Nvidia Aktie: 500-Milliarden-Paket mit Apollo und Blackstone
Nvidia sichert Milliarden-Garantien für KI-Rechenzentren und investiert in SpaceX. Analysten sehen Kurspotenzial, der Markt bleibt skeptisch.

- 105-Milliarden-Dollar-Garantie für Ohio-Rechenzentrum
- 21-Milliarden-Dollar-Beteiligung an SpaceX
- S&P bestätigt AA-Rating trotz Risiken
- Kurszielanhebungen von Bank of America und GF Securities
Es gibt Wochen, da zeigt sich, wie sich eine Branche wirklich verändert – nicht durch einen Quartalsbericht, sondern durch die Verträge, die im Hintergrund geschlossen werden. Diese Woche war so eine Woche für Nvidia.
Während die Aktie am Dienstag um 2,4 Prozent nachgab und mit 189,72 Euro rund 6,3 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Mai notiert, hat sich das Unternehmen selbst still und leise vom Chiphersteller zum Infrastrukturfinanzier gewandelt.
Vom Chip zum Kapitalgeber
Nvidia garantiert bis zu 105 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrum in Pike County, Ohio, das OpenAI über zwanzig Jahre mieten will. Der Betreiber SB Energy hatte laut eigenen Angaben ein „sehr wettbewerbsintensives“ Bieterverfahren gewonnen, wie Co-CEO Rich Hossfeld erklärte.
Ursprünglich war offenbar von 250 Milliarden Dollar die Rede, dann von weniger als 120 Milliarden – am Ende blieben 105 Milliarden Dollar plus eine direkte Investition von 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy selbst. Der Campus soll auf bis zu acht Gigawatt wachsen, die ersten 800 Megawatt sind für 2028 geplant.
Das ist kein Einzelfall. Nvidia hat parallel eine 21-Milliarden-Dollar-Beteiligung an SpaceX offengelegt, über 100 Milliarden Dollar in KI-Firmen wie OpenAI und Anthropic gesteckt und ist an einem 500-Milliarden-Dollar-Finanzierungspaket mit Apollo, Blackstone, BlackRock, Brookfield, Goldman Sachs und KKR beteiligt.
Wer fragt, ob Nvidia noch in erster Linie Grafikprozessoren verkauft oder längst zum zentralen Finanzarchitekten der KI-Infrastruktur geworden ist, bekommt hier eine ziemlich eindeutige Antwort.
Warum der Markt trotzdem zögert
Genau diese Rolle als Kapitalgeber macht manche Anleger nervös. Fortune und mehrere weitere Medien deuteten die Kürzung der Ohio-Garantie von ursprünglich kolportierten 250 Milliarden auf 105 Milliarden Dollar als Signal für „künstliche Nachfrage“ nach Chips – die Sorge: Wenn Nvidia die Nachfrage seiner eigenen Kunden mitfinanzieren muss, wie organisch ist sie dann wirklich? Die Aktie war im Juli bereits um 4,5 Prozent gefallen, als die höheren Zahlen kursierten.
Bank of America sieht das anders. Analyst Vivek Arya bekräftigte sein Kaufrating mit einem Kursziel von 350 Dollar und argumentiert, die Aktie handle derzeit mit einem Abschlag von 34 bis 50 Prozent auf den freien Cashflow, weil der Markt die Finanzierungsrisiken der KI-Ökosysteme überbewerte.
Zum Vergleich: Der freie Cashflow lag zuletzt bei 48,5 Milliarden Dollar pro Quartal – eine Verachtzehnfachung binnen drei Jahren. Von 37 befragten Analysten empfehlen 36 die Aktie zum Kauf, der Konsens-Kurszielwert liegt bei rund 309 Dollar.
Die Rating-Agentur bleibt gelassen
Bemerkenswert: S&P bestätigte trotz der milliardenschweren Garantien Nvidias AA-Rating. Das deutet darauf hin, dass zumindest die Bonitätswächter die Bilanzrisiken für beherrschbar halten – ein Kontrapunkt zur öffentlichen Debatte über „künstliche Nachfrage“.
Auch GF Securities zog nach und erhöhte sein Kursziel auf 345 Dollar, mit Verweis auf die erwartete starke Nachfrage nach der kommenden Vera-Rubin-Plattform, die nicht nur bei OpenAI, sondern auch bei Microsoft, Amazon, Google und Oracle ankommen soll.
Charttechnisch bewegt sich die Aktie derzeit rund 5,2 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 13 Prozent über der 200-Tage-Linie – ein Bild, das trotz der jüngsten Schwäche noch keine strukturelle Trendwende zeigt, sondern eher eine Verschnaufpause nach einem starken Lauf. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent zu Buche.
Am 26. August legt Nvidia Zahlen vor, für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 wird ein Umsatz von rund 92 Milliarden Dollar erwartet. Bis dahin bleibt die eigentliche Frage bestehen, die sich nicht in einer einzelnen Kennzahl beantworten lässt: Ist Nvidia dabei, sich selbst zum größten Klumpenrisiko der eigenen Erfolgsgeschichte zu machen – oder schafft das Unternehmen gerade die Finanzarchitektur, ohne die der KI-Ausbau der nächsten Dekade gar nicht stattfinden könnte?
Die Antwort der Ratingagenturen und der Bank of America fällt bislang eindeutig zugunsten Nvidias aus. Die Kursbewegung der vergangenen Tage zeigt, dass der breitere Markt sich da noch nicht ganz sicher ist.
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