Nvidia Aktie: Bärenmärchen widerlegt
Nvidia übertrifft Erwartungen und stellt für 2028 rund 70 Prozent Wachstum in Aussicht. AWS plant zudem den Kauf von zwei Millionen GPUs.

- Nvidia-Aktie steigt um 8,7 Prozent
- 2028-Ausblick signalisiert rund 70 Prozent Wachstum
- AWS plant Kauf von zwei Millionen GPUs
- Finanzierungsprogramm für KI-Clouds pausiert
Nvidia hat mit seinen Quartalszahlen gleich mehrere Wall-Street-Narrative über den Haufen geworfen, die Anleger seit Monaten beunruhigt hatten. Die Aktie legte um 8,7 Prozent zu, nachdem der Chipkonzern nicht nur bessere Ergebnisse als erwartet vorlegte, sondern auch eine Umsatzprognose lieferte, die Wachstum von rund 70 Prozent für das Geschäftsjahr 2028 in Aussicht stellt — deutlich über den zuvor am Markt erwarteten 45 Prozent.
Der Kursschub strahlte auf den gesamten Sektor aus. Intel gewann 4,4 Prozent, während AMD leicht nachgab. Der breitere Nasdaq Composite kletterte um 1,6 Prozent, getragen auch von Salesforce, dessen Aktie nach einem Rekordquartal und einer KI-Partnerschaft mit Anthropic um mehr als 20 Prozent sprang.
Diversifizierte Kundenbasis als Gegenargument
Vor den Zahlen kursierten gleich mehrere Sorgen: nachlassende Nachfrage der Hyperscaler, Konkurrenz durch selbst entwickelte Chips, schnelle Wertminderung der GPUs sowie mögliche Verzögerungen bei der nächsten Chip-Generation Vera Rubin.
Nvidia konterte mit Zahlen zur Kundenstruktur — Hyperscaler machen inzwischen nur noch etwa die Hälfte des Geschäfts aus, den Rest tragen souveräne KI-Projekte und sogenannte Neoclouds.
Amazon Web Services kündigte trotz eigener Chipentwicklung an, zwei Millionen Nvidia-GPUs sowie potenziell Millionen der neuen Vera-CPUs zu kaufen — ein Signal, das aus Sicht von Marktbeobachtern die anhaltend hohe Nachfrage nach Nvidias Rechenleistung unterstreicht.
Parallel zum Zahlenwerk positioniert sich Nvidia strategisch neu. Auf einer Branchenkonferenz stellte das Unternehmen seine offenen KI-Modelle Nemotron 3.5 Lightning und den Modell-Router NeMo Switchyard vor. Der Ansatz: Unternehmen sollen offene, lokal betreibbare Modelle für sensible Aufgaben nutzen und Frontier-Modelle wie Claude oder ChatGPT für komplexere, unbekannte Aufgabenstellungen hinzuziehen.
Kritische Nebengeräusche
Nicht alles rund um den Quartalsbericht war ungetrübt. Berichten zufolge hat Nvidia ein erst vor rund zwei Monaten gestartetes Finanzierungsprogramm pausiert, über das KI-Cloud-Firmen gegen eine Umsatzbeteiligung Kreditunterstützung erhielten. Als Grund werden interne Bedenken einzelner Mitarbeiter wegen möglicher kartellrechtlicher Prüfungen genannt — die genauen Hintergründe blieben unklar, eine Neuauflage des Programms gilt als möglich.
Konzernchef Jensen Huang verteidigte in einem Interview zudem die Investitionsaktivitäten des Unternehmens in KI-Start-ups und verwies auf deren deutlich höheren Kapitalbedarf im Vergleich zu klassischen Firmen.
Am 10. September präsentiert Nvidia auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference vor institutionellen Investoren. Nach dem Kurssprung dürfte dort besonders interessieren, wie belastbar die optimistische Wachstumsprognose für 2028 unterlegt wird.
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