Nvidia Aktie: 35-Milliarden-Deal von Lambda und Anthropic
Nvidia verbindet starke Quartalszahlen mit wachsendem Einfluss auf die KI-Infrastruktur, bleibt dabei aber politischen und geopolitischen Risiken ausgesetzt.

- 35-Milliarden-Dollar-Deal stärkt GPU-Nachfrage
- Umsatz im zweiten Fiskalquartal verdoppelt
- Trump-Anruf unterstreicht politische Bedeutung
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch
Nvidia hat in dieser Woche gezeigt, dass die eigentliche Geschichte längst nicht mehr nur Chips heißt. Der Hugging-Face-Deal und die Rekordzahlen vom Donnerstag sind bekannt und abgehakt. Interessanter finde ich, wie sich Nvidia gerade in eine Rolle hineinbewegt, die über den Chiphersteller hinausgeht: die des Finanziers und Infrastruktur-Architekten der gesamten KI-Wertschöpfungskette.
Reuters brachte es in einem Breakingviews-Kommentar Anfang September auf den Punkt und beschrieb, wie Finanziers Nvidia zunehmend in die Rolle eines „AI Baron“ drängen. Das ist keine offizielle Unternehmensmeldung, aber es trifft einen wunden Punkt: Nvidia verkauft nicht mehr nur GPUs, es steckt inzwischen überall im Ökosystem, das seine eigene Nachfrage erst erzeugt.
Der Lambda-Anthropic-Deal als Beispiel
Ein Beleg dafür ist der Bericht über einen 35-Milliarden-Dollar-Rechendeal zwischen dem Nvidia-unterstützten Unternehmen Lambda und Anthropic, bei dem laut Medienberichten Infrastruktur von Hut 8 und Nvidia-GPUs zum Einsatz kommen sollen. Der Vertrag selbst gehört Lambda, nicht Nvidia – aber genau das ist die Pointe.
Nvidia muss gar nicht mehr direkter Vertragspartner sein, um von jedem neuen Milliarden-Deal in der Branche zu profitieren. Es hat sich so tief in die Kapitalstruktur der KI-Industrie eingewoben, dass praktisch jeder Großauftrag am Ende GPU-Nachfrage erzeugt.
Für mich ist das der eigentliche Grund, warum die Bewertung von Nvidia nicht mehr allein an Quartalszahlen hängt, so beeindruckend diese auch waren. Mit einem Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar im zweiten Fiskalquartal, einem Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr, hat das Unternehmen bereits gezeigt, dass die Kernnachfrage intakt ist.
Die Guidance von 108 Milliarden US-Dollar, plus/minus 2 Prozent, für das dritte Fiskalquartal untermauert das. Doch die eigentliche Frage für Anleger ist längst nicht mehr, ob Nvidia genug Chips verkauft – sondern ob es die Finanzarchitektur der gesamten Branche kontrolliert.
Politische Aufmerksamkeit als zweischneidiges Signal
Bemerkenswert fand ich auch die Meldung, dass US-Präsident Donald Trump CEO Jensen Huang während einer unternehmensinternen All-Hands-Veranstaltung anrief, kurz bevor er sich öffentlich zu den Nvidia-Zahlen äußerte. Das liest sich fast wie eine Randnotiz, ist es aber nicht: Wenn ein amtierender Präsident die eigenen Kommentare an die Quartalszahlen eines einzelnen Unternehmens knüpft, zeigt das, welchen politischen Stellenwert Nvidia inzwischen für die gesamte KI-Strategie der USA hat. Das kann Rückenwind bedeuten, etwa bei Exportfragen. Es kann aber auch heißen, dass Nvidia stärker als jedes andere Tech-Unternehmen zur politischen Zielscheibe wird, sollte sich das Blatt einmal wenden.
Nicht zu vergessen: Die Guidance geht weiterhin von null Rechenzentrumsumsatz aus China aus – ein Restart dort wäre reines Zusatzpotenzial, aber auch ein Fingerzeig darauf, wie viel geopolitisches Risiko in der Bewertung ohnehin schon eingepreist ist.
Bewertung mit Optimismus, aber nicht ohne Risiko
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in robuster Kursentwicklung: Am Freitag schloss die Aktie bei 198,56 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent, und liegt nur 1,9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro.
Der Abstand von 42 Prozent zum Jahrestief im September 2025 zeigt, wie weit die Erholung schon gelaufen ist. Mit einem RSI von 60,4 ist die Aktie technisch nicht überhitzt, aber auch nicht mehr günstig.
Unterm Strich sehe ich Nvidia an einem Punkt, an dem operative Stärke und strukturelle Marktmacht zusammenfallen. Die Zahlen sprechen für sich, die Ökosystem-Strategie rund um Hugging Face und Lambda-artige Partnerschaften spricht für anhaltenden Rückenwind.
Wer aber glaubt, hier handle es sich noch um eine reine Chip-Wette, verkennt meiner Meinung nach, wie sehr Nvidia inzwischen selbst zum Finanzierer der eigenen Nachfragekurve geworden ist – mit allen Chancen und Abhängigkeiten, die das mit sich bringt.
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