Nvidia Aktie: Huang weist KI-Untergangswarnungen zurück

Jensen Huang lehnt KI-Sicherheitspausen ab, während Infrastrukturprobleme, hohe Investitionen und die Nvidia-Bewertung neue Risiken sichtbar machen.

Die Kernpunkte:
  • Huang beziffert KI-Weltrisiko mit null Prozent
  • Nvidias Umsatz stieg auf 215 Milliarden Dollar
  • Stromengpässe bremsen neue Rechenzentrumskapazitäten
  • Aktie bleibt nahe dem 52-Wochen-Hoch

Nvidia-Chef Jensen Huang hat am Sonntag in einem Interview mit CBS News unmissverständlich klargestellt, was er von den apokalyptischen Warnungen der KI-Branche hält: Die Wahrscheinlichkeit, dass künstliche Intelligenz bis 2030 die Welt zerstöre, liege bei exakt null Prozent. Warnungen vor einer Auslöschung der Menschheit nannte er unverantwortlich.

Forderungen von Anthropic-Chef Dario Amodei oder OpenAI-Chef Sam Altman nach einer Drosselung des Entwicklungstempos seien wissenschaftlich nicht haltbar. Huang wittert hinter den Mahnungen handfeste Eigeninteressen und das Streben nach Haftungsbefreiung. Seine Devise lautet: So schnell voranschreiten wie möglich.

Aus meiner Sicht überrascht diese Haltung keineswegs. Sie zeigt vielmehr die wachsende Nervosität an der Spitze des wertvollsten Chipkonzerns der Welt.

Der Drang zum Vollgas schützt das eigene Geschäftsmodell

Für mich ist Huangs verbale Breitseite in erster Linie ein Reflex zur Verteidigung des eigenen Wachstumsmodells. Nvidia erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 215 Milliarden Dollar – nach gerade einmal 17 Milliarden Dollar im Jahr 2021. Eine Verlangsamung der Trainingszyklen oder politisch verordnete Prüfpausen an der technologischen Frontlinie wären für den Konzern pures Gift. Wenn die großen Tech-Konzerne den Ausbau ihrer Rechenzentren drosseln, verliert die Nachfrage nach den teuren Beschleunigern schlagartig an Dynamik.

Huang weiß genau, dass seine astronomische Unternehmensbewertung ein ungebremstes Wettrüsten verlangt. Dass er dabei politische Rückendeckung von Donald Trump genießt, der Bedenken gegen Rechenzentren kürzlich als Betrug abtat, stärkt dem Management kurzfristig den Rücken.

Auch die Teilnahme Huangs am bevorstehenden Staatsbankett für Chinas Staatschef Xi Jinping im Weißen Haus unterstreicht seine diplomatische Schlüsselrolle. Doch politischer Flankenschutz ändert wenig an den ökonomischen Realitäten, die sich unter der Oberfläche zusammenbrauen.

Warnsignale aus der Infrastruktur mehren sich

Unterm Strich häufen sich die Anzeichen, dass der Markt die Risiken der ungebremsten Expansion verharmlost. Kritiker wie Investor Michael Burry warnen bereits vor enormen bilanziellen Verpflichtungen der Hyperscaler für unfertige Bauten und langfristige Rechenzentrumsmieten. Zudem begrenzen Stromnetze und Energieengpässe zunehmend das Tempo, mit dem neue Kapazitäten überhaupt ans Netz gehen können.

Wenn Giganten wie Microsoft oder Meta beginnen, ihre gigantischen Investitionsbudgets kritischer zu hinterfragen oder eigene Siliziumlösungen zu priorisieren, wird Nvidia diesen Druck unmittelbar spüren.

Dass Huang jede Debatte über Sicherheitsbremsen im Keim ersticken will, wirkt vor diesem Hintergrund fast wie das Pfeifen im Walde. Die Vorstellung, die Branche könne auf ewig im Jahrestakt gigantische Chip-Mengen aufsaugen, halte ich für eine gefährliche Illusion.

Hohe Bewertung verzeiht keine Verzögerungen

Die Nvidia-Aktie schloss am Freitag bei 193,10 Euro und liegt damit nur rund 4,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Mit einem Zuwachs von 20 Prozent seit Jahresanfang spiegelt der Kurs nach wie vor enormes Vertrauen in eine reibungslose Fortsetzung der Rally wider. Genau darin liegt das Problem: Auf diesem Bewertungsniveau verzeiht der Markt keine Delle im Auftragseingang.

Sollten sich Amodeis Vorstoß für unabhängige Prüfmechanismen oder behördliche Bedenken durchsetzen, droht genau die Atempause, die Huang so vehement abzuwehren versucht.

Für mich spricht derzeit vieles dafür, dass der Gegenwind für Nvidias Hardware-Monopol zunimmt – sei es durch regulatorische Vorsicht, infrastrukturelle Engpässe oder die schlichte Notwendigkeit der Kunden, ihre milliardenschweren Investitionen endlich zu monetarisieren.

Wer darauf setzt, dass der Chipgigant dauerhaft mit Maximalgeschwindigkeit an allen Sicherheits- und Rentabilitätsfragen vorbeiziehen kann, unterschätzt die Bruchstellen dieses historischen KI-Booms.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 21. September liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia