Nvidia Aktie: 7 Gigawatt Stromkapazität über Cloverleaf

Nvidia sichert sich mit Milliardeninvestments in Strominfrastruktur und Speicherchips die Basis für künftiges KI-Wachstum. Die Quartalszahlen am Mittwoch zeigen, ob die Strategie trägt.

Die Kernpunkte:
  • Minderheitsbeteiligung an Cloverleaf Infrastructure
  • Milliardeninvestments in Lancium und SB Energy
  • Mehrjährige Lieferverträge für Hochleistungsspeicher
  • Analysten erwarten Umsatz nahezu verdoppelt

Es gibt Wochen, in denen eine einzelne Firma zum Fieberthermometer eines ganzen Wirtschaftssystems wird. Diese Woche ist so eine für Nvidia. Am Mittwoch nach Börsenschluss legt der Chiphersteller seine Quartalszahlen vor, und während Analysten über Nachkommastellen bei der Umsatzguidance streiten, verschiebt sich im Hintergrund etwas Größeres: Nvidia baut sich sein eigenes Stromnetz.

Am Freitag ist die Aktie in Frankfurt mit 183,78 Euro aus dem Handel gegangen, ein Minus von 1,1 Prozent zum Vortag und von 5,6 Prozent auf Wochensicht.

Der Titel notiert damit rund 9 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, hält sich aber mit einem RSI von 48 in neutralem Gelände – weder überkauft noch ausverkauft. Wer nur auf den Kurs starrt, verpasst allerdings die eigentliche Geschichte dieser Tage.

Die Machtfrage hinter der Rechenleistung

Nvidia hat in den vergangenen Tagen eine Minderheitsbeteiligung an Cloverleaf Infrastructure bekanntgegeben, einem Entwickler von Rechenzentrums-Infrastruktur. Die Financial Times respektive das Wall Street Journal beziffern die Investition auf mehrere hundert Millionen Dollar.

Cloverleaf hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 7 Gigawatt an gesicherter Stromkapazität verkauft, die Pipeline umfasst über 10 Gigawatt. Das reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Schritte: 2 Milliarden Dollar in Lancium, 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy, dazu Gespräche mit dem koreanischen Chipdesigner Rebellions und dem Infrastruktur-Anbieter Poolside.

Was heißt das für Anleger? Nvidia verkauft längst nicht mehr nur Chips. Das Unternehmen sichert sich vertikal die Ressourcen, ohne die Künstliche Intelligenz gar nicht erst rechnen kann: Strom, Kühlung, Rechenzentrumsfläche.

Wer glaubt, der Flaschenhals der KI-Revolution liege allein in der Halbleiterfertigung, hat die zweite Front übersehen – die Energiefrage. Und genau hier positioniert sich Nvidia mit einer Aggressivität, die man sonst eher von Versorgern kennt.

Speicherknappheit als zweite Front

Parallel dazu verdichten sich Berichte, wonach Nvidia mehrjährige Lieferverträge mit SK Hynix und Micron für Hochleistungsspeicher abgeschlossen hat. Der Marktforscher Edgewater Research geht davon aus, dass die Speicherknappheit bis 2028 anhalten könnte.

Micron will zusätzlich 10 Milliarden Dollar in Forschung investieren. Nvidia-Chef Jensen Huang wählte für den jüngsten Kursrückgang der Technologiewerte bemerkenswert offensive Worte: Man könne die Aktien nun „mit Rabatt“ kaufen, sagte er sinngemäß und unterstrich damit sein Vertrauen in die anhaltende Nachfrage.

Diese doppelte Absicherung – bei Strom und bei Speicher – erzählt eine Geschichte struktureller Vorbereitung auf ein Jahrzehnt hoher Nachfrage, nicht auf ein kurzfristiges Strohfeuer. Ob das reicht, um die Zweifel an einer möglichen KI-Blase zu zerstreuen, ist eine andere Frage.

Was der Markt am Mittwoch hören will

Für das zweite Fiskalquartal erwarten Analysten einen Umsatz von rund 91 bis 92 Milliarden Dollar, nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, sowie einen Gewinn je Aktie von etwa 2,08 Dollar.

Der Analyst Rick Schafer von Oppenheimer hält an seinem Kursziel von 265 Dollar fest und verweist auf den anstehenden Hochlauf der VR200-Chipgeneration. HSBC ist optimistischer und hob sein Kursziel jüngst von 325 auf 360 Dollar an. Der Analystenkonsens liegt bei etwas über 300 Dollar, nahezu einhellig auf Kauf gestellt.

Doch die vergangenen beiden Quartale zeigen ein eigentümliches Muster: Selbst nach Überraschungen von mehr als 5 Prozent verlor die Aktie in den folgenden 30 Handelstagen jeweils über 9 Prozent. Der Markt ist offenbar weniger an der Vergangenheit interessiert als an der Frage, ob der milliardenschwere Auftragsbestand für 2026 und 2027 – nach Schätzungen mancher Häuser über eine Billion Dollar – tatsächlich in Umsatz mündet.

Am Ende bleibt die eigentliche Wette dieselbe wie in den vergangenen Quartalen: Wer Nvidia hält, hält eine Wette auf die gesamte Infrastruktur der Künstlichen Intelligenz – Chips, Speicher und inzwischen auch Kilowattstunden. Die Zahlen am Mittwoch werden zeigen, ob diese Wette noch trägt.

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