Nvidia Aktie: DOJ prüft kartellrechtliche Verstöße

Nvidia meldet starkes Wachstum und plant den Hugging-Face-Kauf, während US-Ermittlungen, Finanzierungsrisiken und Konkurrenz aus China zunehmen.

Die Kernpunkte:
  • Hugging-Face-Kauf für 12,9 Milliarden Dollar
  • 3,5 Milliarden Dollar für MediaTek investiert
  • US-Justizministerium prüft mögliche Umgehung
  • Chinesische Anbieter gewinnen bei Software

Nvidia hat diese Woche gezeigt, wie ein Konzern gleichzeitig expandieren, sich absichern und in juristische Schwierigkeiten geraten kann. Für mich ist die Häufung der Ereignisse kein Zufall, sondern das Muster eines Unternehmens, das seine Marktmacht bis an die Grenzen auslotet – und dabei zunehmend Aufmerksamkeit von Regulierern und Wettbewerbern auf sich zieht.

Der Milliarden-Deal mit Hugging Face

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Nvidia die KI-Plattform Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar übernimmt. Laut Reuters entfallen davon etwa 11,9 Milliarden Dollar auf die Auszahlung bestehender Investoren, bis zu einer Milliarde Dollar sind als aktienbasierte Bindungsprämie für verbleibende Mitarbeiter vorgesehen.

Jensen Huang betonte, Hugging Face solle eine offene Plattform bleiben und Nutzer nicht zum Einsatz von Nvidia-Chips verpflichtet werden. Diese Zusicherung wirkt für mich wie eine vorsorgliche Antwort auf genau jene Wettbewerbsbedenken, die Nvidia derzeit ohnehin beschäftigen.

Parallel dazu treibt der Konzern seine Hardware-Präsenz im Consumer-Segment voran: Lenovo und Acer wollen im Oktober die ersten Windows-PCs mit dem RTX-Spark-Chip auf den Markt bringen, wie Nvidia laut Reuters mitteilte. Das ist strategisch klug – Nvidia verankert seine Architektur nicht nur in Rechenzentren, sondern auch im Massenmarkt der Endgeräte.

MediaTek-Beteiligung als finanzielles Netzwerk

Ende August investierte Nvidia zudem 3,5 Milliarden Dollar in MediaTek, im Rahmen von dessen rekordhoher Wandelanleihe über 3,9 Milliarden Dollar. Für mich fügt sich das in ein Muster: Nvidia verknüpft sich finanziell immer enger mit Partnern der gesamten KI-Wertschöpfungskette – von Chipherstellern bis zu Cloud-Anbietern. Das schafft Abhängigkeiten in beide Richtungen und macht Nvidia zu einem systemischen Knotenpunkt der Branche. Genau das dürfte Wettbewerbsbehörden zunehmend beunruhigen.

Starke Zahlen, aber Bremsspuren im Finanzierungsmodell

Fundamental steht Nvidia glänzend da. Für das zweite Quartal meldete der Konzern Ende August Ergebnisse, die die Erwartungen der Wall Street übertrafen, und stellte für das laufende Quartal weiteres Umsatzwachstum über den Konsensschätzungen in Aussicht.

Reuters berichtete zudem, Nvidia rechne mit einem Umsatzwachstum von rund 70 Prozent im Geschäftsjahr bis Januar 2028, während sich der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft binnen eines Jahres mehr als verdoppelt habe. Diese Zahlen sprechen für sich – und dennoch pausierte Nvidia zeitgleich einige Umsatzbeteiligungsvereinbarungen mit KI-Cloud-Unternehmen, die Teil seines Finanzierungsmodells waren.

Ein Unternehmenssprecher betonte zwar, das grundlegende Modell des Rechenzugangs bleibe bestehen und entwickle sich weiter – für mich ist das aber ein Hinweis darauf, dass selbst Nvidia die Risiken seiner eigenen Finanzierungskonstruktionen neu bewertet.

Regulatorischer Druck nimmt zu

Brisanter ist die Meldung, dass das US-Justizministerium laut einem von Reuters zitierten Bericht der New York Times prüft, ob Nvidia versucht hat, mit seiner Lizenzvereinbarung mit dem KI-Chip-Startup Groq im vergangenen Jahr eine kartellrechtliche Prüfung zu umgehen.

Zusammen mit der Konzession bei Hugging Face, die Offenheit der Plattform zu wahren, liest sich das für mich wie ein Unternehmen, das seine Wettbewerbspraktiken zunehmend rechtfertigen muss. Hinzu kommt Gegenwind aus China: Laut Reuters gewinnen dortige KI-Chip-Anbieter durch Fortschritte bei der Software an Boden und erleichtern Kunden den Wechsel weg von Nvidia-Produkten.

Mein Fazit

Operativ bleibt Nvidia der unangefochtene Taktgeber der KI-Branche – die Wachstumszahlen und die Übernahmestrategie beweisen das eindrucksvoll. Doch die Häufung regulatorischer Untersuchungen, die vorsorgliche Öffnungsklausel bei Hugging Face und der aufkommende chinesische Wettbewerb zeigen mir, dass Nvidias Dominanz nicht mehr unangefochten ist.

Der Aktienkurs notiert aktuell bei 190,86 Euro und damit rund 5,7 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro – ein Abstand, der die Unsicherheit der vergangenen Woche widerspiegelt. Für mich überwiegt operativ weiterhin die Stärke, doch die regulatorischen Fragezeichen dürften den Bewertungsspielraum der Aktie auf Sicht der kommenden Monate begrenzen.

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