Milliarden Dollar ein, rund zwei Drittel des Konzernumsatzes.
Als Ersatz verspricht Konzernchef Doustdar mehr als fünf Medikamente mit Multi-Blockbuster-Potenzial bis 2030. Die Pipeline soll bis 2035 mehr als 150 Milliarden Kronen Umsatz liefern, umgerechnet rund 20 Milliarden Euro. Die Börse quittierte das am Montag mit einem Minus von fast 8 Prozent.
Der Grund heißt Konkurrenz. Eli Lilly hielt im zweiten Quartal 61 Prozent des US-Marktes für GLP-1-Präparate, Novo Nordisk nur noch 39 Prozent. Die Lilly-Aktie gewann binnen zwölf Monaten 58 Prozent, Novo verlor im gleichen Zeitraum 29 Prozent.
Am Freitag schloss Novo Nordisk bei 34,05 Euro, weit unter dem Januar-Hoch von knapp 55 Euro, aber noch über dem März-Tief von gut 30 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 23 Prozent.
Gerade diese Enttäuschung macht die Aktie interessant. Die Saxo Bank verweist auf drei Punkte, an denen die Erwartungen inzwischen sehr tief hängen. Für den Nachfolger CagriSema, der Anfang 2027 starten soll, rechnet der Markt im fünften Jahr nur noch mit 20 Milliarden Kronen Umsatz, also rund 2,7 Milliarden Euro.
Vor zwei Jahren waren fast 100 Milliarden Kronen im Gespräch. Zugleich soll der operative Cashflow 2027 über 110 Milliarden Kronen liegen, gut 14,7 Milliarden Euro und mehr als ein Zehntel des Börsenwerts. Das eröffnet Raum für Aktienrückkäufe.
Novo Nordisk kostet das 11,2-Fache des erwarteten Gewinns, große Pharmawerte im Schnitt fast das 16-Fache. JPMorgan bleibt dennoch bei Neutral mit Kursziel 275 Kronen (rund 36,8 Euro), Citi erwartet bis 2030 nur mittleres einstelliges Wachstum.
Wer hier einsteigt, kauft keine Wachstumsstory mehr, sondern eine Wette darauf, dass ein cashflowstarker Konzern mit Rückkäufen und einer breiteren Pipeline in Herz-, Leber- und Bluterkrankungen die Lücke zu Lilly zumindest nicht weiter aufreißen lässt. Dazu zwei Randnotizen.
Die Lizenzpartnerschaft mit der schwedischen Nanexa über bis zu 1,165 Milliarden Euro stuft die Jyske Bank als klein ein. Und Novo Nordisk prüft eine direkte Notierung an der New Yorker Börse, weil das US-Geschäft mehr als die Hälfte des Umsatzes stellt. Ein aktiver Prozess läuft laut Konzernchef aber nicht.
SAP: Wer die Daten besitzt, fürchtet die KI weniger
Software galt 2026 lange als Verlierer der KI-Welle. SAP verlor bis Mitte Juli gut 36 Prozent, Salesforce brach bis Mitte Juni um 41 Prozent ein. Oracle notiert nach einem Zwischenhoch mehr als die Hälfte unter dem Stand vor einem Jahr.
Dahinter steht die Angst, KI-Agenten könnten klassische Softwarelizenzen überflüssig machen. Houlihan Lokey schätzt, dass 20 Prozent der Softwarefirmen ersetzt werden könnten und 50 Prozent ihre Produkte für KI-Agenten umbauen müssen.
SAP hat sich vom Juli-Tief bei 127,52 Euro auf 185,06 Euro am Freitag erholt und liegt damit noch 12 Prozent unter Jahresbeginn. Bank of America stuft die Aktie vor den Quartalszahlen am 21. Oktober weiter als Kauf ein, Kursziel 226 Euro.
Die Bank erwartet für das dritte Quartal ein Wachstum des Cloud-Auftragsbestands um 24,7 Prozent. Das operative Ergebnis soll nach ihrer Rechnung um 14 Prozent zulegen, nach 9 Prozent im zweiten Quartal. Der eigentliche Hebel: 60 Prozent der ERP-Kunden arbeiten noch mit Systemen im eigenen Rechenzentrum, der Höhepunkt der Umstellung auf S/4 wird erst 2027 erwartet.
Dazu schickt SAP eigene Entwickler zu Kunden wie Bayer und H&M, um KI-Probleme vor Ort zu lösen. Technikchef Herzig setzt auf KI-Modelle für tabellarische Daten, also genau das Material, das in SAP-Systemen liegt.
Microsoft lieferte am Freitag die Vorlage. Nach neuen Copilot-Funktionen sprang die Microsoft-Aktie um 3,6 Prozent und steht seit Jahresbeginn 9,7 Prozent im Plus. Gartner erwartet, dass die weltweiten Ausgaben für KI-Software von 290 Milliarden Dollar 2025 auf fast 660 Milliarden Dollar 2027 wachsen.
Der Analystenkonsens auf Tradegate sieht für SAP mit 192,17 Euro zwar wenig Luft. Doch die Widerstandskraft der Softwarewerte zeigt sich nicht in der Abwehr der KI, sondern darin, wer die Daten der Kunden bereits besitzt, und dort sitzt SAP mit seinen ERP-Systemen näher am Geschäft als jeder Chiphersteller.
Evonik gegen Hellofresh: Wer vor der Berichtssaison noch Puffer hat
Zwei Kursausschläge vom Freitag zeigen, wo Anleger derzeit Substanz sehen und wo nicht. Der DAX beendete seine dreiwöchige Verlustserie mit einem kleinen Wochenplus und hält sich über 25.000 Punkten. Die eigentliche Bewegung spielte sich bei Einzelwerten ab.
Evonik sprang am Freitag um 7,9 Prozent auf 19,44 Euro, im Hoch bei 20,00 Euro und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr. Auslöser war ein Bericht der Financial Times über Kaufinteresse von BASF, das BASF und die RAG-Stiftung anschließend bestätigten. Seit Jahresbeginn hat Evonik 46 Prozent gewonnen.
BASF verlor am Freitag 2,6 Prozent auf 50,89 Euro. Das Größenverhältnis ist klar: Evonik bringt 8,45 Milliarden Euro auf die Waage, BASF 45,03 Milliarden Euro. Ein Angebotspreis liegt nicht vor, und die Reaktion der BASF-Aktie zeigt, dass Anleger den Käufer fürchten, nicht den Deal.
Hellofresh steht für die Kehrseite. Nach einem Umsatzrückgang im dritten Quartal und gesenkten Jahreszielen fiel die Hellofresh-Aktie am Freitag um 7,1 Prozent auf 2,28 Euro, im Tief auf 2,15 Euro und damit auf ein Rekordtief. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 63 Prozent, der Börsenwert liegt nur noch bei 367 Millionen Euro.
Das GfK-Konsumklima fiel im September mit minus 30,6 Punkten deutlich schwächer aus als erwartet. Die Botschaft für die anstehende Berichtssaison: Konsumnahe Geschäftsmodelle mit dünner Kapitaldecke haben keinen Puffer mehr, während Bilanzstärke in der Chemie gerade zur Übernahmewährung wird.
Die Woche hat erneut gezeigt, wie unterschiedlich die Bewegungen über die Sektoren verlaufen: Chemie legt zu, Konsumwerte brechen ein, während Novo Nordisk, SAP und Krypto jeweils eigene Dynamiken entwickeln. Wer nur auf ein Thema setzt, verpasst zwangsläufig die Hälfte dieser Chancen. Genau hier setzt Carsten Müller mit seinem Live-Webinar „Die Cash-Rallye | 20 Cash-Trades in 10 Wochen“ an, das morgen um 18:00 Uhr stattfindet.
Sein Ansatz, das sogenannte Feuerwehr-Prinzip, scannt permanent deutsche Aktien, US-Tech, Indizes, Rohstoffe, Währungen und Kryptos und schlägt dort an, wo sich gerade die größte Bewegung aufbaut, unabhängig davon, ob das gerade Chemie, Rüstung oder Cybersecurity betrifft. Zu den bisherigen Treffern zählen Rheinmetall mit plus 136,5 Prozent, Siemens Energy mit plus 96,9 Prozent und Commerzbank mit plus 51,2 Prozent. Im Live-Webinar morgen um 18:00 Uhr zeigt Müller, wie dieses System branchenübergreifend funktioniert und wie Sie es für Ihr eigenes Depot nutzen können. Jetzt kostenlosen Platz im Webinar sichern
Krypto: Die Branche gibt den Kongress auf und umwirbt die Aufseher
Das Geld fließt in Bitcoin, obwohl in Washington das Krypto-Gesetz gescheitert ist. Bitcoin stieg am Montag nach der Fed-Zinserhöhung auf ein Acht-Monats-Hoch von 87.397 Dollar und pendelte sich bis Donnerstag um 84.500 Dollar ein.
Bemerkenswert sind die Zuflüsse: Die US-Spot-ETFs sammelten am Montag mit 999 Millionen Dollar einen Rekordbetrag ein, über fünf Handelstage bis Mittwoch rund 2,65 Milliarden Dollar. Strategy kaufte in der Vorwoche weitere 950 Bitcoin und hält nun 846.000 Stück.
Der politische Rahmen hat sich verschoben. Am 15. September scheiterte der Clarity Act im US-Senat mit 49 zu 50 Stimmen. Seither setzt die Branche auf die Behörden statt auf ein Gesetz. Die Fed legte am Donnerstag zwei Vorschläge für Stablecoin-Emittenten vor: volle Deckung mit kurzlaufenden Staatsanleihen und Kapitalpuffer gegen operative Risiken.
Die Trump-Regierung prüft laut Bloomberg zudem, Dollar-Stablecoins gezielt im Ausland zu fördern. New York verklagte am Donnerstag die Prognoseplattform Polymarket wegen illegalen Glücksspiels. Ethereum notiert am Samstag um 2.690 Dollar, also rund 2.360 Euro, und liegt seit Jahresbeginn noch 9,3 Prozent im Minus.
Für Anleger heißt das: Regulierung über Aufseher ist berechenbarer als ein blockierter Kongress, sie stärkt ETF-Anbieter und Stablecoin-Emittenten, doch Bitcoin selbst bleibt ein Spielball der Zinserwartungen, die für Oktober eine weitere Fed-Anhebung mit rund 75 Prozent einpreisen.
Der globale Kompass
Die Woche hat gezeigt, dass Enttäuschung selbst zur Anlagethese werden kann, bei Novo Nordisk ebenso wie bei SAP. Der kommende Wochenverlauf entscheidet, ob die Iran-Diplomatie trägt. Teheran hat eine Öffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen angeboten, Washington bestätigt konstruktive Gespräche.
Brent pendelt um die 100-Dollar-Marke. Auf dem Kalender stehen am Dienstag der Hornbach-Quartalsbericht und der Auftakt der zweitägigen BMW-Kapitalmarktveranstaltung. Zur Wochenmitte und am Donnerstag berichten Micron und Nike aus den USA.
Am Freitag endet die Prüffrist für die Ceconomy-Übernahme durch JD.com, und der US-Arbeitsmarktbericht sowie die EU-Verbraucherpreise setzen den Ton für die Fed-Sitzung am 28. Oktober. Wer seine Watchlist am Sonntag sortiert, sollte den 21. Oktober für SAP fett markieren.
Nutzen Sie den ruhigen Sonntag, bevor die Kurse am Montag wieder das Wort haben.
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