Nvidia Aktie: 200 Prozent Gewinnwachstum verpufft
Trotz Rekordumsatz und -gewinn gibt die Nvidia-Aktie nach. Der Markt fokussiert sich auf die Abhängigkeit von wenigen Großkunden.

- Quartalsgewinn über 58 Milliarden Dollar
- Umsatz steigt auf 81,6 Milliarden Dollar
- Aktie gibt nach Zahlen zunächst nach
- Fokus auf Abhängigkeit von Cloud-Konzernen
Nvidia liefert Zahlen, die in fast jedem anderen Unternehmen als Sensation gelten würden. Der Markt reagiert trotzdem verhalten. Der Grund liegt nicht im Wachstum selbst, sondern in der Frage, wie breit dieses Wachstum inzwischen wirklich getragen wird.
Rekorde reichen nicht mehr
Für den Zeitraum Februar bis April meldete Nvidia einen Quartalsgewinn von 58,3 Milliarden Dollar, mehr als 200 Prozent über dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte auf 81,6 Milliarden Dollar. Das ist ein Rekordquartal.
Auch gegenüber den Erwartungen lag der Chipkonzern vorn. Der Gewinn je Aktie erreichte 1,87 Dollar, Analysten hatten 1,77 Dollar erwartet. Beim Umsatz lag der Konsens bei 79,18 Milliarden Dollar.
Die Aktie gab nach den Zahlen zunächst um mehr als 2 Prozent nach. Das passt zu einem Muster: Nach den vergangenen drei Ergebnisvorlagen geriet der Kurs jeweils unter Druck, obwohl die Nachfrage nach KI-Chips weiter hoch blieb. Die Messlatte ist extrem geworden.
In Frankfurt schloss die Nvidia-Aktie am Donnerstag bei 188,86 Euro. Seit Jahresanfang liegt sie 17,23 Prozent im Plus, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 60,35 Prozent. Der Rücksetzer wirkt damit eher wie eine Neubewertung der Erwartungen als wie ein Bruch des langfristigen Trends.
Der Kunde wird wichtiger als der Chip
Im Zentrum der Debatte steht die Abhängigkeit von den großen Cloud-Konzernen. Das Rechenzentrumsgeschäft erzielte im Quartal 75,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 92 Prozent zum Vorjahr. Hyperscaler machten rund 50 Prozent dieses Segments aus.
Finanzchefin Colette Kress betonte damit indirekt auch die andere Hälfte. Sie kommt inzwischen aus KI-Clouds, Industrie, Unternehmen und staatlichen Projekten. Nvidia versucht, genau diese Breite stärker sichtbar zu machen.
Konzernchef Jensen Huang ordnet die Nachfrage deshalb neu ein. Große Public-Cloud-Anbieter bleiben ein Kernmarkt. Daneben wachsen KI-native Clouds, unternehmenseigene Systeme, industrielle Anwendungen und staatliche KI-Infrastruktur zu einem zweiten großen Block heran.
Das ist mehr als eine Präsentationsfrage. Wenn Nvidia zeigen kann, dass die Nachfrage nicht nur von wenigen Tech-Giganten kommt, sinkt das Risiko einer abrupten Investitionspause einzelner Großkunden. Genau hier schaut der Markt nun genauer hin.
Souveräne KI stützt die Story
Ein besonders greifbarer Wachstumsbereich ist souveräne KI. Der Umsatz mit staatlich geprägten KI-Projekten stieg um mehr als 80 Prozent. Nvidia-Infrastruktur läuft inzwischen in fast 40 Ländern, die zusammen für rund 50 Billionen Dollar Wirtschaftsleistung stehen.
Diese Entwicklung gewinnt Gewicht, weil China im Quartal praktisch ausfiel. Nvidia lieferte keine Data-Center-Hopper-Produkte nach China aus. Im Vorjahresquartal waren es noch 4,6 Milliarden Dollar gewesen.
Auch in der Prognose für das laufende Quartal rechnet Nvidia mit keinem Rechenzentrumsumsatz aus China. Dass der Konzern trotzdem so stark wächst, ist ein wichtiges Signal. Die Nachfrage außerhalb Chinas fängt den Ausfall bislang auf.
Nvidia stellt seine Berichterstattung nun stärker auf diese Struktur um. Künftig trennt der Konzern zwischen den Plattformen Data Center und Edge Computing. Innerhalb des Data-Center-Geschäfts werden Hyperscale und ACIE ausgewiesen, wobei ACIE für KI-Clouds, Industrie und Unternehmen steht.
Das Edge-Geschäft bleibt kleiner, wächst aber ebenfalls. Der Umsatz lag bei 6,4 Milliarden Dollar, 29 Prozent über dem Vorjahr und 10 Prozent über dem Vorquartal. Treiber war vor allem die Nachfrage nach Blackwell-Workstations, während das Konsumenten-PC-Geschäft durch höhere Speicher- und Systempreise gebremst wurde.
Prognose bleibt stark
Für das laufende Quartal peilt Nvidia 91,0 Milliarden Dollar Umsatz an, mit einer Toleranz von 2 Prozent. Die Wall Street lag mit ihren Erwartungen darunter. Das macht die verhaltene Kursreaktion umso auffälliger.
Die konkret genannte Spanne reicht von 89,1 bis 92,8 Milliarden Dollar. Der Marktkonsens lag bei 87,3 Milliarden Dollar. Operativ bleibt Nvidia also klar vor den Erwartungen.
Auch die Margen sind hoch. Die Bruttomarge soll nach GAAP bei 74,9 Prozent liegen, auf Non-GAAP-Basis bei 75,0 Prozent. Die Schwankungsbreite beträgt jeweils 50 Basispunkte.
Der Mittelzufluss unterstreicht die Ertragskraft. Nvidia erwirtschaftete im Quartal 50,3 Milliarden Dollar operativen Cashflow. Ein Jahr zuvor waren es 27,4 Milliarden Dollar.
William Rhind, Gründer und Chef von GraniteShares, brachte die Reaktion des Marktes prägnant auf den Punkt: Die Erwartungen hätten die Fundamentaldaten eingeholt. Nvidia schlage keine hohe Messlatte mehr, Nvidia sei die Messlatte.
Gene Munster von Deepwater Asset Management nannte die Umsatzbeschleunigung bemerkenswert. Er verwies aber auch auf die anhaltenden Störgeräusche rund um China. Genau diese Mischung erklärt die Nervosität: Das Wachstum ist enorm, die Bewertung lässt wenig Raum für Zweifel.
Der nächste Prüfstein ist der Produktzyklus. Nvidia will Vera Rubin im dritten Quartal ausliefern und sieht die Plattform bereits stark gestartet. Für Blackwell und Rubin zusammen hält der Konzern an der Erwartung von 1 Billion Dollar Umsatz im Zeitraum 2025 bis 2027 fest. Wenn die neue Kundenbasis dieses Ziel untermauert, bekommt die Aktie wieder ein klareres Argument jenseits bloßer Rekordzahlen.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 22. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...



