Nvidia Aktie: 96,2 Milliarden Dollar Quartalsumsatz
Nvidia verbindet Übernahme, Partnerschaft und starke Zahlen zu einer breiteren KI-Strategie, während die Aktie zuletzt nachgab.

- Hugging-Face-Übernahme für 12,93 Milliarden Dollar
- Palantir-Kooperation für souveräne KI-Systeme
- Quartalsumsatz steigt um 106 Prozent
- Nvidia-Aktie verliert auf Wochensicht 5,1 Prozent
Es gab eine Zeit, da hätte eine Übernahme für 12,93 Milliarden Dollar die Finanzwelt tagelang beschäftigt. Bei Nvidia ist sie inzwischen eine Randnotiz zwischen Quartalszahlen und Dividendenankündigung. Genau das ist die eigentliche Geschichte dieser Woche: Das Unternehmen agiert längst nicht mehr wie ein Chiphersteller, sondern wie ein Ökosystem-Architekt, der sich Stück für Stück die gesamte KI-Wertschöpfungskette einverleibt.
Anfang September verkündete Nvidia eine definitive Vereinbarung zur Übernahme von Hugging Face – jener Plattform, auf der Entwickler weltweit Open-Source-Modelle, Datensätze und Anwendungen teilen. Wer die Community-Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert am Ende auch, welche Modelle auf welcher Hardware laufen. Das ist kein Zufall, sondern Strategie mit Ansage.
Vom Chip zum Betriebssystem der KI-Welt
Eine Woche später, am vergangenen Donnerstag, folgte der nächste Baustein: Nvidia und Palantir Technologies gaben eine Partnerschaft für souveräne KI-Systeme in Lieferkettenprozessen bekannt. Nvidia wird dabei erste Einsatzstelle für ein System, das die eigenen offenen Nemotron-Modelle mit Palantirs Foundry-Plattform verbindet.
Zwischen der Hugging-Face-Ankündigung und dem Palantir-Deal liegen sieben Tage – zwei getrennte, aber thematisch verwandte Schritte auf demselben Weg: Nvidia will nicht mehr nur die Rechenleistung liefern, sondern auch die Software-Schicht darüber besetzen.
Das passt zum Bild, das die jüngsten Geschäftszahlen zeichnen. Im zweiten Quartal des Fiskaljahres 2027 setzte Nvidia 96,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von 2 Prozent.
Die Bruttomarge soll bei rund 74,0 Prozent liegen. Für das gesamte Fiskaljahr 2028 rechnet Nvidia sogar mit 70 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Solche Zahlen relativieren die Debatte, ob 12,93 Milliarden Dollar für eine Plattform wie Hugging Face teuer sind – gemessen an dem, was Nvidia derzeit verdient, ist es eher ein Rundungsposten.
Auch operativ liefert das Unternehmen: Die neue Vera-Rubin-Plattform läuft inzwischen in voller Produktion, mit Racks bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud Infrastructure und Nebius. Das ist die Hardware-Seite der Geschichte – während Hugging Face und Palantir die Software- und Anwendungsseite absichern.
Der Markt zuckt trotzdem nur mit den Schultern
Und die Aktie? Sie bewegt sich, als hätte sie all das längst eingepreist. Am Freitag schloss das Papier bei 188,22 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht ein Minus von 3,3 Prozent – trotz der Übernahme, trotz der starken Zahlen, trotz der neuen Partnerschaft. Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht im Mai, fehlen der Aktie derzeit 7,1 Prozent.
Das wirkt paradox, ist es aber nicht wirklich: Nach einem Kursanstieg von 25 Prozent binnen zwölf Monaten und einem Plus von 17 Prozent seit Jahresbeginn hat der Markt hohe Erwartungen längst verinnerlicht. Jede neue Übernahme, jede Partnerschaft muss sich an einem bereits sehr optimistischen Bild messen lassen.
Piper Sandler nahm die Abdeckung am 10. September mit einem Kursziel von 300 Dollar und der Einstufung Overweight auf und begründete dies mit einem Marktanteil von 80 Prozent im KI-Rechnen sowie einer erwarteten Umsatz-Wachstumsrate von 47 Prozent pro Jahr bis zum Fiskaljahr 2030.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht mehr, ob Nvidia weiter wächst – das scheint gesetzt. Sie lautet, ob ein Unternehmen, das gleichzeitig Chips baut, Cloud-Partner beliefert, Entwickler-Plattformen kauft und mit Datenanalyse-Spezialisten kooperiert, am Ende zu groß wird, um noch überraschen zu können.
Wer derart viele Fronten gleichzeitig bespielt, riskiert auch, dass eine einzige Verzögerung – etwa bei der Integration von Hugging Face – gleich mehrere Wachstumsstränge zugleich belastet.
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