Nvidia: 122,76 Millionen SpaceX-Aktien offengelegt

Nvidia sichert KI-Nachfrage durch Milliarden-Garantien und Kapitalallianzen ab. Ratingagenturen bleiben gelassen, Quartalszahlen am 26. August im Fokus.

Die Kernpunkte:
  • Restwertgarantie über 105 Milliarden Dollar
  • Ratings von S&P und Moody's bestätigt
  • SpaceX setzt auf Vera-Rubin-Plattform
  • Quartalszahlen am 26. August erwartet

Es gibt einen Moment, in dem ein Unternehmen aufhört, nur Produkte zu verkaufen, und anfängt, die Infrastruktur zu bauen, in der diese Produkte überhaupt existieren können. Bei Nvidia ist dieser Moment längst eingetreten. Der Chiphersteller finanziert mittlerweile nicht mehr nur die eigene Nachfrage – er garantiert sie.

Diese Woche zeigte sich das exemplarisch: Nvidia hat mit SB Energy und OpenAI eine Vereinbarung über den PORTS-Pike Technology Campus in Ohio geschlossen.

Für das auf 20 Jahre angelegte Projekt stellt Nvidia eine Restwertgarantie über 105 Milliarden Dollar. Parallel bestätigten sowohl S&P Global als auch Moody’s ihre Ratings für das Unternehmen – AA beziehungsweise Aa1, jeweils mit stabilem Ausblick.

S&P merkte an, die Garantie für den Ohio-Campus wirke sich nur moderat auf die Kreditkennzahlen aus. Das ist bemerkenswert: Ein Unternehmen übernimmt Finanzierungsrisiken in einer Größenordnung, die noch vor wenigen Jahren als Bilanzsumme mancher DAX-Konzerne durchgegangen wäre, und die Ratingagenturen zucken kaum mit der Wimper.

Wenn der Zulieferer zum Financier wird

Man kann das als Selbstbedienung lesen – Nvidia finanziert die Rechenzentren, die dann wiederum Nvidia-Chips kaufen. Genau in diese Richtung geht bereits die im August verkündete Allianz mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR, die zusammen mehr als 500 Milliarden Dollar an Drittkapital für unabhängige KI-Infrastruktur mobilisieren sollen.

Man kann es aber auch als das lesen, was es strukturell ist: der Versuch, ein ganzes Ökosystem so eng zu verzahnen, dass Nachfrageausfälle kaum noch möglich sind.

Auch SpaceX reiht sich in dieses Geflecht ein. Das Raumfahrtunternehmen kündigte an, seine ersten großen KI-Infrastrukturprojekte ausschließlich auf Basis von Nvidias Vera-Rubin-Plattform zu realisieren, mit einem Ziel von 10 Gigawatt Rechenkapazität bis Ende 2027. Die Beziehung ist keine Einbahnstraße: Nvidia selbst hält, wie aus einer jüngsten Pflichtmitteilung hervorgeht, über die Übernahme einer früheren Beteiligung an xAI inzwischen rund 122,76 Millionen Aktien an SpaceX. Wer hier noch sauber zwischen Kunde, Investor und Lieferant trennen will, tut sich zunehmend schwer.

Die Zahlen, die bald zählen

All das ist Vorbau für den eigentlichen Termin: Am 26. August legt Nvidia die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 91,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 2,08 Dollar.

Vor diesem Hintergrund wirkt die jüngste Bewertung durch Bank of America fast beiläufig: Analyst Vivek Arya bekräftigte am Mittwoch sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 350 Dollar und begründete es mit einer erheblichen Unterbewertung gegenüber dem fairen Wert. Auch Stifel bestätigte am selben Tag vor den Zahlen seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 282 Dollar.

An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 186,68 Euro, ein moderates Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 186,20 Euro. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,4 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Plus von 2,6 Prozent – die kurzfristige Nervosität vor dem Quartalsbericht ist spürbar, ohne den mittelfristigen Aufwärtstrend zu brechen. Zum bisherigen Jahreshoch von 202,50 Euro, erreicht im Mai, fehlen der Aktie derzeit 7,8 Prozent.

Die eigentliche Frage, die sich Anleger vor dem 26. August stellen sollten, ist nicht, ob Nvidia genug Chips verkauft. Es ist, ob das Firmengeflecht aus Garantien, Beteiligungen und Kapitalpartnerschaften tragfähig bleibt, wenn die Wachstumskurve der KI-Nachfrage einmal abflacht.

Solange Rechenzentren wie in Ohio gebaut werden und Partner wie SpaceX exklusiv auf Vera Rubin setzen, bleibt das ein theoretisches Risiko. Aber es ist eines, das mit jeder neuen Milliardengarantie wächst.

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