Nvidia Aktie: Microsoft-Zahlen am 29. Juli entscheidend

Nvidia-Aktionäre richten Fokus auf Microsofts Cloud-Ergebnisse als Indikator für die KI-Chip-Nachfrage und Investitionspläne.

Die Kernpunkte:
  • Microsoft-Zahlen als Stimmungsbarometer für Nvidia
  • Hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden
  • Halbleitersektor technisch im Bärenmarkt
  • Nvidia operativ mit Rekordumsatz trotz Kurskorrektur

Nvidia-Aktionäre schauen diese Woche nicht auf die eigenen Zahlen. Sie schauen auf Microsoft. Am Mittwoch, den 29. Juli, meldet der Softwarekonzern seine Quartalszahlen — und die könnten wichtiger für Nvidia werden als der eigene Bericht Ende August.

Der Grund liegt in der Kundenstruktur. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 25. Januar endete, stammten 22 Prozent von Nvidias Umsatz von einem einzigen Kunden. Ein weiterer Kunde steuerte 14 Prozent bei. Analysten vermuten, dass es sich bei diesen Großabnehmern um Hyperscaler handelt — mit Microsoft womöglich als größtem Einzelkunden überhaupt.

Warum Microsofts Zahlen als Fieberthermometer gelten

Wächst Microsofts Cloud-Geschäft im Jahresvergleich schneller als erwartet, deuten Investoren das als gutes Omen für Nvidias Chipnachfrage. Genauso wichtig: die Investitionsplanung für das Geschäftsjahr 2027. Kündigt Microsoft deutlich höhere Ausgaben an, lesen Nvidia-Aktionäre das als Signal, dass der KI-Infrastruktur-Boom noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat.

Diese Abhängigkeit von wenigen Großkunden macht Nvidia verwundbar für jede Nachricht aus der Hyperscaler-Welt. Das erklärt auch, warum der Blick der Anleger diese Woche fast ausschließlich nach Redmond wandert.

Der Halbleitersektor steckt im Bärenmarkt

Der Philadelphia Semiconductor Index ist in der vergangenen Woche um rund 10 Prozent gefallen. Damit hat er die Marke von 20 Prozent Verlust seit seinem Juni-Hoch überschritten — technisch gilt das als Bärenmarkt. Nvidia, Micron und Intel gehörten zu den am stärksten betroffenen Werten.

Nvidia selbst notiert inzwischen rund 14 Prozent unter seinem Jahreshoch. Damit befindet sich die Aktie in einer technischen Korrektur, obwohl die Nachfrage nach KI-Beschleunigern, Netzwerktechnik und Software weiterläuft. Die Sorge der Anleger richtet sich nicht gegen die KI-Nachfrage selbst. Sie richtet sich gegen die Frage, ob Technologiekonzerne ihre explodierenden Investitionsausgaben in ebenso starkes Umsatz- und Gewinnwachstum umwandeln können.

Die Geschäftszahlen sprechen bislang eine andere Sprache

Trotz der Nervosität am Markt läuft das operative Geschäft rund. Im ersten Quartal meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das zweite Quartal rechnen Marktschätzungen mit rund 91 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspräche einem Wachstum von fast 96 Prozent im Jahresvergleich.

Diese Zahlen erklären, warum viele Analysten trotz der Kurskorrektur optimistisch bleiben. Nvidia profitiert weiterhin von steigender Nachfrage aus KI-Training, Inferenz, souveräner KI-Infrastruktur und Robotik. Die Messlatte für gute Nachrichten liegt allerdings inzwischen extrem hoch. Starke Zahlen allein reichen möglicherweise nicht mehr aus, wenn Investoren glauben, dass das künftige Wachstum sich verlangsamt oder die Investitionen schneller steigen als die Erlöse.

Charttechnik zeigt ein gemischtes Bild

Die Aktie notiert aktuell bei 179,06 Euro, ein Plus von 0,90 Prozent zum Vortag. Damit liegt der Kurs knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,69 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 165,63 Euro. Dieses Muster spricht für einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend, auch wenn die kurzfristige Dynamik gerade abkühlt.

Der Relative-Stärke-Index liegt bei 50,5 Punkten — ein neutraler Wert, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 35,09 Prozent zeigt allerdings, wie unruhig der gesamte Sektor derzeit gehandelt wird.

Der Kursverlauf der kommenden Tage dürfte weniger von Nvidias eigenen Fundamentaldaten abhängen als von dem, was die größten Kunden über ihre Ausgabenpläne verraten. Microsofts Zahlen am 29. Juli liefern dafür den ersten konkreten Hinweis.

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