Nvidia Aktie: DOJ ermittelt gegen Groq-Deal

Nvidia übertrifft im zweiten Geschäftsquartal die Erwartungen, sieht sich aber mit Kundenkonzentration, Ermittlungen und höheren Kosten konfrontiert.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz wächst um rund 106 Prozent
  • Rechenzentren liefern den größten Umsatzanteil
  • US-Justizministerium prüft Groq-Vereinbarung
  • Lieferketten verteuern Nvidia-Infrastruktur

Nvidia liefert Zahlen, die jede Zweifel eigentlich ersticken sollten – und trotzdem wächst das Unruhegefühl unter Anlegern. Für mich ist genau das die eigentliche Geschichte dieser Woche: Ein Unternehmen, das operativ so stark performt wie kaum ein anderes, wird zunehmend misstrauisch beäugt. Das ist bemerkenswert, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über dem Analystenkonsens von 92,17 Milliarden Dollar. Der Löwenanteil stammt aus dem Rechenzentrumsgeschäft, das mit 89 Milliarden Dollar mehr als 92 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.

Für das dritte Quartal stellt Nvidia rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus zwei Prozent. Wer angesichts solcher Wachstumsraten von einer Abkühlung spricht, verwechselt meiner Ansicht nach Normalisierung mit Schwäche.

Und doch: Der Kurs zeigt sich zuletzt angeschlagen. An der Börse notierte die Aktie am Vortag bei 192,40 Euro, ein Minus von 0,9 Prozent, nach einer Woche mit einem Rückgang von 2,1 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro beträgt fünf Prozent – kein Drama, aber ein Signal, dass der Markt vorsichtiger geworden ist, obwohl die operativen Daten kaum Anlass dazu geben.

Warum die Nervosität trotzdem nicht aus der Luft gegriffen ist

Deepwater-Analyst Gene Munster hat diese Woche einen Punkt angesprochen, der mir einleuchtet: Selbst bei starken Zahlen könnte der Markt nervös bleiben, weil eine zu optimistische Guidance die Sorge vor Überinvestition verstärkt, während eine moderate Anhebung als Wachstumsnormalisierung gedeutet würde. Nvidia steckt also in einer Zwickmühle, in der praktisch jedes Ergebnis Interpretationsspielraum für Skeptiker lässt.

Dazu kommt die Kundenkonzentration: Laut Recherchen entfiel im zweiten Quartal (zum Stichtag Ende Juli) ein erheblicher Teil des Umsatzes auf lediglich zwei nicht namentlich genannte Großkunden – deutlich mehr als im Vorjahresquartal. Das ist aus meiner Sicht ein legitimer Diskussionspunkt: Ein derart konzentriertes Kundenportfolio macht Nvidia anfälliger für Nachfrageschwankungen einzelner Hyperscaler, selbst wenn das Gesamtwachstum beeindruckt.

Parallel dazu ermittelt das US-Justizministerium laut einem Bericht der New York Times gegen Nvidias Lizenzvereinbarung mit dem KI-Chip-Start-up Groq – ein Deal im Volumen von 17 Milliarden Dollar, der möglicherweise dazu diente, eine kartellrechtliche Prüfung zu umgehen.

Eine formale Informationsanforderung liegt bereits vor, eine Geldstrafe erscheint denkbar, eine Rückabwicklung dagegen eher unwahrscheinlich. Für sich genommen ist das kein Weltuntergang, aber es reiht sich ein in ein Muster wachsender regulatorischer Aufmerksamkeit gegenüber Nvidias Marktposition.

Expansion auf allen Kontinenten – aber auch steigende Kosten

Während die einen über Kundenkonzentration und Kartellfragen diskutieren, expandiert Nvidia munter weiter. Mit acht australischen Partnern – darunter Firmus, Sharon AI und IREN – soll bis 2027 eine KI-Infrastruktur mit bis zu zwei Gigawatt Kapazität entstehen.

Sharon AI allein will bis zu 68.000 Nvidia-GPUs verbauen. Auch in Indonesien treibt Nvidia über den Partner Zankore ein 3,1-Milliarden-Dollar-Projekt voran. Das zeigt: Die globale Nachfrage nach Nvidia-Infrastruktur bleibt ungebrochen hoch.

Gleichzeitig verteuert sich die Lieferkette spürbar. Berichten zufolge zahlt Nvidia Aufpreise, um sich Test- und Probe-Card-Kapazitäten bei Zulieferern wie FormFactor und King Yuan bis 2027 zu sichern, während sich die Vorlaufzeiten für R&D-Probe-Cards von acht auf über zwanzig Wochen verdoppelt haben.

Speicherpreise, so ein Analyst von Freedom Capital, dürften zudem noch Jahre hoch bleiben. Das setzt die Margen unter Druck, selbst wenn die operative Marge im Rechenzentrumsgeschäft aktuell noch bei 71 bis 72 Prozent liegt.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich weiterhin die fundamentalen Stärken: Umsatzwachstum, Nachfrageexpansion und globale Partnerschaften sprechen eine deutliche Sprache.

Doch die Häufung kleinerer Störfeuer – Kundenkonzentration, DOJ-Ermittlung, steigende Zulieferkosten – zeigt, dass die Erzählung nicht mehr so widerspruchsfrei ist wie noch vor einem Jahr. Wer auf Nvidia setzt, sollte sich bewusst sein, dass der Markt inzwischen genauer hinschaut als das operative Zahlenwerk allein nahelegt.

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