Nvidia Aktie: Hugging-Face-Übernahme steht im Raum

Nvidia steigert Umsatz und Rechenzentrumsgeschäft deutlich, doch sinkende Margen sowie wachsende Finanzierungsrisiken belasten die Börsenbewertung.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz im zweiten Quartal verdoppelt
  • HBM-Kosten drücken die Bruttomarge
  • KI-Plattform soll 500 Milliarden mobilisieren
  • Analyst hebt Nvidia-Kursziel deutlich an

Ein Chip-Konzern, der Milliarden verdient und trotzdem an der Börse abgestraft wird – das ist die Pointe dieses Sommers. Nvidia legte am Mittwoch Zahlen vor, die jede Erwartung sprengten, und der Kurs fiel trotzdem.

Am Freitag ging es um weitere 4,1 Prozent auf 187,78 Euro nach unten. Wer verstehen will, warum, muss über Halbleiter hinausdenken – zur Frage, wie tief sich Nvidia inzwischen ins Finanzsystem der künstlichen Intelligenz eingegraben hat.

Die reinen Geschäftszahlen sind beeindruckend genug: 96,2 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft, mittlerweile mehr als 92 Prozent des Konzernumsatzes, wuchs sogar um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar.

Für das dritte Quartal stellt Nvidia 108 Milliarden Dollar in Aussicht. CEO Jensen Huang sprach von einem erreichten „Wendepunkt“ der KI-Entwicklung – nicht die erste solche Ansage aus seinem Mund, aber diesmal mit Zahlen unterlegt, die selbst optimistische Analysten überraschten.

Warum die Marge zum Problem wird

Der Haken liegt in der Bruttomarge. Finanzchefin Colette Kress erklärte, die Kosten für HBM-Speicher würden die Marge in den kommenden zwei Quartalen drücken – von 75 Prozent im Berichtsquartal auf prognostizierte 74 Prozent im laufenden, mit einem möglichen Tiefpunkt von 71 bis 72 Prozent im vierten Quartal.

Gleichzeitig sprang das Volumen der Komponentenverpflichtungen von 119 auf 279 Milliarden Dollar. Der Markt liest das doppeldeutig: Einerseits ein Zeichen, dass Nvidia sich für Jahre mit Nachschub eindeckt. Andererseits ein Hinweis, dass selbst der dominante Chiphersteller nicht mehr jede Preissetzungsmacht behält, wenn Speicherhersteller wie Micron am selben Engpass verdienen.

Spannender als die Marge ist aber, was Nvidia sonst noch treibt. Das Unternehmen hat mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR eine Plattform aufgesetzt, um mehr als 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur zu mobilisieren.

Rund 50 Milliarden Dollar davon fließen in eigene KI-Labore, die laut Kress bereits ein Viertel des Umsatzes im kommenden Geschäftsjahr beisteuern sollen.

Nvidia finanziert seine eigenen Kunden zunehmend selbst mit: Forderungen aus Lieferungen stiegen von 38,5 auf 63,1 Milliarden Dollar, dazu kommen Cloud-Verpflichtungen von 36 Milliarden Dollar und Garantien von bis zu 105 Milliarden Dollar für den Aufbau von OpenAI-Rechenzentren in Ohio.

Morgan Stanley schätzt, dass Nvidias KI-Kreditexposure bis Ende 2028 auf nahe 200 Milliarden Dollar anwachsen könnte, davon der Großteil außerbilanziell.

Ist das ein Chiphersteller, der noch Halbleiter verkauft – oder längst ein Infrastrukturfinanzierer, der zufällig auch GPUs baut? Diese Frage treibt die Bewertungsdebatte gerade mehr um als das Quartalsergebnis selbst.

Zwischen Rekordbewertung und Rekordwachstum

An der Börse zeigt sich die Ambivalenz deutlich. Der Kurs notiert zwar 34 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 139,78 Euro, liegt aber auch 7,3 Prozent unter dem erst im Mai markierten Hoch von 202,50 Euro. Über die vergangenen zwölf Monate steht dennoch ein Plus von 22 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der grundlegende Aufwärtstrend trotz der jüngsten Korrektur intakt bleibt.

Auf der Analystenseite herrscht wenig Zurückhaltung: Raymond-James-Analyst Simon Leopold hob sein Kursziel von 352 auf 515 Dollar an und begründet dies mit einer erwarteten Umsatzmarke von einer Billion Dollar bis Januar 2029. Andere Häuser wie Evercore oder Bernstein liegen mit ihren Zielen deutlich vorsichtiger, was die Bandbreite der Einschätzungen am Markt widerspiegelt.

Dazu passt, dass Nvidia offenbar auch als Käufer aktiv wird: Berichten zufolge steht eine Übernahme von Hugging Face für 13 Milliarden Dollar im Raum, mit der Nvidia sein Gewicht im Open-Source-Ökosystem gegen Konkurrenten wie OpenAI und Google ausbauen würde.

Wer die kommenden Monate verfolgt, sollte weniger auf einzelne Quartalszahlen schauen als auf die Frage, ob dieses Finanzierungsgeflecht trägt – oder ob es zur Achillesferse eines Booms wird, der bislang scheinbar grenzenlos wirkte.

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