Nvidia Aktie: KGV 18 trotz 85-Prozent-Wachstum

Nvidias Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt auf den niedrigsten Stand seit 2019, während Umsatz und Marktmacht weiter steigen.

Die Kernpunkte:
  • KGV auf niedrigstem Stand seit 2019
  • Umsatzwachstum von 85 Prozent im Quartal
  • Gerüchte um Kyber-Roadmap dementiert
  • Analysten sehen verstärkte Kaufgelegenheit

Ein Chip-Konzern, der schneller wächst als je zuvor — und dabei billiger wird. Genau das passiert gerade bei Nvidia, und es ist die eigentliche Geschichte hinter dem Kursplus von 4,04 Prozent am Freitag auf 184,60 Euro.

Zum ersten Mal seit sieben Jahren notiert Nvidia mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 auf Basis der erwarteten Gewinne. Das ist der niedrigste Wert seit Anfang 2019. Nvidia ist damit rechnerisch günstiger als vor dem ChatGPT-Boom — und das, obwohl der Konzern weiterhin 81 bis 85 Prozent des KI-Chip-Marktes kontrolliert. Im jüngsten Quartal legte der Umsatz um 85 Prozent zum Vorjahr zu.

Wie passt das zusammen? Ein Konzern mit derartigem Wachstum und derartiger Marktmacht müsste eigentlich teurer werden, nicht billiger. Die Antwort liegt nicht bei Nvidia selbst, sondern in einem Strukturwandel der gesamten Lieferkette.

Der Speicher-Anker der Branche

Am 10. Juli feierte SK Hynix sein Debüt an der Nasdaq — der größte US-Börsengang eines nicht-amerikanischen Unternehmens überhaupt, mit einem Emissionsvolumen von 26,5 Milliarden Dollar. Der südkoreanische Speicherhersteller kontrolliert 58 Prozent des Marktes für High-Bandwidth-Memory, jenen Hochleistungsspeicher, den jeder moderne KI-Chip braucht.

SK-Group-Chairman Chey Tae-won brachte es auf den Punkt: Der klassische Boom-Bust-Zyklus der Halbleiterbranche existiert so nicht mehr. Die Nachfrage nach KI-Speicher wächst schneller, als neue Kapazitäten entstehen können. Was früher Nvidias größtes Risiko war — Lieferengpässe — wird zur Basis für langfristig planbare Umsätze.

Genau diese Logik dürfte Bank of America bewogen haben, den jüngsten Kursrückgang als „verstärkte Kaufgelegenheit“ einzustufen. Trotz der jüngsten Erholung liegt die Aktie noch 8,84 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro vom Mai.

Roadmap-Streit um „Kyber“

Ganz ohne Reibung verlief die Woche allerdings nicht. Der Branchendienst SemiAnalysis brachte Gerüchte in Umlauf, wonach Nvidias nächste Rack-Generation „Kyber“ — Grundlage für die kommenden Rubin-Ultra-Chips — sich wegen technischer Probleme bei 78-lagigen Leiterplatten bis 2028 verzögern könnte.

Nvidia reagierte schnell. Am 11. Juli dementierte der Konzern die Gerüchte und erklärte, die Roadmap sei „intakt“. Für Investoren steht dabei viel auf dem Spiel: Die Vera-Rubin-Plattform soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Produktion gehen und verspricht einen zehnfachen Durchsatz bei agentenbasierten KI-Anwendungen gegenüber der aktuellen Blackwell-Generation. Jede Verzögerung würde Konkurrenten wie AMD Tür und Tor öffnen — dessen MI500-Serie positioniert sich bereits als ernstzunehmende Alternative.

Charttechnik zeigt Stärke

Die Kursreaktion der vergangenen Woche spricht für sich: Nvidia legte binnen sieben Handelstagen um 7,34 Prozent zu und liegt damit wieder 1,87 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,22 Euro. Der RSI von 58,6 zeigt Momentum, ohne bereits überkauft zu sein. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 31,58 Prochenten zu Buche.

Zwischen dem aktuellen Kurs von 184,60 Euro und dem durchschnittlichen Analysten-Kursziel von 264,03 Euro klafft eine Lücke von 43 Prozent. Morgan Stanley warnt zwar, der gesamte Halbleitersektor sei kurzfristig „deutlich überkauft“. Trotzdem bleibt eine Diskrepanz bestehen: Nvidias Gewinnmultiple schrumpft, während die Marktkapitalisierung auf inzwischen 4.327,82 Milliarden Euro geklettert ist. Der Markt tut sich sichtlich schwer damit, ein Unternehmen zu bewerten, dessen Wachstum der eigenen Bewertung ständig davonläuft.

Die Branche bewegt sich weg vom experimentellen KI-Einsatz hin zu großindustriellen „AI-Factories“. Die eigentliche Frage für die zweite Jahreshälfte 2026 lautet deshalb nicht mehr, ob die Nachfrage da ist. Sie lautet, ob genug physische Infrastruktur gebaut werden kann, um sie zu bedienen. Solange diese Engpässe bestehen, bleibt Nvidia der Hauptprofiteur dieser Knappheit.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 11. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia