Nvidia Aktie: Bewertung fällt auf KGV unter 17
Nvidia wird trotz hoher Nachfrage niedrig bewertet. Sinkende Margen, Regulierung und Kundenabhängigkeit stehen weiteren Kurschancen gegenüber.

- Bewertung unter dem langjährigen Niveau
- Bruttomarge könnte auf 71 bis 72 Prozent sinken
- Rechenzentren eröffnen weiteres Erlöspotenzial
- Regulierung und Großkundenabhängigkeit bleiben Risiken
Günstige Bewertung trifft auf Rekordniveau
Die Bewertung des Halbleiterkonzerns wirft für Anleger eine dringliche Frage auf. Im deutschen Handel schloss das Papier gestern bei 199,98 Euro.
Zeitgleich handelt die Aktie bezogen auf die Gewinnerwartungen der nächsten zwölf Monate unter einem Multiplikator von 17. Für einen Wert, der jahrelang mit dem Doppelten bewertet wurde, markiert dies ein historisch niedriges Niveau.
CEO Jensen Huang bezeichnete den Konzern vor diesem Hintergrund als missverstanden. Während der Markt einen baldigen Höhepunkt des Investitionszyklus fürchtet, stellt das Management für das Fiskaljahr 2028 ein weiteres Umsatzplus von rund 70 Prozent in Aussicht. Anleger müssen nun abwägen, ob die verhaltene Bewertung eine Warnung vor schrumpfenden Margen darstellt oder eine seltene Einstiegsgelegenheit bietet.
Tragfähigkeit der Margen im Fokus
Der entscheidende Faktor für die künftige Kursentwicklung ist die Verteidigung der Rentabilität. Zwar konnte Nvidia im abgelaufenen zweiten Quartal des Fiskaljahres 2027 eine Bruttomarge von 75 Prozent erzielen. Für das vierte Quartal zeichnet sich jedoch ein Rückgang auf 71 bis 72 Prozent ab.
Steigende Speicherkosten sowie wachsende Lieferverpflichtungen belasten das Profil. Gleichzeitig investieren Großkunden wie Alphabet und Meta verstärkt in eigene Rechenchips. Sollte Nvidia gezwungen sein, künftige Systemgenerationen mit Preisnachlässen anzubieten, würde das Gewinnwachstum spürbar an Dynamik einbüßen.
Die nächste Ausbaustufe verspricht Rekorde
Im optimistischen Szenario setzt sich der Expansionskurs der Rechenzentren ungebremst fort. Die großen Cloud-Anbieter verfügen über einen Auftragsbestand von mehr als zwei Billionen Dollar. Für die kommenden Chip-Generationen eröffnet dies ein enormes Erlöspotenzial. Pro Gigawatt Rechenzentrumskapazität peilt das Unternehmen mit künftigen Systemen der Reihe Vera Rubin Erlöse von bis zu 40 Milliarden Dollar an.
Analyst Stacy Rasgon vom Analysehaus Bernstein stuft die Aktie mit Outperform ein. Die Diskrepanz zwischen operativer Leistung und Bewertungsniveau sei nicht gerechtfertigt, da die Nachfrage nach Rechenleistung das Angebot bis weit ins nächste Fiskaljahr übersteige. Sollten sich die Lieferengpässe schrittweise auflösen, dürfte dies zu deutlichen Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen führen.
Regulierung und Klumpenrisiken belasten die Story
Demgegenüber stehen handfeste Risiken, die eine Fortsetzung der Rally bremsen können. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg prüft das US-Justizministerium derzeit eine Vereinbarung zwischen Nvidia und dem Start-up Groq auf eine mögliche Umgehung von Kartellvorschriften. Zudem sorgen US-Exportbeschränkungen für das Geschäft in China für anhaltende Unsicherheit.
Hinzu kommt eine erhebliche Abhängigkeit von wenigen Großabnehmern. Ein einzelner Kunde steuerte zuletzt bis zu 16 Prozent der Konzernerlöse bei. Auch die enge finanzielle Verflechtung mahnt zur Vorsicht.
Zugleich stiegen die ausstehenden Forderungen gegenüber Kunden von 45 auf 60 Tage.
Wichtige Wegmarken im Herbst
Für den weiteren Kursverlauf zeichnen sich zwei klare Pfade ab. Solange die Aktie ihr Niveau im Bereich der jüngsten Hochs behauptet und die Bruttomarge im Bereich von über 71 Prozent verbleibt, spricht die strukturelle Nachfrage der Hyperscaler für eine Neubewertung nach oben.
Kippt die Rentabilität hingegen unter diese Schwelle oder ziehen regulatorische Eingriffe in Washington spürbare Einschränkungen nach sich, droht der Bewertungsabschlag zur dauerhaften Realität zu werden.
Erste Erkenntnisse über die Dynamik der Lieferketten versprechen die Quartalszahlen des Speicherherstellers Micron am 30. September. Die entscheidende Bestätigung der eigenen Wachstumsziele folgt am 17. November mit der Vorlage der Zahlen für das dritte Geschäftsquartal.
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