Nvidia Aktie: KeyBanc hebt Ziel auf 330 Dollar

KeyBanc-Analyst erhöht Nvidia-Kursziel auf 330 Dollar. Trotz Branchenkorrektur sehen viele Experten weiteres Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel von KeyBanc auf 330 Dollar erhöht
  • AMD fordert mit Helios-System heraus
  • Analysten uneins nach Kursrücksetzer
  • Quartalszahlen für Ende August erwartet

Nach einem heftigen Ausverkauf in der Chipbranche hat sich die Stimmung rund um Nvidia zum Wochenauftakt spürbar aufgehellt. Der Analyst John Vinh von KeyBanc hob sein Kursziel für die Aktie nach eigenen Lieferketten-Checks in Asien von 310 auf 330 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung Overweight. Grundlage der Anhebung sind laut Vinh erwartete Auslieferungen von 5,5 bis 6 Millionen Blackwell-GPUs sowie 1,7 bis 1,8 Millionen Rubin-GPUs im Jahr 2026, dazu kommen 70.000 bis 80.000 Rack-Bestellungen. Eine kleine Verzögerung beim thermischen Design und der HBM4-Qualifizierung von Rubin stufte er als geringes Risiko ein.

Die Kursziel-Anhebung fiel in eine Phase deutlicher Nervosität am Halbleitermarkt. Der Philadelphia Semiconductor Index war zuvor innerhalb einer Woche um rund zehn Prozent eingebrochen und damit in einen Bärenmarkt gerutscht. Am deutschen Handelsplatz zeigt sich die Abkühlung ebenfalls: Der Schlusskurs von 178,10 Euro am Montag lag rund zwölf Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das die Aktie im Mai markiert hatte. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand knapp zwei Prozent nach unten.

Analysten uneins nach dem Ausverkauf

Die Einschätzungen zur weiteren Entwicklung gehen derzeit deutlich auseinander. Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore bezeichnete Nvidia neben Broadcom als besten Wert unter den Chip-Titeln nach dem Rücksetzer und sieht bei Speicherchip-Aktien einen „compelling entry point“. Mizuho-Analyst Vijay Rakesh sprach von „noch viel Gas im Tank“ mit Blick auf die KI-Investitionen der Branche, während JPMorgan davon ausgeht, dass sich das Angebot-Nachfrage-Verhältnis bei Halbleitern bis mindestens 2028 nicht wesentlich ändern dürfte und Titel der Branche daher bald wieder Käufer finden sollten.

Gegenläufig positionierte sich Investor David Desjardins, der Nvidia auf „Strong Sell“ setzte. Er verweist auf physische Engpässe bei Stromnetzen und Lieferketten, die das Ausgabenwachstum der Hyperscaler bremsen könnten. Nvidias Marktkapitalisierung entspricht demnach rund sieben Prozent des S&P 500. Goldman Sachs meldete zudem, dass Hedgefonds ihre US-Technologiebestände binnen zwei Monaten um etwa zehn Prozent reduziert haben – das schnellste Tempo seit über einem Jahrzehnt, mit Nettoverkäufen in sechs der vergangenen acht Wochen. Der Wall-Street-Konsens bleibt dennoch mit 36 Kaufempfehlungen gegenüber einer Halten-Einstufung klar bullisch, das durchschnittliche Kursziel liegt Berichten zufolge um die 310 US-Dollar.

AMD fordert mit Helios heraus

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte am Montag AMD mit der Vorstellung des Rackscale-Systems Helios, das in Konkurrenz zu Nvidias Grace Blackwell und Vera Rubin treten soll. AMD hatte zugleich eine erweiterte Partnerschaft mit Microsoft bekanntgegeben, wonach Helios mit Instinct-MI455X-Grafikprozessoren und Epyc-Venice-Prozessoren ab der zweiten Jahreshälfte 2026 für Azure-KI-Infrastruktur ausgeliefert werden soll. Nach Einschätzung des Marktforschers Futurum kontrolliert Nvidia derzeit mehr als 95 Prozent des Data-Center-GPU-Marktes, während AMD auf rund 4,5 Prozent kommt – mittelfristig könnte AMD demnach aber 20 bis 25 Prozent erreichen.

Nvidia selbst meldet die nächsten Quartalszahlen am 26. August. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 2,07 US-Dollar nach 1,04 US-Dollar im Vorjahr sowie einen Umsatz von 91,7 Milliarden US-Dollar gegenüber 46,74 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Im zurückliegenden Quartal hatte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, ein Plus von 20 Prozent zum Vorquartal.

Weitere strategische Bewegungen

Abseits der Kurszahlen baute Nvidia zuletzt sein Ökosystem weiter aus. Auf der SIGGRAPH-Konferenz in Los Angeles kündigte das Unternehmen unter anderem das neue physische KI-Modell Cosmos 3 Edge sowie Omniverse-Bibliotheken für KI-Agenten an, die Partner wie SideFX und PTC bereits integrieren. Parallel wurde eine Partnerschaft mit Palantir bekannt, die Regierungsbehörden beim Aufbau souveräner KI-Systeme unterstützen soll. Zudem legte Nvidia in einer Schedule-13G-Meldung offen, mit 9,3 Prozent an dem KI-Cloud-Anbieter Nebius beteiligt zu sein – eine Position, die aus einer Investition von zwei Milliarden US-Dollar im März stammt.

Nvidia-Chef Jensen Huang äußerte sich zudem optimistisch zur langfristigen Entwicklung der Branche und sprach davon, dass Halbleiter mit Abstand zur größten Industrie weltweit aufsteigen würden, getrieben durch Billionen autonomer KI-Agenten. Ob sich diese langfristige Zuversicht kurzfristig in der Kursentwicklung niederschlägt, dürfte sich auch an den Reaktionen auf die Quartalszahlen Ende August zeigen.

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