Nvidia Aktie: Milliarden-Poker mit OpenAI

Nvidia verhandelt über eine 250-Milliarden-Dollar-Bürgschaft für OpenAI, was die Aktie um fünf Prozent fallen ließ. Analysten diskutieren über Risiken und Chancen des Deals.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt um fünf Prozent
  • Garantie von 250 Milliarden Dollar geplant
  • Deal steht noch am Anfang
  • Bullen sehen Kaufgelegenheit

Nvidia rutschte am Montag um 5,02 Prozent auf 172,88 Euro ab. Der Grund liegt nicht in schwachen Zahlen, sondern in einem Deal, der noch gar nicht unterschrieben ist. Berichten zufolge verhandelt der Chipkonzern über eine Bürgschaft von bis zu 250 Milliarden Dollar für OpenAI. Diese Kursreaktion zeigt, wie nervös Investoren das gesamte Finanzierungsmodell der KI-Branche inzwischen sehen.

Ausgangslage: Ein Deal, der noch nicht steht

Wichtig zuerst: Nichts davon ist fix. Nvidia soll eine Garantie von bis zu 250 Milliarden Dollar für OpenAI übernehmen und zusätzlich Käufe im Wert von 350 Milliarden Dollar mitfinanzieren. Die Gespräche stehen laut den zitierten Insidern noch am Anfang. Sie könnten scheitern, oder die Konditionen ändern sich noch grundlegend.

Der Deal soll OpenAI helfen, Rechenkapazität in einem gewaltigen Rechenzentrums-Hub zu mieten. Eine SoftBank-Tochter baut den Komplex in Ohio. Geplant sind 500 Milliarden Dollar Investitionsvolumen und 10 Gigawatt Leistung. Weder Nvidia noch OpenAI haben die Struktur offiziell bestätigt, beide Unternehmen äußerten sich auf Anfrage nicht.

Auffällig ist die Diskrepanz zur eigenen Bilanz. Nvidias jüngster Quartalsbericht begrenzt das gesamte Garantievolumen für Leasingverträge auf 3,5 Milliarden Dollar. Eine Zusage über 250 Milliarden Dollar wäre also etwa 71-mal so hoch wie alles, was der Konzern bisher offiziell an Garantien ausgewiesen hat.

Die entscheidende Frage: Stärke oder Notlösung?

Der Markt muss eine Grundsatzfrage beantworten. Zeigt eine Bürgschaft für den eigenen größten Kunden unternehmerische Stärke? Oder ist sie ein Warnsignal, dass sich die KI-Wirtschaft ohne künstliche Stützen nicht trägt?

Diese Frage entscheidet, wohin sich der Kurs als Nächstes bewegt. Hält sich Nvidia über dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,18 Euro, bleibt der Rücksetzer eine Randnotiz. Rutscht die Aktie weiter Richtung 52-Wochen-Tief bei 139,78 Euro, wird aus der Korrektur ein handfestes Störfeuer für die gesamte KI-Rally.

Das bullische Szenario: Nachfrage sichern aus einer Position der Stärke

Befürworter sehen in der Bürgschaft schlicht einen cleveren Schachzug. Nvidia nutzt seine überlegene Bilanz in einem Markt, in dem Chips knapp bleiben. Wer KI-Infrastruktur baut, zahlt drauf – und die besten Chips sind weiterhin schwer zu bekommen. In diesem Umfeld reicht eine reine Bestellung nicht mehr. Unternehmen sichern sich Lieferungen, indem sie Kaufzusagen mit Finanzierung verknüpfen.

CEO Jensen Huang hat Vorwürfe der Zirkelfinanzierung wiederholt zurückgewiesen. Mit Blick auf eine frühere Investition in CoreWeave wies er das zurück. Die Summe mache nur einen kleinen Teil dessen aus, was Kunden ohnehin am Kapitalmarkt aufnehmen müssten. Die Idee, das sei zirkulär, nannte er absurd.

Auch Analysten von Morningstar sehen in den Garantie-Vereinbarungen vor allem einen Wachstumshebel. Sie dürften Nvidia helfen, mehr Hardware zu verkaufen und die KI-Nutzung zu beschleunigen. Hinzu kommt ein frisch verkündeter Deal mit dem südkoreanischen Konzern SK Group – zusammen wollen die Firmen ein Geschäftsvolumen von mehr als 500 Milliarden Dollar erreichen. Bullen werten den aktuellen Rücksetzer als Kaufgelegenheit, nicht als Trendwende.

Das bärische Szenario: Lieferantenfinanzierung in beispielloser Dimension

Die Gegenseite sieht ein strukturelles Risiko. Investor Michael Burry bezeichnete die Vereinbarung als weiteren Beleg für eine sich selbst verstärkende Schleife und kommentierte knapp: „Rund und rund geht es weiter.“

Ein von Bloomberg zitierter Stratege formulierte es härter. Garantiert Nvidia noch mehr von OpenAIs Rechenzentrums-Schulden, vertieft das eine Lieferantenfinanzierung, die ohnehin schon unter Beobachtung steht. Das sei ebenso sehr ein Zeichen für Finanzierungsstress im KI-Ausbau wie ein Nachfragesignal.

Verschärfend kommt hinzu: OpenAI selbst hat noch kein Investment-Grade-Rating. Genau deshalb soll die Konstruktion es der SoftBank-Tochter SB Energy erlauben, sich gegen Nvidias Bilanz zu verschulden – nicht gegen die eigene.

Die Kritik reicht über die Finanzierungsmechanik hinaus. Der Fall Nvidia-OpenAI nährt Sorgen, die seit Wochen ohnehin wachsen. Reine Nachfrage nach Rechenleistung reicht dem Markt nicht mehr, um die hohen Investitionsausgaben der Branche zu rechtfertigen.

Hinzu kommt der China-Markt, der trotz jahrelanger Lizenzgespräche praktisch verschlossen bleibt. Nvidias eigener Finanzchef räumte Anfang des Jahres ein: Einzelne H200-Chips wurden für chinesische Kunden genehmigt. Umsatz hat der Konzern damit bislang trotzdem keinen erzielt.

Ausblick: Bestätigung oder Kollaps entscheiden die nächste Bewegung

Die Aktie befindet sich in einer Abwarte-Phase. Weder Panik noch Euphorie prägen gerade das Bild. Bestätigen sich die OpenAI-Gespräche zu einer unterschriebenen Vereinbarung mit klar begrenzten Garantiesummen, dürfte der Markt die Bürgschaft als Mechanismus zur Nachfragesicherung neu interpretieren. Ein solches Szenario würde eine Erholung Richtung 50-Tage-Durchschnitt und darüber hinaus stützen.

Scheitern die Gespräche dagegen, weiten sie sich weiter aus oder ziehen eine formelle Prüfung der Schuldenkonzentration nach sich. Dann dürfte die Aktie näher an den 200-Tage-Durchschnitt oder sogar an das 52-Wochen-Tief zurückfallen. Die nächsten konkreten Katalysatoren: eine Bestätigung oder ein Dementi der OpenAI-Konditionen sowie die in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen von Microsoft, Amazon und Meta. Deren Kommentare zu den eigenen Investitionsausgaben könnten die Stimmung für den gesamten KI-Hardware-Sektor rasch neu justieren.

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