Nvidia Aktie: SemiAnalysis erwartet 20% Übertreffer H2 2027

Nvidia erwartet dank der Vera-Rubin-Plattform deutliche Umsatzsteigerungen, trotz Herausforderungen in China und fallender GPU-Mietpreise.

Die Kernpunkte:
  • Prognose: 20% über Konsens bei Rechenzentren
  • Vera Rubin startet Lieferungen im Herbst
  • China-Geschäft bricht nahezu komplett ein
  • Aktienrückkaufprogramm über 80 Mrd. Dollar

Nvidia steckt in einer technischen Korrektur — und bekommt gleichzeitig frischen Rückenwind aus der Halbleiterforschung. Der unabhängige Analysedienst SemiAnalysis prognostiziert, dass Nvidia im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 die Konsenserwartungen der Wall Street beim Rechenzentrums-Umsatz um rund 20 Prozent übertreffen könnte. Das ist eine erhebliche Ansage.

Vera Rubin: Lieferstart im Herbst

Der Treiber dahinter ist die Vera-Rubin-Plattform. Sie ging am 1. Juni 2026 offiziell in die Vollproduktion. Frühere Engpässe bei HBM4-Speicherchips, die Massenlieferungen verzögert hatten, sind laut SemiAnalysis vollständig behoben. Wafer-Bestände wurden bereits vorproduziert — der Weg für einen scharfen Volumenanstieg in den kommenden Quartalen ist frei.

Nvidia hat die Plattform dabei technisch überarbeitet. Die ursprünglich geplante Vier-Chip-Konfiguration des Rubin Ultra wich einer kompakteren Variante mit etwa halbem Formfaktor. Das verbessert die Leistung pro Token für Hyperscaler und beschleunigt den Produktionshochlauf. Erste Lieferungen starten im Herbst — an acht große Cloud-Partner, darunter AWS, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud sowie CoreWeave und Lambda.

Gegenwind aus China und dem GPU-Mietmarkt

Das Bild ist nicht ohne Schatten. Der Stundenpreis für die Anmietung einer B200-GPU im öffentlichen Cloud-Markt fiel von 6,11 Dollar Ende Mai auf 4,22 Dollar am 21. Juni — ein Rückgang von 31 Prozent. Marktbeobachter werten das als Zeichen, dass Cloud-Kapazitäten derzeit schneller aufgebaut werden als neue KI-Projekte in die Pipeline kommen. Preisdruck also, vorerst.

Schwerer wiegt der Verlust des China-Geschäfts. CEO Jensen Huang räumte ein, dass Nvidia den Markt für fortschrittliche KI-Chips in China weitgehend an heimische Anbieter wie Huawei abgetreten hat. Der Rechenzentrums-Umsatz auf dem chinesischen Festland fiel im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf nahezu null — nach 4,6 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

Starke Bilanz, aktive Kapitalrückgabe

Trotz der Kurskorrektur — die Aktie notiert rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro — bleibt die fundamentale Ausgangslage stark. Nvidia meldete für das erste Quartal einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Vorstand hat ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar genehmigt. Die Quartalsdividende stieg auf 0,25 Dollar je Aktie — gegenüber zuvor 0,01 Dollar ein drastischer Sprung. Analysten sehen das Kursziel im Konsens bei rund 303,80 Dollar, was vom aktuellen Niveau aus erhebliches Aufwärtspotenzial impliziert.

Ob dieses Potenzial sich hebt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die Vera-Rubin-Lieferungen im Herbst anlaufen und ob der GPU-Mietmarkt seinen Boden findet.

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