Nvidia Aktie: OpenAI startet Jalapeño-Konkurrenz
OpenAI stellt mit Jalapeño einen eigenen KI-Chip vor, der Nvidias Dominanz im Inference-Bereich herausfordert und den Aktienkurs belastet.

- OpenAI präsentiert eigenen KI-Chip
- Jalapeño senkt Kosten um 50 Prozent
- Nvidia Aktie verliert an Wert
- Langfristige Konkurrenz durch Kunden-Chips
OpenAI hat seinen ersten eigenen KI-Chip vorgestellt — und trifft damit Nvidia genau dort, wo das Wachstum am schnellsten läuft. Der GPU-Konzern verlor am Mittwoch 1,19 Prozent auf 173,80 Euro. Das ist mehr als ein Kurstag.
„Jalapeño“ zielt auf Inference
Der neue Chip heißt Jalapeño, wurde von OpenAI entworfen und in Zusammenarbeit mit Broadcom entwickelt. Er ist ein ASIC — ein anwendungsspezifischer Schaltkreis. Das macht ihn weniger flexibel als Nvidias GPUs, aber günstiger und auf bestimmte Aufgaben zugeschnitten.
Konkret läuft Jalapeño für Inference: den Prozess, bei dem KI-Modelle auf Nutzeranfragen antworten. Broadcom-Chef Hock Tan spricht von rund 50 Prozent Kostenersparnis gegenüber herkömmlichen KI-GPUs. Unabhängige Benchmarks fehlen bislang, aber die Kostenbotschaft wirkt bereits auf die Stimmung.
Entwicklung und Fertigungsauftrag dauerten laut OpenAI nur neun Monate. TSMC übernimmt die Produktion, Celestica die Systemintegration. Erste Auslieferungen sind für Ende 2026 geplant, eine Nachfolgeversion für 2028.
Kunde wird Konkurrent — aber nur teilweise
OpenAI gehört seit dem Start des Generative-AI-Booms 2022 zu Nvidias größten Abnehmern. Das bleibt vorerst so. Jalapeño ersetzt keine Nvidia-Hardware beim Training großer Modelle. Für die rechenintensivsten Workloads bleibt OpenAI auf GPUs angewiesen.
Hinzu kommt: Amazon, Google und Microsoft bauen parallel eigene KI-Chips. Das Muster ist dasselbe — Inference-Optimierung, eigene Silizium-Programme, Kostenkontrolle.
OpenAI hat außerdem zugesagt, bis 2029 zehn Gigawatt an selbst entwickelten Beschleunigern gemeinsam mit Microsoft einzusetzen. Das ist ein strukturelles Signal. Die größten KI-Betreiber wollen nicht mehr für jeden Workload dieselbe Architektur kaufen.
Nvidias Fundament bleibt stark — vorerst
Der Kursrückgang der vergangenen Wochen geht nicht allein auf Jalapeño zurück. Nvidia liegt 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Neben dem Chip-Wettbewerb belastet auch eine breitere Rotation aus Wachstumswerten: Die Fed sendete zuletzt eine restriktivere Botschaft zur Inflation, was KI-lastige Bewertungen unter Druck setzt.
Bernstein hält trotzdem an seiner Kaufempfehlung fest. Die Analysten stufen Nvidia und Broadcom als „Outperform“ ein und nennen beide Aktien als Pflichtbestandteil jedes Portfolios. Ihr Argument: Die Nachfrage zeige keine Abschwächung, und beide Titel seien gemessen an den Fundamentaldaten günstig bewertet.
Die Fundamentaldaten geben ihnen Rückendeckung. Im letzten Quartal stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 81 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge lag bei über 74 Prozent. Nvidia erwartet, dass die Investitionsausgaben der großen Hyperscaler 2027 auf eine Billion Dollar steigen.
Das eigentliche Risiko ist langfristiger Natur. Wenn Googles, Amazons, Microsofts, Metas und OpenAIs eigene Chip-Programme reifen, schrumpft der Anteil der Inference-Workloads, der über Nvidias Plattform läuft. Ob das zu echten Umsatzeinbußen führt oder nur zusätzliche Kapazität neben Nvidia schafft, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren — spätestens wenn Jalapeño in großem Maßstab läuft und unabhängige Leistungsvergleiche vorliegen.
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