Nvidia Aktie: 20 Gigawatt bis Ende 2027

Nvidia-Aktie steigt nach SpaceX-Ankündigung, doch Milliarden-Finanzierungen für Kunden werfen Fragen zur Nachfragequalität auf.

Die Kernpunkte:
  • SpaceX setzt auf Nvidia-Chips
  • Aktie springt über 219 Dollar
  • Milliardenschwere Kundenfinanzierungen
  • Quartalszahlen am 26. August

Elon Musk hat am Dienstag während der ersten öffentlichen Bilanzkonferenz von SpaceX einen Satz gesagt, den sich Nvidia-Aktionäre einrahmen dürften: Man werde künftig ausschließlich auf Nvidia bauen, weil die Vera-Rubin-Architektur schlicht die beste sei. Was wie eine Randnotiz aus der Raumfahrt klingt, ist ein Signal für die gesamte KI-Branche – und zeigt gleichzeitig, wie sehr Nvidias Erfolgsgeschichte inzwischen von Finanzierungskonstrukten abhängt, die man als Anleger nicht ignorieren sollte.

Von der Erde ins All

Musk kündigte an, dass SpaceX das Vera Rubin NVL723-Rack-Supercomputersystem sowohl am Boden als auch im Orbit einsetzen wird. Besonders bemerkenswert: Die geplanten Starmind-Satelliten sollen jeweils Nvidia-Rubin-GPUs und Vera-CPUs tragen, um Rechenleistung im Format eines Rechenzentrums direkt ins All zu verlagern. Aus dem Chiphersteller für Rechenzentren wird, zumindest der Ankündigung nach, ein Infrastrukturlieferant für die Raumfahrt. Für ein Unternehmen, das schon in nahezu jedem KI-Rechenzentrum der Welt präsent ist, ist das eine weitere Ausdehnung des eigenen Fußabdrucks – diesmal buchstäblich über den Planeten hinaus.

Der Kurs feiert, die Sorgen bleiben

Medienberichten zufolge sprang die Aktie am Donnerstag in den USA um mehr als 3,5 Prozent über die Marke von 219 Dollar, die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 5,35 Billionen Dollar. Im deutschen Handel schlägt sich die Euphorie ebenfalls nieder: Binnen sieben Tagen legte die Aktie um 11,23 Prozent zu, der Schlusskurs vom Freitag von 193,68 Euro liegt nur noch 4,36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.

Melius-Analyst Ben Reitzes rechnete am Mittwoch vor, was ein vorläufiges Ziel von 20 Gigawatt Rechenzentrumskapazität bis Ende 2027 für Nvidia bedeuten könnte. Sein Kursziel von 400 Dollar stammt allerdings noch aus dem Mai und taugt kaum als aktuelle Einschätzung – es zeigt eher, wie sehr sich die Story seither weitergedreht hat.

Wenn der Chiplieferant zum Bankier wird

Genau hier beginnt die eigentliche Frage dieser Kolumne: Wächst diese Nachfrage organisch, oder finanziert Nvidia sie sich zunehmend selbst? Erst Ende Juli sorgten Berichte über sogenannte zirkuläre Finanzierungsdeals für einen Kursrutsch von rund 5 Prozent auf 196,51 Dollar, der Nvidia in einer einzigen Sitzung rund 250 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung kostete und den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt zurück an Apple gab.

Der Hintergrund: Nvidia soll laut einem Bericht des Wall Street Journal über eine Bürgschaft von rund 250 Milliarden Dollar für Schulden von OpenAI verhandeln, die mit einem Rechenzentrumsprojekt in Ohio verknüpft sind. Parallel steht offenbar eine weitere Finanzierung über 350 Milliarden Dollar für den Kauf von Nvidia-Chips im Raum. Investor Michael Burry hat genau darauf hingewiesen: Ein erheblicher Teil der Nvidia-Nachfrage stamme von Kunden, deren Infrastruktur Nvidia selbst mitfinanziert. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon äußerte vor rund zwei Wochen ähnliche Bedenken, sein Kursziel lag damals bei 315 Dollar.

Zu diesem Muster passt auch die 5-Milliarden-Dollar-Investition, die Nvidia laut Bloomberg in Ilya Sutskevers Start-up Safe Superintelligence gesteckt hat, verknüpft mit Zugang zur Vera-Rubin-Plattform. Bloomberg bezeichnete den Deal als einen der größten Finanzierungsschritte des gesamten KI-Booms. Summiert man solche Vereinbarungen, kommt allein für das laufende Jahr eine Summe von mehr als 540 Milliarden Dollar an Nvidia-nahen Finanzierungskonstrukten zusammen – ohne das mögliche neue OpenAI-Arrangement.

Daneben wirkt fast bodenständig, dass Nvidia binnen wenigen Wochen zusätzlich eine 500-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit der SK Group für KI-Fabriken und Speicherchips der nächsten Generation verkündet hat, dazu den Ausbau der südkoreanischen KI-Infrastruktur mit NAVER und Brookfield sowie ein gemeinsames Forschungslabor mit der KAIST. Jede Meldung für sich liest sich wie ein Wachstumsbeweis. In der Summe verdichten sie sich zu einem Bild: Nvidia sitzt nicht mehr nur am Ende der Lieferkette, sondern zunehmend an deren Finanzierungsschalthebel.

Auf der Eigentümerseite zeigt sich ein gemischtes Bild: Laut Pflichtmeldungen verkleinerte SCS Capital Management seine Position um 8.590 Aktien, während Antipodes Partners um 222.759 Aktien aufstockte. Dass CEO Jensen Huang im Rahmen laufender 10b5-1-Verkaufspläne in der Vergangenheit einen deutlichen Teil seines Bestands abgebaut hat, bleibt dabei ein bekanntes Hintergrundmuster, kein neues Signal.

Der Test kommt am 26. August

Am 26. August legt Nvidia die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Analysten erwarten für dieses Quartal ein Wachstum von 96 Prozent, für das dritte Quartal rechnet der Konsens mit 81 Prozent. Solche Zahlen erklären, warum Musks Ankündigung so gut ankam – und warum die Frage nach der Qualität der zugrunde liegenden Nachfrage nicht verschwindet, nur weil der Kurs wieder Richtung Rekordhoch klettert. Zwischen Weltraumcomputern und milliardenschweren Kreditbürgschaften für die eigenen Kunden liegt eine Spannweite, die zeigt: Nvidias Geschichte ist längst nicht mehr nur eine Geschichte über Chips.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 9. August liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia