Nvidia Aktie: 30 Milliarden Dollar Sovereign-AI-Umsatz 2026

Nvidia-Aktie fällt trotz milliardenschwerer KI-Partnerschaften in Japan und neuer Chip-Pläne.

Die Kernpunkte:
  • Halbleiterwerte weltweit unter Verkaufsdruck
  • Milliardendeal mit Noetra in Japan
  • Neues KI-Modell Cosmos 3 Edge vorgestellt
  • Analysten bleiben trotz Kursrückgang optimistisch

Ein breiter Ausverkauf im Halbleitersektor hat Nvidia am Donnerstag erfasst, während Konzernchef Jensen Huang zeitgleich in Japan milliardenschwere Partnerschaften einfädelte. Die Gemengelage aus Sektor-Nervosität, Lieferketten-Sorgen und neuen Wachstumsimpulsen prägt derzeit das Bild der Aktie.

Ausverkauf im gesamten Chipsektor

Der Philadelphia Semiconductor Index rutschte am Donnerstag zeitweise um bis zu fünf Prozent ab, nachdem TSMC zwar einen Nettogewinnsprung von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gemeldet, gleichzeitig aber sein Investitionsbudget für 2026 von zuvor 52 bis 56 Milliarden auf nun 60 bis 64 Milliarden US-Dollar angehoben hatte – zusätzlich zu einer um 100 Milliarden Dollar aufgestockten Arizona-Investition auf insgesamt 265 Milliarden Dollar. Anleger werteten die höheren Ausgabenpläne als Signal für steigenden Kostendruck in der Lieferkette. Neben Nvidia gerieten Speicherchip-Werte wie Micron, SanDisk und Western Digital deutlich unter Druck, in Südkorea brach der Kospi ein, getrieben von Kursverlusten bei Samsung und SK Hynix, während die Bank of Korea erstmals seit 2023 den Leitzins anhob.

In diesem Umfeld zeigte sich auch die in Deutschland gehandelte Nvidia-Aktie schwächer: Sie schloss am Donnerstag bei 181,20 Euro, ein Minus von 1,95 Prozent auf Sicht von sieben Handelstagen. Vom 52-Wochen-Hoch trennen das Papier damit inzwischen 10,52 Prozent.

Japan-Offensive: Cosmos 3 Edge und Milliardendeal mit Noetra

Während der Chipsektor unter Druck stand, trieb Huang bei einem Japan-Besuch die physische KI-Strategie des Konzerns voran. Nvidia stellte das neue KI-Modell Cosmos 3 Edge vor, ein Modell mit vier Milliarden Parametern für die On-Device-Steuerung von Robotern, das auf den neuen Jetson-Modulen T2000 und T3000 läuft. Mehr als 20 japanische Unternehmen traten der sogenannten Cosmos Coalition bei, darunter Fanuc, Yaskawa, Kawasaki Heavy Industries, Fujitsu, Hitachi, Sony und SoftBank. Fujitsu übernimmt dabei die Führung einer gemeinsamen Steuerungsplattform mit Fanuc, Yaskawa und Kawasaki.

Kernstück der Japan-Reise ist das Vorhaben mit dem Unternehmen Noetra: Für dessen staatlich unterstützte FRONTia-Initiative liefert Nvidia 13.750 Vera-CPUs und 27.500 Rubin-GPUs für ein Rechenzentrum mit 140 Megawatt Kapazität, das im Juni 2028 ans Netz gehen soll. Die japanische Regierung stellt dafür in einer ersten Tranche umgerechnet rund 2,4 Milliarden US-Dollar bereit, über fünf Jahre sind insgesamt 6,2 Milliarden Dollar vorgesehen. Huang traf in diesem Zusammenhang auch METI-Minister Ryosei Akazawa. Der Konzern bezifferte den Umsatz mit staatlich getriebener „Sovereign AI“ im Geschäftsjahr 2026 auf mehr als 30 Milliarden US-Dollar – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.

Vera Rubin: Huang dementiert Verzögerung

Parallel zu den Japan-Ankündigungen musste Huang am 15. Juli Gerüchte über Verzögerungen bei der nächsten Chip-Generation Vera Rubin ausräumen. Er betonte, Rubin befinde sich bereits in Produktion, „gigantische“ Stückzahlen stünden bevor. Hintergrund der Spekulationen war ein technisches Problem am sogenannten Thermal Lid sowie eine langsamere HBM4-Qualifizierung durch SK Hynix. Die Auslieferung der Rubin NVL72-Systeme soll im zweiten Halbjahr 2026 anlaufen, für die größere Kyber-NVL144-Plattform wird hingegen von einer Verschiebung von 2027 auf 2028 berichtet. Zusätzlich schränkte Nvidia den Kreis zugelassener asiatischer Käufer über eine neue Whitelist um mehr als die Hälfte ein – eine Reaktion auf einen Schmuggelfall im Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Trotz der Unsicherheit reagierten Analysten gelassen. KeyBanc-Analyst John Vinh hob sein Kursziel für Nvidia nach eigenen Lieferketten-Checks in Asien von 310 auf 330 US-Dollar an und bekräftigte seine Prognose von 1,7 bis 1,8 Millionen ausgelieferten Rubin-Einheiten für 2026, flankiert von 5,5 bis 6 Millionen Blackwell-GPUs. Bank of America verweist zudem auf das Netzwerkgeschäft als nächsten Wachstumstreiber: Der entsprechende Umsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 199 Prozent auf 14,8 Milliarden US-Dollar, das Kursziel des Analysehauses 24/7 Wall St. liegt bei 261,11 Dollar. Der Gesamtumsatz des Konzerns kletterte im selben Quartal um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden US-Dollar, das Rechenzentrumsgeschäft allein um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellte Nvidia eine Umsatzprognose von rund 91 Milliarden US-Dollar in Aussicht, gestützt auf Lieferverpflichtungen von 119 Milliarden Dollar und ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar. Simply Wall St taxiert den fairen Wert der Aktie auf 296,81 US-Dollar, der von Barchart erhobene Analystenkonsens liegt bei rund 303 Dollar.

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