Nvidia Aktie: Kreditgarantien-Risiko?
Melius Research reduziert Nvidias Kursziel auf 315 Dollar, hält jedoch an der Kaufempfehlung fest.

- Kursziel fällt von 420 auf 315 Dollar
- Kaufempfehlung von Melius bleibt bestehen
- Kreditgarantien für Nscale noch unverbindlich
- Quartalskonferenz für 17. November angesetzt
Der Ausbau der KI-Infrastruktur rückt für Nvidia stärker als Finanzierungsfrage in den Blick. Melius Research warnte gestern vor möglichem Druck auf die Bewertungsmultiplikatoren, weil die Finanzierung solcher Projekte zunehmend zusätzliche Absicherungen benötigt.
Das Analysehaus senkte sein Kursziel deutlich, behielt die Kaufempfehlung aber bei. Damit unterscheidet es zwischen den Geschäftsperspektiven und der Bewertung, die Anleger dafür akzeptieren könnten.
Finanzierung wird zum Bewertungsfaktor
Melius Research reduzierte das Kursziel von 420 $ auf 315 $. Als Begründung nannte das Haus den zunehmenden Bedarf an finanziellen Absicherungen beim Ausbau der KI-Infrastruktur bis 2028.
Die Einschätzung richtet den Blick damit nicht allein auf die Nachfrage nach Nvidia-Systemen. Entscheidend wird auch, unter welchen Bedingungen die dafür vorgesehenen Infrastrukturprojekte finanziert werden können. Die beibehaltene Kaufempfehlung steht dabei neben einer deutlich vorsichtigeren Einschätzung des Bewertungsspielraums.
Ein konkretes Beispiel lieferte Reuters am Donnerstag: Nvidia führte Gespräche über Kreditgarantien in Milliardenhöhe für Nscale. Diese sollten die Fremdfinanzierung eines Rechenzentrums in West Virginia unterstützen, das für Anthropic vorgesehen ist. Eine Vereinbarung war nicht unterzeichnet; die Bedingungen konnten sich noch ändern.
Solche Garantien sind von direkten Beteiligungen zu unterscheiden. Beide Instrumente zeigen jedoch, weshalb bei der Beurteilung der angekündigten Expansion auch Nvidias finanzielle Rolle Aufmerksamkeit verdient.
Ausbaupläne und zusätzliche Prüfung
Am 27. Oktober kündigte Nvidia an, 3 Milliarden $ in Metas Aktienplatzierung zu investieren. Zugleich erweiterten beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit bei Metas Muse-KI-Modellen. Meta plant außerdem einen stärkeren Einsatz von Nvidia-Infrastruktur.
Parallel dazu kündigten Nvidia und Oracle den Ausbau der Oracle Cloud Infrastructure Superclusters mit Nvidia Vera Rubin NVL72-Systemen auf mehrere Gigawatt an. Die Vorhaben unterstreichen die geplante Expansion, ersetzen aber keine Prüfung ihrer jeweiligen Finanzierungsbedingungen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dem Wettbewerb. Reuters berichtete am 28. Oktober über Fragen des US-Justizministeriums zur geplanten Übernahme von Hugging Face für 12,93 Milliarden $. Dabei ging es um mögliche Wettbewerbsnachteile durch Nvidias Kontrolle über einen wichtigen KI-Vertriebspunkt. Die Nachfragen gehören zu einer breiteren Prüfung des Unternehmensverhaltens.
Geschäftszahlen als nächster Prüfstein
Nvidia hat die Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals im Geschäftsjahr 2027 für den 17. November angesetzt. Das Quartal endete am 25. Oktober.
Für Anleger stehen damit unterschiedliche Ebenen nebeneinander: angekündigter Infrastrukturausbau, mögliche Finanzierungszusagen und regulatorische Fragen. Die jüngste Analystenaktion macht deutlich, dass Expansionspläne allein keinen unveränderten Bewertungsmaßstab garantieren. Entscheidend ist auch, welche finanziellen Verpflichtungen Nvidia dabei übernimmt.
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