Nvidia Aktie: Huang kontert Kritik

Jensen Huang nennt das Nachahmen von KI-Modellen Wettbewerb; zugleich steigen Nvidias Speicherchip-Verpflichtungen und Rückkaufmittel.

Die Kernpunkte:
  • Huang widerspricht der Diebstahl-Einordnung
  • Speicherchip-Verpflichtungen auf 279 Milliarden Dollar erhöht
  • Bruttomarge soll vorübergehend auf 71 bis 72 Prozent sinken
  • Rückkaufprogramm um Milliardenbetrag aufgestockt

Während Nvidia gerade sein Aktienrückkaufprogramm auf 235 Milliarden Dollar aufgestockt hat, liefert sich Firmenchef Jensen Huang gleichzeitig einen bemerkenswerten Schlagabtausch mit der eigenen Regierung. Es geht um die Frage, ob chinesische KI-Firmen bei Nvidia und anderen US-Anbietern abkupfern — oder einfach nur lernen.

Huang widerspricht dem Weißen Haus

US-Finanzminister Scott Bessent hatte KI-„Distillation“ – das Training eigener Modelle auf Basis fremder Modell-Ausgaben – im Juli als „Diebstahl“ bezeichnet und Sanktionen gegen Unternehmen angedroht, die diese Methode nutzen. Huang sieht das anders. Im Interview mit CNBC nannte er das Vorgehen schlicht „Wettbewerb“: Jeder dürfe fremde Produkte testen, sagte er, auch wenn Firmen Nvidias Technik dabei „bis auf die Knochen“ zerlegten.

Der Nvidia-Chef fügte hinzu, er würde es zwar bevorzugen, wenn niemand von den eigenen Produkten lerne – aber genau dieser Wettbewerb mache am Ende alles besser. Wer das nicht wolle, solle seine Kunden genau kennen und den Service im Zweifel abschalten, so Huang.

Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA hatte erst kürzlich chinesischen KI-Firmen „industrielle“ Distillation-Kampagnen vorgeworfen, auch Anthropic bezichtigte Alibaba und DeepSeek entsprechender Praktiken. Peking weist die Vorwürfe zurück.

Speicherchips als nächster Engpass

Parallel zur Debatte um geistiges Eigentum sichert sich Nvidia operativ ab. Ende August hat der Konzern seine Lieferverpflichtungen für Speicherchips innerhalb eines Quartals von 119 auf 279 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt, rund 267 Milliarden Dollar davon werden bis zum Geschäftsjahr 2029 fällig. Der Großteil fließt in Bauteile für die aktuelle Blackwell-Ultra- sowie die kommende Vera-Rubin-Plattform.

Finanzchefin Colette Kress warnte, die steigenden Speicherkosten würden die Bruttomarge vorübergehend auf 71 bis 72 Prozent drücken, bevor geplante Preiserhöhungen sie im Geschäftsjahr 2028 wieder auf 72 bis 73 Prozent anheben sollen. Huang selbst zeigte sich bei einem KI-Gipfel in Schottland zuversichtlich und rechnet damit, im kommenden Jahr doppelt so viele Chips zu verkaufen wie in diesem.

Die milliardenschwere Rückkauf-Aufstockung, die das Management am Montag verkündete, soll unterdessen Sorgen vor einer KI-Blase entgegenwirken. Nvidia begründete den Schritt mit dem Vertrauen in einen „historischen Technologiewechsel“ hin zu KI und beschleunigtem Rechnen – untermauert von der eigenen Prognose eines Umsatzplus von 70 Prozent für das laufende Geschäftsjahr.

Zwischen Kapitalmarkt-Signalen und politischem Streit um geistiges Eigentum zeigt sich damit ein Konzern, der an mehreren Fronten gleichzeitig verteidigt, was er sich in den vergangenen Jahren aufgebaut hat: seine Marktposition, seine Marge – und offenbar auch die eigene Definition von fairem Wettbewerb.

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