Nvidia Aktie: Burry eröffnet Short bei 198 Dollar

Michael Burry eröffnet Short-Position gegen Nvidia. Analysten sehen günstige Bewertung, aber schwaches Momentum und Kunden bauen Alternativen auf.

Die Kernpunkte:
  • Burry setzt auf fallende Kurse
  • KGV unter historischem Durchschnitt
  • Großkunden entwickeln eigene Chips
  • Neuer Vertriebschef ab August

Michael Burry ist berühmt für seinen „Big Short“ gegen den US-Immobilienmarkt 2008. Jetzt setzt er gegen Nvidia. Sein Fonds Scion Asset Management hat eine Short-Position gegen den Chipkonzern offengelegt, zusätzlich zu Wetten gegen Tesla und den Halbleiterindex SOXX.

Burry sieht Parallelen zur Dotcom-Blase

Laut Berichten vom 1. bis 3. Juli hat Burry seine Nvidia-Position bei einem Kurs von rund 198 US-Dollar eröffnet. Er begründet den Schritt mit Parallelen zur Dotcom-Ära und Sorgen vor Überkapazitäten im KI-Sektor. Das ist keine beiläufige Randwette – Burrys Short-Adressen liegen mitten im Herzen des aktuellen KI-Booms.

Die Offenlegung traf auf ein ohnehin nervöses Marktumfeld. Die US-Arbeitsmarktdaten für Juni fielen mit nur 57.000 neuen Stellen deutlich schwächer aus als die erwarteten 110.000. Die Folge: ein Ausverkauf bei KI-Werten, während der Dow Jones neue Rekordstände über 52.000 Punkten erreichte. Kapital floss aus Technologiewerten heraus und in defensive Sektoren wie Gesundheit, Versorger und Konsumgüter.

Nvidia schloss am Donnerstag bei 170,58 Euro. Das liegt 15,76 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Auf Sicht von 30 Tagen verlor die Aktie fast 8 Prozent, während sie im Jahresvergleich noch knapp 26 Prozent im Plus steht.

Bewertung günstig, Momentum schwach

Die Kennzahlen zeichnen ein zwiespältiges Bild. Nvidia handelt aktuell zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 bis 22 für die kommenden zwölf Monate – deutlich unter dem eigenen Fünfjahresschnitt von 53 und auch unter dem Sektormedian von 34. Das PEG-Verhältnis liegt bei 0,49, bei einer erwarteten Wachstumsrate von 81 Prozent. Manche Marktteilnehmer sehen darin bereits Value-Charakter trotz der Blasenwarnungen.

Die Technik spricht eine andere Sprache. Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 41,7 und deutet auf schwaches Momentum hin. Die Aktie notiert 5,92 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 181,32 Euro, hält sich aber knapp 4 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Kurz gesagt: charttechnisch angeschlagen, fundamental nicht mehr teuer.

Kunden bauen Alternativen auf

Nvidia bekommt Druck von seinen eigenen Großkunden. Anthropic arbeitet Berichten zufolge mit Samsung Foundry an eigenen KI-Chips in 2-Nanometer-Technologie – ein Versuch, die Abhängigkeit von Nvidias Beschleunigern zu verringern. Die dominieren den Markt aktuell mit einem Anteil von über 70 Prozent.

Meta Platforms geht einen anderen Weg. Der Konzern prüft, überschüssige Rechenzentrumskapazität zu verkaufen oder zu vermieten. Können andere Unternehmen bestehende Infrastruktur mieten, sinkt womöglich die unmittelbare Nachfrage nach neuen GPU-Clustern.

Nvidia reagiert mit eigenen Vorstößen. Der Konzern hat ein neues Modell für Cloud-Anbieter eingeführt, das Umsatzbeteiligungen vorsieht. Zusätzlich beteiligte sich Nvidia an einer Finanzierungsrunde über 800 Millionen US-Dollar für Together AI, einen Anbieter von GPU-Cloud-Diensten für Open-Source-Modelle mit einer Bewertung von 8,3 Milliarden US-Dollar.

Führungswechsel im Vertrieb

Zusätzlich zur Marktturbulenz steht bei Nvidia ein Wechsel an der Spitze des weltweiten Vertriebs an. Nicholas Parker, 26 Jahre bei Microsoft, übernimmt zum 24. August die Position als Executive Vice President of Worldwide Field Operations. Er folgt auf Jay Puri, der nach 21 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand geht.

Für das kommende zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz von 91,73 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Vorstand hat zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden US-Dollar genehmigt, ein Signal für Vertrauen in die langfristige Cash-Generierung. Ob das reicht, um Burrys Wette zu widerlegen, entscheidet sich an den kommenden Quartalszahlen.

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