Nvidia Aktie: Kreditbürge für 250 Milliarden?

Nvidia verhandelt über milliardenschwere Kreditgarantien für KI-Infrastruktur. Die Aktie fällt angesichts der neuen Bilanzrisiken um über fünf Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust von über fünf Prozent
  • Verhandlungen über 250-Milliarden-Bürgschaft
  • Risiko durch OpenAIs Verlustprognosen
  • Michael Burry baut Short-Position aus

Nvidia verkauft nicht mehr nur Chips. Der Konzern soll gerade darüber verhandeln, für seine eigenen Kunden geradezustehen — mit einer Kreditbürgschaft in Höhe von 250 Milliarden Dollar. Genau diese Verschiebung sorgt heute für Nervosität im Markt: Die Aktie fällt um 5,10 Prozent auf 172,72 Euro.

Die Ausgangslage: Nvidia als Bankersatz

Einem Bericht zufolge verhandelt Nvidia in einer frühen Phase über eine gewaltige Finanzierungsgarantie. Ziel ist ein Rechenzentrums-Projekt mit 10 Gigawatt Kapazität in Ohio. SoftBank soll es bauen, OpenAI soll es mieten.

Zusätzlich zur Bürgschaft steht eine weitere Chip-Finanzierung über 350 Milliarden Dollar im Raum. In Summe könnte Nvidia damit für bis zu 600 Milliarden Dollar an Kreditrisiko haften. Der Hintergrund: Klassische Kreditmärkte zögern offenbar, OpenAIs 500-Milliarden-Dollar-Infrastrukturpläne zu finanzieren. OpenAI fehlt ein Investment-Grade-Rating, für 2026 rechnet das Unternehmen zudem mit einem Verlust von 14 Milliarden Dollar.

Die entscheidende Frage

Wird aus dieser Strategie ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil — oder ein systemisches Klumpenrisiko? Nvidia würde damit im Kern die Schulden garantieren, mit denen Kunden Nvidias eigene Hardware kaufen. Ob sich das auszahlt, hängt davon ab, ob die KI-Software-Profitabilität tatsächlich in der erwarteten Größenordnung eintritt.

Das bullische Szenario

Befürworter sehen in Nvidias Bilanzeinsatz einen logischen nächsten Schritt. Der Konzern sichert damit ab, dass milliardenschwere Infrastrukturprojekte trotz enger Kapitalmärkte weitergebaut werden. Ein Beispiel für diese Strategie liefert die aktuelle Investition von einer Milliarde Dollar für einen 4,5-Prozent-Anteil am südkoreanischen Konzern Naver, mit dem Nvidia dessen „AI-Factory“-Ausbau unterstützt.

Der globale KI-Ausbau soll in den nächsten fünf Jahren schätzungsweise 7,5 Billionen Dollar verschlingen. Wer diese Zahl im Kopf hat, versteht die Logik: Nvidia sichert sich als Kapitalpartner langfristige Umsätze. Bank of America bestätigt ihr Kaufrating mit einem Kursziel von 266,21 Euro — das entspräche einem Kurspotenzial von gut 54 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Das bärische Szenario

Kritiker warnen vor genau der Kehrseite dieser Rechnung. Der bekannte Investor Michael Burry soll seine Short-Position gegen Nvidia zuletzt ausgebaut haben. Sein Einwand: Nvidia baut mit der Bürgschaft für einen unprofitablen Partner einen gefährlichen Rückkopplungseffekt auf.

OpenAI soll bis 2029 kumulierte Verluste von 115 Milliarden Dollar anhäufen. Gleichzeitig schrumpft ChatGPTs Anteil am weltweiten Web-Traffic spürbar — von 86,7 Prozent im Januar 2025 auf 64,5 Prozent im Januar 2026. Das nährt einen unbequemen Verdacht: Die tatsächliche Endkundennachfrage wächst offenbar langsamer, als die finanzierte Infrastruktur es vorgibt.

Der Kursrückgang von heute fügt sich in dieses Bild. Nvidia notiert nun 14,71 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Der Markt beginnt sichtbar, dieses Bilanzrisiko einzupreisen.

Der Ausblick

Technisch bleibt der langfristige Trend intakt, solange die Aktie über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 166,18 Euro bleibt — aktuell liegt sie noch gut 4 Prozent darüber. Kurzfristig zeigt sich jedoch Schwäche: Der Kurs liegt klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 180,46 Euro. Der RSI von 43,2 deutet auf eine Konsolidierungsphase hin, in der Anleger die Vorteile garantierter Chip-Verkäufe gegen die Risiken der neuen Eventualverbindlichkeiten abwägen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist absehbar: Bestätigen sich die 250-Milliarden-Dollar-Garantiegespräche mit OpenAI, oder platzen sie? Genau diese Entscheidung wird zeigen, ob Nvidia offiziell in die Welt der großvolumigen Kreditvergabe einsteigt. Als weiterer, aber deutlich späterer Meilenstein gilt der Baufortschritt der ersten 800-Megawatt-Phase des Ohio-Projekts, die für 2028 geplant ist — sie dürfte zeigen, ob sich diese kapitalintensive Strategie tatsächlich trägt.

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