Nvidia Aktie: Kursziel-Kürzung trotz Kaufen?
Melius Research hält an der Kaufempfehlung fest, senkt das Nvidia-Kursziel und sieht mögliche Emissionen als Bewertungsrisiko.

- Oracle-Ausbau auf Multi-Gigawatt-Größe angekündigt
- Nvidia plant drei Milliarden Dollar für Meta-Aktienangebot
- Melius senkt Kursziel auf 315 Dollar
- Quartalskonferenz für 17. November angekündigt
Nvidias Ausbaupläne stehen einer wachsenden Finanzierungsfrage gegenüber: Zusätzliche KI-Kapazitäten versprechen Geschäft, benötigen aber Kapital. Die jüngsten Partnerschaften unterstreichen die Expansionsabsichten. Zugleich belasten nach Einschätzung von Melius Research die möglichen Wertpapieremissionen großer Technologiekonzerne die Bewertung. Für Anleger zählt deshalb nicht allein der angekündigte Ausbau, sondern auch dessen Finanzierung.
Wachstum bindet Kapital
Vor gut einer Woche kündigten Nvidia und Oracle an, ihre OCI Superclusters mit NVIDIA Vera Rubin NVL72 auf Multi-Gigawatt-Größe auszubauen. Die Systeme und Vera CPUs wurden auf OCI allgemein verfügbar. Damit verbindet die Partnerschaft bereits verfügbare Technik mit weitergehenden Ausbauplänen. Die angekündigte Größenordnung ist jedoch nicht mit bereits realisiertem Geschäft gleichzusetzen.
Auch die vertiefte Zusammenarbeit mit Meta verbindet Technologieeinsatz und Kapital. Vor gut einer Woche kündigte Nvidia an, 3 Milliarden $ in Metas Aktienangebot zu investieren. Meta plant einen breiteren Einsatz von NVIDIA Vera Rubin und Vera CPUs sowie zusätzlicher Netzwerkkomponenten.
Nvidia begleitet diese Zusammenarbeit somit nicht allein als Technologiepartner, sondern auch mit einer angekündigten Beteiligung am Aktienangebot. Für die Einordnung ist diese Verbindung wichtig: Die Expansion betrifft sowohl den Einsatz der Systeme als auch die Bereitstellung finanzieller Mittel.
Finanzierung als Bewertungsrisiko
Melius Research bestätigte am Montag seine Kaufempfehlung für Nvidia, senkte das Kursziel aber von 420 $ auf 315 $. Als wesentliches Marktrisiko bezeichnete das Analysehaus das Volumen möglicher Wertpapieremissionen großer Technologiekonzerne zur Finanzierung ihrer KI-Ausgaben.
Nach Einschätzung von Melius könnten Finanzierungsabsicherungen die Bewertungsmultiplikatoren bis 2028 unter Druck halten. Die Kaufempfehlung und das niedrigere Kursziel widersprechen sich deshalb nicht zwingend: Das Haus beurteilt die Aktie weiter positiv, setzt für ihre Bewertung aber einen niedrigeren Maßstab an.
Eine zusätzliche Einschränkung betrifft das China-Geschäft. Reuters griff gestern einen Bericht der Financial Times auf, wonach Nvidia Rechenzentrumspartner auffordere, ihre Abhängigkeit von chinesischen Kunden zu verringern. Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig bestätigen. Eine gesicherte neue Unternehmensvorgabe lässt sich daraus daher nicht ableiten.
Quartalszahlen als nächster Prüfpunkt
Für den 17. November 2026 hat Nvidia eine Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals im Geschäftsjahr 2027 angekündigt. Das betreffende Quartal endete am 25. Oktober.
Die Veröffentlichung bietet den nächsten konkreten Prüfpunkt für die operative Entwicklung. Bis dahin sind die Ausbauvorhaben als Pläne und die Finanzierungsbedenken als Analysteneinschätzung auseinanderzuhalten. Die entscheidende Unterscheidung für Anleger lautet: Angekündigte Kapazitäten beschreiben die Expansionsrichtung; erst die Geschäftszahlen zeigen die tatsächlich erreichte wirtschaftliche Entwicklung.
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