Nvidia Aktie: 650 Milliarden bei Hyperscalern

Nvidias Kursentwicklung hängt von den Investitionsplänen der großen Hyperscaler ab. Die anstehenden Quartalsberichte von Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta werden richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von über vier Prozent
  • Hyperscaler-Berichte entscheidend
  • TSMC als wichtiger Indikator
  • Analysten sehen Aufwärtspotenzial

Nvidia legt Ende der Woche 4,04 Prozent zu und schließt bei 184,60 Euro. Über sieben Handelstage steht ein Plus von 7,34 Prozent. Der Kurs springt damit über seinen 50-Tage-Durchschnitt von 181,22 Euro. Trotzdem entscheidet sich die eigentliche Geschichte kommende Woche nicht bei Nvidia selbst — sondern bei den Kunden.

Die Hyperscaler geben den Ton an

Im Juli legen alle vier großen KI-Hyperscaler ihre Zahlen vor. Microsofts Geschäftsjahr endete bereits am 30. Juni, entsprechend genau werden Anleger auf die Kommentare zu KI-Investitionen achten. Diese Berichte wiegen für Nvidia schwerer als jede eigene Meldung. Der Grund: Das Wachstum des Chipherstellers hängt direkt daran, wie viel Big Tech weiter in Rechenzentren steckt.

Die Größenordnung ist gewaltig. Die vier Hyperscaler wollen dieses Jahr rund 650 Milliarden Dollar in Rechenzentren investieren. Nvidia selbst geht davon aus, dass diese Gruppe im kommenden Jahr sogar über eine Billion Dollar ausgibt.

Ein zweites Signal kommt aus der Lieferkette. Taiwan Semiconductor Manufacturing Company fertigt die Logikchips für Nvidia. Meldet TSMC starkes Wachstum bei KI-Halbleitern, liegt der Schluss nahe: Auch Nvidia läuft gut. Wer den Nvidia-Chart kommende Woche beobachtet, schaut damit zuerst auf zwei fremde Bilanzpressekonferenzen.

Ein Monat der Nervosität

Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt, wie unruhig die Stimmung rund um Nvidia geworden ist. Der Kurs steht 5,97 Prozent höher als vor einem Monat und liegt 12,02 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,78 Euro. Diese Zahl verdeckt aber heftige Ausschläge dazwischen.

Nvidia notiert 8,84 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht Mitte Mai. Die Jahresperformance hat sich trotzdem wieder auf 14,59 Prozent hochgearbeitet. Über zwölf Monate steht sogar ein Plus von 31,58 Prozent zu Buche — die Aktie hat sich von ihrem Jahrestief bei 140,30 Euro spürbar erholt.

Genau diese Ambivalenz treibt die aktuelle Debatte. Eine Einschätzung sieht Nvidia auf dem aktuellen Niveau als klaren Kauf und erwartet, dass einige Juli-Berichte die optimistische These bestätigen. Andere Stimmen sind skeptischer und verweisen darauf, dass Nvidia 2026 leise zum schwächsten Wert in der eigenen Chip-Vergleichsgruppe geworden ist — während Investoren zunehmend fragen, ob der KI-Boom sich weiter auszahlt.

Technisches Bild: Beruhigung, aber kein Ausbruch

Der RSI steht bei 58,6 — neutral bis leicht bullisch. Nach der Mai-Rally ist die Aktie nicht mehr überkauft, zeigt aber auch nicht die überverkauften Signale der Juni-Korrektur. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt nur 1,87 Prozent. Genau dieses Niveau dürften Trader als Unterstützung oder Widerstand beobachten, je nachdem, wie die Makro- und Bilanznachrichten der Woche ausfallen.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 36,42 Prozent. Kursschwankungen von mehreren Prozentpunkten in beide Richtungen bleiben damit die Regel, nicht die Ausnahme.

Das Analystenkursziel liegt im Konsens bei 264,16 Euro — ein Aufwärtspotenzial von 43,1 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Diese Lücke zeigt: Der Markt setzt weiterhin stark auf anhaltende KI-Infrastrukturausgaben. Ob dieser Konsens die kommenden Wochen übersteht, entscheidet sich weniger an Nvidias eigenen Ankündigungen. Entscheidend werden die Kommentare zu Investitionsausgaben aus Redmond, Mountain View, Seattle und Menlo Park.

Investitionsüberzeugung gegen Investitionsmüdigkeit

Nvidias eigene langfristige Erzählung bleibt ambitioniert. Der Konzern hat wiederholt behauptet, die weltweiten Investitionen in Rechenzentren würden bis 2030 auf 3 bis 4 Billionen Dollar jährlich steigen. Diese Vision trägt die mehrjährige Rally der Aktie.

Sie bedeutet aber auch: Jede quartalsweise Hyperscaler-Meldung wird zur Abstimmung darüber, ob dieser Ausgabenpfad intakt bleibt. Oder ob die Branche, wie Skeptiker zunehmend vermuten, in eine Phase des Verdauens bestehender Kapazitäten eintritt — statt grenzenlos weiterzubauen.

Nvidia notiert 31,58 Prozent über seinem Jahrestief, aber weiterhin unter dem Rekordhoch. Die Kaskade an Hyperscaler-Zahlen kommender Woche dürfte wichtiger werden als jede Nvidia-spezifische Schlagzeile. Sie entscheidet, ob die aktuelle Erholung trägt — oder ob die Bewertungssorgen zurückkehren.

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