Nvidia Aktie: Musk setzt SpaceX auf Vera-Rubin

Nvidia etabliert sich durch SpaceX-Partnerschaft als KI-Standard. Trotz Insider-Verkäufen und Exportprüfungen bleibt das Wachstum stark.

Die Kernpunkte:
  • SpaceX setzt vollständig auf Nvidia
  • 5-Milliarden-Investition in KI-Start-up
  • US-Behörde prüft Chip-Exporte nach China
  • Insider verkaufen Aktien im Wert von Milliarden

Es gibt Momente, in denen ein einzelner Satz einen ganzen Industriezweig neu ordnet. Als Elon Musk am Dienstag vergangener Woche während der SpaceX-Telefonkonferenz erklärte, sein Unternehmen werde „künftig ausschließlich auf Nvidia aufbauen, weil wir glauben, dass die Vera-Rubin-Architektur die beste ist“, war das mehr als ein Kompliment an einen Zulieferer. Es war die Bestätigung, dass Nvidia nicht mehr nur Chips verkauft, sondern zur Infrastrukturwährung des gesamten KI-Zeitalters geworden ist – im All wie auf der Erde.

Wenn Raketen und Satelliten zu Rechenzentren werden

SpaceX will das Vera-Rubin-NVL723-Rack-Supercomputersystem sowohl am Boden als auch im Orbit einsetzen. Parallel entwickeln beide Unternehmen gemeinsam den Satelliten-Rechenpayload „Starmind AI1“ – jeder Starmind-Satellit soll künftig Nvidia-Rubin-GPUs und Vera-CPUs für Rechenzentrums-Klasse-Leistung im Weltraum mitführen. Medienberichten zufolge legte die Nvidia-Aktie nach Musks Aussage im US-Handel deutlich zu und markierte damit den fünften Gewinntag in Folge. Musk hatte zuvor bereits auf der Plattform X erklärt, auch xAI werde ausschließlich auf Nvidia-Grafikprozessoren setzen. Zwei der einflussreichsten Figuren des KI-Booms bekennen sich damit öffentlich zu einem einzigen Zulieferer – ein Signal, das schwerer wiegt als jede Analystenstudie.

Diese Episode reiht sich in ein Muster ein, das sich seit Monaten verdichtet. Ende Juli verkündeten Nvidia und Safe Superintelligence Inc., das Start-up von Ilya Sutskever, eine langfristige Partnerschaft: Nvidia investiert in SSI und öffnet den Zugang zur Vera-Rubin-Plattform, was die Rechenkapazität des Unternehmens um eine Größenordnung steigern soll. Bloomberg bezifferte das Investitionsvolumen auf 5 Milliarden Dollar. Schon zuvor hatte Nvidia Kapital in Mira Muratis Thinking Machines Lab gesteckt, das inzwischen erste multimodale Open-Source-Modelle auf Nvidia-GB300-NVL72-Systemen trainiert hat. Der Konzern kauft sich damit nicht nur Kunden – er verankert seine Architektur in den Fundamenten der nächsten KI-Generation.

Der Preis der Marktmacht: Prüfer klopfen an

Wer zur unumgänglichen Infrastruktur wird, zieht Aufsicht an. Bloomberg berichtete am Freitag, dass eine US-Behörde untersucht, wie chinesische KI-Firmen trotz Exportbeschränkungen an Nvidia-Chips gelangen. Im Fokus steht offenbar die Praxis, Rechenleistung im Ausland anzumieten – ein Umweg, über den technologische Fortschritte chinesischer Anbieter trotz Sanktionen erklärbar wären. Die Abteilung, die Verstöße gegen Chip-Exportkontrollen verfolgt, prüft nun systematischer solche legalen Grauzonen. Für Nvidia ist das kein neues Thema, aber ein Erinnerungsposten: Geopolitik bleibt der Preis, den ein Unternehmen zahlt, das zur globalen Schlüsseltechnologie geworden ist.

Auf der Unternehmensseite selbst zeigt sich Nvidia derzeit betont staatstragend. Der Konzern beteiligt sich am Programm der US National Science Foundation für regionale KI-Infrastruktur-Hubs und investiert gemeinsam mit Partnern in amerikanische Fertigung, Lieferketten und Energienetze. Zugleich engagiert sich Nvidia in der Open Secure AI Alliance, die auf über 120 Organisationen angewachsen ist und neue Leitlinien für die Sicherheit agentischer KI-Systeme entwickelt. Wer derart tief in staatliche und industrielle Strukturen verwoben ist, wird schwerer angreifbar – aber auch schwerer zu entflechten, sollte politischer Gegenwind aufkommen.

Insider verkaufen, der Konzern wächst weiter

Ein Gegengewicht zur Euphorie liefert ein alter Bekannter: Seit Anfang 2024 haben Insider Nvidia-Aktien im Wert von mehr als 3,3 Milliarden Dollar verkauft, allein CEO Jensen Huang rund 2,9 Milliarden Dollar – im Rahmen vorab festgelegter 10b5-1-Handelspläne. Huang hält weiterhin etwa 860 Millionen Aktien, rund 3,5 Prozent aller ausstehenden Anteile. Verkäufe nach Plan sind kein Alarmsignal, doch sie erinnern daran, dass auch die größten Profiteure des KI-Booms Kasse machen, während der Markt noch auf Wachstum wettet.

Am 26. August legt Nvidia die Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2027 vor. Der Konsens erwartet ein Umsatzwachstum von 96 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, für das dritte Quartal rechnen Analysten mit 81 Prozent. Bemerkenswert: In den vergangenen vier Quartalsberichten reagierte die Aktie jeweils mit Kursrückgängen auf die Zahlen – ein Muster, das die Erwartungshaltung dämpft, selbst wenn die operativen Werte weiter beeindrucken.

An der Börse zum Wochenschluss zeigte sich davon wenig: Der Kurs schloss am Freitag bei 193,68 Euro, ein Plus von 2,03 Prozent auf Tagesbasis und ein Anstieg von 11,23 Prozent binnen einer Woche. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch fehlen noch 4,36 Prozent. Die Frage, die sich daraus ableitet, ist keine nach Kauf oder Verkauf, sondern nach Statik: Kann ein Unternehmen, das gerade zur Infrastruktur eines ganzen Zeitalters wird, dauerhaft so bewertet werden, als wäre es noch ein gewöhnliches Wachstumsunternehmen?

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