Nvidia Aktie: Custom-ASICs wachsen 44,6 Prozent, GPUs nur 16,1

Nvidia platziert eine 25-Milliarden-Dollar-Anleihe, während die Aktie fällt. Der Markt hinterfragt die langfristige Dominanz im KI-Geschäft angesichts wachsender Konkurrenz.

Die Kernpunkte:
  • Rekordanleihe über 25 Milliarden Dollar
  • Aktie fällt unter 50-Tage-Durchschnitt
  • Wachsende Konkurrenz durch Custom-ASICs
  • Markt zweifelt an Nvidias Monopolstellung

Nvidia hat gerade eine der größten Anleihen der Firmengeschichte platziert. Trotzdem verliert die Aktie an Boden. Diese Kombination ist ungewöhnlich – und sie erzählt eine Geschichte, die über simple Gewinnmitnahmen hinausgeht.

Die Aktie notiert bei 172,06 Euro, ein Minus von 1,80 Prozent allein am Mittwoch. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 10,79 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 202,50 Euro, erreicht Mitte Mai, trennen das Papier mittlerweile 15,03 Prozent.

Der Markt preist gerade zwei gegensätzliche Erzählungen gleichzeitig ein: die fortgesetzte Dominanz von Nvidia im KI-Geschäft – und die langsame Erosion dieses Monopols.

Eine Rekordanleihe, kein Notruf

Mitte Juni ging Nvidia zum ersten Mal seit fünf Jahren an den Anleihemarkt. Der Konzern platzierte Bonds im Volumen von 25 Milliarden Dollar, verteilt auf sieben Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und dreißig Jahren. Die Nachfrage war außergewöhnlich: Investoren orderten Papiere im Wert von rund 85 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Dreifache des Angebots.

Besonders bemerkenswert: die 30-jährige Anleihe mit Fälligkeit 2056. Ihr Spread verengte sich von anfänglich rund 0,9 Prozentpunkten über US-Staatsanleihen auf am Ende nur noch 65 Basispunkte. Ein solches Orderbuch ist die Sprache der Kreditmärkte für Vertrauen – Vertrauen darauf, dass der KI-Ausbau Jahrzehnte dauert, nicht nur ein paar Quartale.

Nvidia braucht dieses Geld nicht zum Überleben. Der Konzern braucht es für Skalierung. Statt Aktionäre durch neue Aktien zu verwässern, sichert sich Nvidia günstiges, langfristiges Kapital – solange die KI-Erzählung noch stark genug ist, um eine 30-jährige Laufzeit als sicher erscheinen zu lassen. Das ist keine Verzweiflung. Das ist Opportunismus aus einer Position der Stärke.

Aber es bedeutet auch: Nvidia wettet über drei Jahrzehnte auf die eigene Schlüsselrolle im Computing. Und genau diese Rolle wird gerade getestet.

Die Rotation, die niemand zugeben wollte

Der Kursverlauf spiegelt diesen Test. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 181,32 Euro, gut 5 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der 200-Tage-Durchschnitt notiert bei 164,03 Euro. Nvidia hängt damit zwischen kurzfristiger Schwäche und einem intakten langfristigen Aufwärtstrend – bestätigt durch ein Plus von 32,29 Prozent auf Zwölfmonatssicht. Der RSI von 43,3 zeigt weder Panikverkäufe noch Selbstzufriedenheit. Nur einen Markt, der sich schlicht nicht entscheiden kann.

Ein Teil dieser Unentschlossenheit hat strukturelle Gründe. Custom-ASIC-Lieferungen von Cloud-Anbietern sollen 2026 um 44,6 Prozent wachsen. GPU-Lieferungen legen im Vergleich nur um 16,1 Prozent zu. Das zeigt eine Verschiebung in der KI-Hardware-Landschaft: Hyperscaler investieren zunehmend in eigene Chips.

Googles TPUs, Amazons Trainium, Microsofts Maia-Chips – das sind längst keine Nebenprojekte mehr. Immer mehr Unternehmen wollen ihre KI-Infrastruktur diversifizieren und Abhängigkeiten von einem einzigen Anbieter vermeiden, selbst wenn das bedeutet, sich von Nvidia zu entfernen. Parallel dazu ist AMD zur lautesten Alternative am Markt geworden. Nvidias eigener CEO verwies kürzlich auf den ASIC-Designer Marvell als kommendes Billionen-Dollar-Unternehmen – eine Bemerkung, die unabhängig von ihrer Absicht zeigt, wie überfüllt die Debatte um den „KI-Chip-Gewinner“ mittlerweile geworden ist.

Perfekt bepreist oder von Zweifeln getrieben?

Nichts davon verdrängt Nvidias aktuelle Marktposition grundsätzlich. Aggregierte Kursziele von Analysten liegen bei rund 264,93 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von etwa 54 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau – wobei solche Konsensschätzungen je nach Datenquelle variieren und eher als grober Richtwert taugen, nicht als präzise Prognose. Die Aktie liegt zudem noch immer 32,29 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 130,06 Euro, erreicht vor fast genau einem Jahr.

Der Anleihenverkauf, der Vorstoß bei PC-Chips und die schiere Größe der Nvidia-Bilanz – all das spricht für Durchhaltevermögen. Aber der Rückgang der letzten 30 Tage und die Lücke unter dem 50-Tage-Durchschnitt deuten auf etwas anderes hin: Der Markt behandelt Nvidias Dominanz nicht mehr als Selbstverständlichkeit. Er behandelt sie als These, die sich jedes Quartal neu beweisen muss – vor dem Hintergrund von Hyperscalern, die leise eigene Chips entwickeln, und einer wachsenden Riege gut finanzierter Herausforderer.

Eine annualisierte Volatilität von 38,76 Prozent bestätigt genau das. Diese Aktie lässt sich nicht mehr im Autopilot-Modus bewerten. Nvidia hat sich für die nächsten dreißig Jahre verschuldet. Die Investoren committen sich vorerst nur für ein Quartal.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 1. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia