Nvidia Aktie: H100-Mieten steigen um 22 Prozent
Höhere Mietpreise für ältere H100-Chips sprechen für knappe KI-Rechenleistung, während Schulden, Insiderverkäufe und Burry warnen.

- H100-Mieten binnen Monatsfrist um 22 Prozent gestiegen
- Mehr als 500 Milliarden Dollar Infrastrukturfinanzierung geplant
- CoreWeave mit 35 Milliarden Dollar Schulden
- Nvidia-Aktie nur 1,9 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
Nvidia-Chef Jensen Huang hat einen Trend beschrieben, der die Investmentthese für den Chipkonzern untermauert: Die Mietpreise für die drei Jahre alte H100-Grafikkarte sind innerhalb eines Monats um 22 Prozent auf 3,28 Dollar pro Stunde gestiegen. Huang bezeichnete Nvidias Rechenleistung als „fungibel, langlebig und hochgradig vermietbar“ – ein Signal, dass selbst ältere Hardware in der aktuellen KI-Nachfragewelle knapp bleibt.
Steigende Mietpreise als Beleg für anhaltenden Bedarf
Für Anleger ist die Beobachtung deshalb relevant, weil sie die Sorge vor einer Überkapazität im KI-Rechenzentrumsmarkt entkräftet. Wenn Cloud-Anbieter bereit sind, für drei Jahre alte Chips mehr zu zahlen als noch vor wenigen Wochen, spricht das für eine strukturelle Verknappung statt für ein kurzfristiges Nachfragehoch.
Nvidia arbeitet nach eigenen Angaben mit Finanzinvestoren wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR zusammen, um mehr als 500 Milliarden Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur zu mobilisieren.
Gleichzeitig zeigt der Fall CoreWeave, dass diese Dynamik nicht ohne Risiko ist: Der Chip-Vermieter, der Nvidia-Hardware an Kunden weiterreicht, saß Ende Juni auf Schulden von 35 Milliarden Dollar.
Der Investor Michael Burry hat seine Short-Position gegen Nvidia Ende August ausgebaut und warnt vor einer „KI-Kreislaufwirtschaft“, in der Chiphersteller, Cloud-Anbieter und KI-Entwickler sich gegenseitig über Investitionen und Abnahmeverträge stützen.
Wachstumsprognose und Rückenwind aus dem Kundengeschäft
Nvidia hatte im August für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung von rund 70 Prozent in Aussicht gestellt. Finanzchefin Colette Kress begründete die Prognose mit den Investitionsplänen der größten Cloud-Anbieter, die laut Unternehmensangaben 2026 rund 800 Milliarden Dollar und 2027 rund 1,3 Billionen Dollar in Kapazitätsausbau stecken wollen. Der Umsatz mit Cloud-, Industrie- und Unternehmenskunden im KI-Geschäft war zuletzt um 138 Prozent auf 40,3 Milliarden Dollar gestiegen.
Auch das Trainingsgeschäft liefert Argumente für die These der knappen Rechenleistung: OpenAI hat sein neues Modell GPT-6 Astra auf mehr als 100.000 Nvidia-Grace-Blackwell-Grafikprozessoren trainiert. Huang erklärte nach der Veröffentlichung, damit sei aus seiner Sicht der Schritt zur allgemeinen künstlichen Intelligenz vollzogen.
Kurs nahe Rekordhoch, aber mit Warnsignalen
An der Börse spiegelt sich die Zuversicht in robusten Kennzahlen: Die Aktie notiert bei 198,60 Euro und damit nur 1,9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst kürzlich markiert wurde.
Auf Jahressicht steht ein Plus von 39 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 24 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 17 Prozent zeigt, wie deutlich sich der Titel von seiner langfristigen Linie gelöst hat.
Nicht alle Marktbeobachter teilen den Optimismus uneingeschränkt. Insider haben in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 603 Millionen Dollar verkauft, während parallel die Übernahme von Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar noch der kartellrechtlichen Prüfung in den USA und der EU unterliegt.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die steigenden Mietpreise für Nvidia-Hardware tatsächlich anhaltenden Bedarf signalisieren – oder ob sie, wie Kritiker wie Burry argumentieren, Ausdruck einer fremdfinanzierten Nachfragespirale sind, die irgendwann an ihre Grenzen stößt.
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