Nvidia Aktie: KGV 22 günstiger als Coca-Cola
Nvidias KGV liegt unter dem von Coca-Cola, während der Chipkonzern sein Geschäftsmodell umstellt und KI-Infrastruktur finanziert.

- Nvidia günstiger als Coca-Cola bewertet
- Neues Finanzierungsmodell für KI-Chips
- Managementwechsel im Vertrieb angekündigt
- Umsatzwachstum von 85 Prozent erreicht
Nvidia kostet aktuell weniger als Coca-Cola. Zumindest gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis. Der Chip-Konzern notiert beim erwarteten KGV bei rund 22, der Getränkeriese bei etwa 26. Für ein Unternehmen, das gerade den KI-Boom anführt, ist das eine bemerkenswerte Verschiebung.
Am Freitag schloss die Aktie bei 171,98 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 1,88 Prozent zu Buche. Der Blick auf die letzten 30 Tage zeigt allerdings ein anderes Bild: Dort verlor das Papier 7,16 Prozent. Zum Rekordhoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai fehlen inzwischen 15,07 Prozent.
Seit Jahresbeginn liegt Nvidia mit 6,75 Prozent im Plus – deutlich schwächer als der breite S&P 500. Steigende Anleiherenditen bremsen die Bewertung. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf 4,6 Prozent, während Inflationsprognosen zwischen 4 und 6 Prozent kursieren. Das drückt auf die Multiples der gesamten Halbleiterbranche.
Neues Geschäftsmodell: Nvidia wird zum Finanzier
Während die Bewertung schrumpft, baut Nvidia sein Geschäftsmodell um. Der Konzern verkauft nicht mehr nur GPUs. Er finanziert sie auch.
Unter der Leitung von Finanzchefin Colette Kress hat Nvidia ein neues Modell namens „AI Compute Partnership“ aufgesetzt. Die Idee dahinter: Nvidia hilft sogenannten Neocloud-Anbietern beim Kauf teurer High-End-Chips. Im Gegenzug erhält der Konzern einen Anteil an den späteren Einnahmen aus der Cloud-Vermietung.
Zwei Partner sind bereits an Bord. Der australische Anbieter Sharon AI hat einen Sechsjahresvertrag über bis zu 40.000 Grace-Blackwell-GB300-Chips unterschrieben. Der indonesische Anbieter Firmus baut derweil einen 360-Megawatt-Campus in Batam, der Platz für bis zu 170.000 Nvidia-Chips bieten soll. Für Nvidia bedeutet das: wiederkehrende Einnahmen statt Einmalgeschäft – und eine niedrigere Einstiegshürde für kleinere KI-Infrastrukturanbieter.
Personalwechsel und neue Robotik-Plattform
Parallel zur neuen Finanzierungsstrategie verstärkt Nvidia sein Management. Nicholas Parker übernimmt als Executive Vice President die weltweiten Vertriebsaktivitäten. Der bisherige Amtsinhaber Ajay K. Puri geht am 24. August 2026 in den Ruhestand.
Im Bereich „Physical AI“ baut Nvidia seine Präsenz ebenfalls aus. Eine strategische Investition bei Verkada zielt auf KI-gestützte Videoanalyse für Gebäude – die Suchgenauigkeit habe sich durch Nvidias Rechenleistung bereits verbessert. Dazu kommt „Nvidia Halos“, ein neues Sicherheitssystem für Robotik. Agility Robotics setzt es als einer der ersten Partner für humanoide Roboter ein, unter anderem in Anlagen von Amazon und GXO.
Zahlen bleiben stark, Chart zeigt Unsicherheit
Operativ läuft es bei Nvidia weiterhin blendend. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte der Konzern einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar – ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Rechenzentrumsgeschäft trug 75,2 Milliarden Dollar bei, ein Anstieg um 92 Prozent. Für das zweite Quartal peilt das Management rund 91 Milliarden Dollar an.
Charttechnisch bleibt das Bild uneinheitlich. Der aktuelle Kurs liegt 5,17 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,36 Euro, aber 4,73 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 164,21 Euro. Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 43,8 – neutrales Terrain, weder überkauft noch überverkauft.
In der kommenden Woche richtet sich der Blick der Branche auch auf die Konkurrenz. AMD veranstaltet am 22. und 23. Juli in San Francisco sein „Advancing AI“-Event. Die dort präsentierten Neuigkeiten dürften die Stimmung im gesamten Sektor mitbestimmen – auch für Nvidia.
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