Nvidia Aktie: 12,9 bis 13 Milliarden für Hugging Face
Nvidia meldete starke Quartalszahlen und baut sein KI-Geschäft aus. Berichte über Hugging Face bleiben unbestätigt, während Analystenziele steigen.

- Hugging-Face-Deal offenbar noch offen
- Nvidia meldet 96,2 Milliarden Dollar Umsatz
- Wedbush und Raymond James erhöhen Kursziele
- AWS bestellt zwei Millionen zusätzliche GPUs
Ein Rekordquartal reicht Nvidia offenbar nicht. Während der Markt noch die Zahlen vom Mittwoch verdaut, verdichten sich Medienberichte, wonach der Chipkonzern für rund 12,9 bis 13 Milliarden Dollar die KI-Plattform Hugging Face übernehmen will.
Eine finale Einigung soll es noch nicht geben, widersprüchliche Berichte kursieren. Für mich ist genau das der eigentlich spannende Punkt dieser Woche – nicht die 106 Prozent Umsatzwachstum, die längst eingepreist scheinen, sondern die Frage, ob Nvidia gerade beginnt, sich die Software-Ebene der KI-Entwicklung einzuverleiben.
Warum ausgerechnet Hugging Face?
Hugging Face ist so etwas wie der zentrale Marktplatz für offene KI-Modelle – Entwickler weltweit laden dort Modelle hoch, teilen Trainingsdaten, bauen Anwendungen. Wer diese Plattform kontrolliert, sitzt an einer Schnittstelle, die weit über Hardware hinausgeht.
Nvidia hat mit CUDA bereits einen Software-Graben um seine Chips gezogen, der Wettbewerbern das Leben schwer macht. Eine Übernahme von Hugging Face würde diesen Graben um eine weitere Ebene erweitern: die Community selbst. Aus meiner Sicht wäre das eine strategisch naheliegende, fast zwingende Ergänzung – vorausgesetzt, der Deal kommt tatsächlich zustande.
Gleichzeitig zeigt der Zeitpunkt, wie selbstbewusst das Management gerade auftritt. Am Mittwoch hatte Nvidia für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar gemeldet, das Rechenzentrumsgeschäft allein steuerte 89,0 Milliarden Dollar bei.
Der Gewinn je Aktie von 2,22 Dollar übertraf die Konsensschätzung von 2,09 Dollar. Wer mit solchen Zahlen im Rücken zusätzlich Milliarden für eine Softwareplattform in die Hand nimmt, signalisiert: Das Kapital ist da, und man will es nicht nur in Kapazitätsausbau stecken.
Die Ausgangslage bleibt komfortabel
Der Aktienkurs sprang gestern um 8,6 Prozent nach oben – eine Reaktion, die zeigt, wie sehr die Ausblicke die Erwartungen übertroffen haben. Immerhin hatte Nvidia für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht gestellt, fast doppelt so viel wie der bisherige Konsens.
Wedbush zog daraufhin nach und erhöhte das Kursziel auf 345 Dollar, Raymond James bereits tags zuvor auf 352 Dollar – beide Häuser bleiben bei einer klar positiven Einstufung. Für mich unterstreicht das: Die Analystenzunft traut Nvidia mehr zu, als sie es noch vor wenigen Wochen tat.
Parallel dazu treibt Nvidia sein Kerngeschäft konsequent voran. Die Erweiterung der Zusammenarbeit mit Amazon Web Services um zwei Millionen zusätzliche Blackwell-Ultra-, Rubin- und Rubin-Ultra-GPUs für 2027 und 2028 zeigt, dass die Nachfrageseite nicht abreißt.
Auch die neue Vera-CPU, die inzwischen bei AWS in Seattle im Kundeneinsatz ist, deutet darauf hin, dass Nvidia sein Portfolio über reine Grafikchips hinaus verbreitert. Ein 80-Milliarden-Dollar-Aktienrückkaufprogramm rundet das Bild eines Konzerns ab, der Cashflow im Überfluss hat und ihn aktiv einsetzt.
Risiken bleiben – aber sie wiegen für mich leichter
Kritisch sehe ich die Größenordnung der Zusagen: Allein für SB Energy hat sich Nvidia zu Restwertgarantien mit einer Zahlungsobergrenze von 105 Milliarden Dollar verpflichtet.
Solche langfristigen Verpflichtungen bergen Risiken, sollte sich die KI-Nachfrage irgendwann abkühlen. Auch der Abgang von Ajay K. Puri, der als Executive Vice President für die weltweiten Vertriebsaktivitäten zuständig war, markiert einen Einschnitt in der Führungsmannschaft.
Unterm Strich überwiegen für mich aber die Argumente, die für eine anhaltende Dynamik sprechen. Die Kombination aus explosivem Umsatzwachstum, aggressiver Kapitalallokation und einer möglichen strategischen Erweiterung ins Software-Ökosystem macht Nvidia zu einem Unternehmen, das nicht nur auf einer Erzählung reitet, sondern aktiv neue Wachstumspfade baut.
Ob Hugging Face am Ende wirklich Teil des Konzerns wird, bleibt offen. Doch schon der Versuch zeigt, wie ambitioniert Nvidia gerade denkt – und das dürfte die Debatte um die Bewertung der Aktie in den kommenden Wochen weiter befeuern.
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