Nvidia Aktie: 31 Prozent GPU-Preisfall in drei Wochen

Nvidia-Aktie fällt 16 Prozent vom Rekordhoch: Fallende GPU-Mietpreise, Qualcomm als neuer Rivale und massive Insiderverkäufe belasten.

Die Kernpunkte:
  • GPU-Mietpreise fallen um 31 Prozent
  • Qualcomm dringt in Nvidias Kernmarkt vor
  • Direktor Stevens verkauft Aktien für 407 Mio. Dollar
  • China-Geschäft bricht nahezu komplett weg

Nvidia verliert an Boden. Die Aktie notiert bei 169,86 Euro — rund 16 Prozent unter dem Allzeithoch vom Mai. Vier Faktoren drücken gleichzeitig: sinkende GPU-Mietpreise, ein neuer Konkurrent im Rechenzentrum, massiver Insiderverkauf und ein strukturell verlorener Markt in China.

GPU-Mietpreise brechen ein

Der Preis für eine B200-GPU auf großen Cloud-Plattformen fiel von 6,11 Dollar pro Stunde am 30. Mai auf 4,22 Dollar am 21. Juni. Das sind 31 Prozent in drei Wochen. GPU-Mietpreise gelten als Echtzeit-Indikator für KI-Nachfrage. Steigen sie, konkurrieren Unternehmen um knappe Rechenkapazität. Fallen sie, holt das Angebot auf — oder die Nachfrage pausiert. Beides ist für Nvidia ungünstig. Früher kontrollierten wenige Anbieter das B200-Angebot. Inzwischen führen mehrere Cloud-Plattformen das Modell, was den Preisdruck verstärkt.

Qualcomm greift den Datencenter-Markt an

Qualcomm hat auf einem Investoren-Event neue KI-Beschleuniger, CPUs und Speicherlösungen für Rechenzentren vorgestellt. Meta hat einen Mehrjahresvertrag für Qualcomms Dragonfly-C1000-Prozessor unterzeichnet. Microsoft gehört ebenfalls zu den frühen Kunden. Das Ziel: 15 Milliarden Dollar Jahresumsatz im KI-Datencenter-Segment bis 2029. Das ist ein direkter Angriff auf Nvidias Kernmarkt. Hinzu kommt, dass OpenAI an einem eigenen Inferenz-Chip arbeitet. Große Kunden wollen sich unabhängiger machen — das ist ein strukturelles Risiko für jeden Chip-Monopolisten.

Insiderverkäufe und Analystenwarnung

Direktor Mark Stevens hat im Juni 1,8 Millionen Nvidia-Aktien im Wert von insgesamt 407 Millionen Dollar verkauft. Am 18. Juni trennte er sich von 885.000 Aktien zu durchschnittlich 210,17 Dollar. Sechzehn Tage zuvor hatte er bereits eine Million Aktien zu 221,10 Dollar abgestoßen. Seaport Research hält an einer Verkaufsempfehlung fest und verweist auf Bilanzrisiken im Halbleitersektor.

China: Vier Milliarden Dollar fehlen

CEO Jensen Huang räumte auf der Hauptversammlung am 24. Juni offen ein, dass Nvidia den chinesischen Markt für KI-Hochleistungschips weitgehend an Huawei verloren hat. Blackwell-GPUs dürfen offiziell nicht nach China exportiert werden. Das Ergebnis: Der Datencenter-Umsatz aus China lag im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 bei nahezu null. Ein Jahr zuvor hatte das gleiche Segment noch 4,6 Milliarden Dollar eingebracht.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Das Fundamentalbild bleibt bemerkenswert stark. Der Quartalsumsatz erreichte 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,87 Dollar übertraf die Erwartungen zum vierten Mal in Folge. Das Datencenter-Segment wuchs auf 75,2 Milliarden Dollar, der Netzwerkbereich legte 199 Prozent zu. Für das laufende Quartal stellt das Management 91 Milliarden Dollar in Aussicht.

Kein Wunder, dass Anleger das schwer einordnen können. Der Halbleitersektor insgesamt ist 2026 einer der stärksten Bereiche am globalen Aktienmarkt. Micron hat seit Jahresbeginn rund 284 Prozent zugelegt, AMD rund 138 Prozent, der VanEck Semiconductor ETF etwa 70 Prozent. Nvidia steht mit einem Plus von gut 5 Prozent seit Jahresbeginn als schwächster großer Halbleiterwert da. Der RSI liegt bei 39,1, die Aktie notiert rund 6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Die Q2-Zahlen — erwartet mit rund 91 Milliarden Dollar Umsatz — werden zeigen, ob das Wachstum die Gegenwindfaktoren überwiegt.

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