Nvidia Aktie: Pause bei Finanzierungsprogramm belastet

Nvidia übertraf die Wall-Street-Prognosen, doch eine Programm-Pause, Margendruck und Zinsängste belasteten den Kurs trotz starker Aussichten.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt nach starkem Kurssprung
  • Finanzierungsinitiative für Cloud-Anbieter pausiert
  • Quartalsumsatz steigt auf 96,2 Milliarden Dollar
  • Speicherknappheit belastet gesamte Chipbranche

Ein Rekordquartal, ein Kurssprung von 8,7 Prozent — und einen Tag später schon wieder vier Prozent im Minus. Nvidia zeigt gerade, wie schnell selbst blendende Zahlen von anderen Themen überlagert werden können.

Auslöser für den Rückgang auf rund 217 bis 218 Dollar war ein Bericht, wonach Nvidia Teile seines AI Compute Partnership-Programms pausiert hat. Die Initiative sollte kleineren Cloud-Anbietern helfen, Nvidia-Infrastruktur über Umsatzbeteiligungen zu finanzieren.

Einige potenzielle Partner störten sich daran, dass Nvidia mehr Einfluss darauf nehmen wollte, welche Kunden die Systeme nutzen dürfen — intern wurden zudem Bedenken laut, dass die Konstruktion regulatorische und kartellrechtliche Risiken erhöhen könnte.

Starke Zahlen, aber Nebengeräusche

Dabei war der Ausgangspunkt eigentlich glänzend. Nvidia meldete für das jüngste Quartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar — ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr — bei einem Gewinn je Aktie von 2,22 Dollar, deutlich über den Erwartungen der Wall Street. Für das laufende Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, ohne China-Rechenzentrumsgeschäft eingerechnet.

Zwei Dinge trübten die Euphorie dennoch. Die Bruttomarge soll im vierten Fiskalquartal wegen steigender Speicherpreise auf etwa 71 bis 72 Prozent zurückgehen. Hinzu kommt ein separat gemeldeter Plan zur Übernahme der KI-Plattform Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar, der bei manchen Investoren Fragen zur Kapitalallokation aufwirft.

Der Rücksetzer fiel zudem in ein ungünstiges Marktumfeld. Fed-Chef Kevin Warsh hielt am Freitag beim Notenbankertreffen in Jackson Hole seine erste Grundsatzrede und schlug einen falkenhaften Ton an — er verwies auf eine Inflationsrate von 3,7 Prozent, deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank.

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September stieg daraufhin an den Terminmärkten spürbar, was besonders zinssensible Technologiewerte belastete. Der Philadelphia Semiconductor Index gab in der Folge um 3,5 Prozent nach.

Speicherengpass als Branchenthema

Bemerkenswert ist, dass Nvidia selbst mit den Folgen der knappen Speicherversorgung zu kämpfen hat, die derzeit die gesamte Chipbranche prägt. Für das kommende Rubin-Ultra-Design prüft das Unternehmen laut Marktbeobachtern günstigere 8-Hi-HBM4-Stapel als Alternative zur ursprünglich geplanten 12-Hi-HBM4E-Spezifikation — mit dem Ziel, den begrenzten Vorrat an Speicherchips zu strecken. Wenn selbst der Marktführer mit der größten Einkaufsmacht rationiert, zeigt das, wie angespannt die Lage in der gesamten Lieferkette ist.

Trotz des Rücksetzers bewerten manche Marktbeobachter die Aktie inzwischen als attraktiv bewertet. Bei einem Kurs von rund 217 Dollar und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22,6 auf Basis der erwarteten Gewinne wirkt die Bewertung angesichts eines Umsatzwachstums von über 80 Prozent moderat — vorausgesetzt, das KI-Infrastrukturwachstum hält an.

Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, wie Nvidia mit dem pausierten Partnerschaftsprogramm umgeht und ob weitere Details zur Hugging-Face-Übernahme folgen. Beides sind Fragen der Unternehmensführung — nicht der operativen Stärke, die das jüngste Quartal eindrucksvoll belegt hat.

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